ABSCHUSS BEFÜRCHTET

Wisente an deutsch-polnischer Grenze gesichtet

In der Nähe des polnischen Grenzortes Cedynia wurden zwei Wisentbullen gesichtet. Die Tiere könnten auch nach Brandenburg wandern. Naturschützer warnen vor einem Abschuss.
Anna-Christina Bytom Anna-Christina Bytom
In der Nähe der Oder wurden zwei Wisentbullen gesichtet. (Archivbild)
In der Nähe der Oder wurden zwei Wisentbullen gesichtet. (Archivbild) Nestor Bachmann
Cedynia.

Im polnischen Cedynia, knapp 20 Kilometer nordöstlich von Bad Freienwalde, 350 Meter vor der deutschen Grenze wurden nach Angaben der Natur- und Umweltschutzorganisation WWF Deutschland zwei Wisentbullen gesichtet. Die Tiere könnten auch nach Deutschland kommen, teilte die Organisation mit. „Wandernde Wildtiere wie Elch, Wisent und Wolf kennen keine Ländergrenzen”, hieß es vom WWF. Man werde alle Landkreise in der Nähe der gesichteten Wisente über die Tiere und deren mögliches Auftauchen in Deutschland informieren.

Hannes König vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, das wie der WWF an einer länderübergreifenden Projektgruppe beteiligt ist, erklärte, „dass eine Sensibilisierung betroffener Landnutzer, insbesondere aus den Bereichen Land-/ Forstwirtschaft, aber auch Jagd, Naturschutz, Tourismus und Verkehr notwendig ist, um neben einer höheren Akzeptanz für den Artenschutz auch nachhaltige Managementstrategien umzusetzen“.

Sind Wisente gefährlich?

Denn die Naturschützer fürchten, dass die Wisente bei einem Grenzübertritt erschossen werden könnten. Vor zwei Jahren hatte schon einmal ein freilaufender Wisent die Grenze überquert und wurde dann bei Lebus in Brandenburg auf Anordnung des örtlichen Ordnungsamt-Leiters von einem Jäger erschossen. So etwas dürfe nicht noch einmal passieren, so der WWF Deutschland. „Wenn Wisente von sich aus in ihre ehemalige Heimat zurückkehren, sollten wir sie willkommen heißen und nicht abschießen. Abgesehen davon ist die Abschussfreigabe eines streng geschützten Tieres ohne ein ersichtliches Gefährdungspotential eine Straftat“, sagte WWF-Wisent-Expertin Nina Gandl.

Gefahren für die öffentliche Sicherheit gingen von wildlebenden Wisenten in der Regel nicht aus, betont die Umweltschutzorganisation. Wie bei jedem Wildtier gelte es auch auch bei einem Wisent, Ruhe zu bewahren, einen ausreichenden Sicherheitsabstand einzuhalten und das Tier nicht unnötig zu erschrecken.

Den Abschuss des Wisents im Jahr 2017 bezeichnet Gandl als „Ausdruck einer Hilflosigkeit der Behörden“. „Wenn der Leiter eines Ordnungsamts nicht weiß, wie er mit Wildtieren umgehen soll, ist das für Deutschland ein Armutszeugnis in Punkto Artenschutz, meint sie. „Der Vorfall war für die Politik aber scheinbar kein Warnschuss, denn seitdem ist nicht viel passiert. Wenn überhaupt lastet das Wildtiermanagement häufig auf den Schultern von engagierten Ehrenamtlichen, professionelle Strukturen fehlen überwiegend. Deutschland muss dringend sein Wildtiermanagement professionalisieren.“

 

 

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Cedynia

zur Homepage