IMMER MEHR RISSE

Wölfe sind vor allem scharf auf Schafe

Die Zahl der Angriffe von Wölfen auf Nutzvieh hat sich im Jahr 2020 im Land Brandenburg fast verdoppelt. Der Landesjagdverband schlägt Alarm.
Ein Wolf in einem Wildpark. In Brandenburgischen Wäldern leben mehr als 300 Tiere. (Symbolbild)
Ein Wolf in einem Wildpark. In Brandenburgischen Wäldern leben mehr als 300 Tiere. (Symbolbild) Lino Mirgeler
Prenzlau ·

Die Wölfe breiten sich im Land Brandenburg immer weiter aus, mit Folgen vor allem für die Nutztierhalter unter den Landwirten. Laut Statistik des Brandenburger Landesamtes für Umwelt Brandenburg hat sich die Zahl der dokumentierten Wolfsrisse im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt. 2019 hatten die Behörden 417 Tötungen registriert. Im vergangenen Jahr waren es 813 getötete Nutztiere. Vor zehn Jahren, so erinnert der Landesjagdverband am Montag in einer Pressemitteilung, seien es noch 86 Fälle gewesen.

Aus Sicht der Jäger dokumentiere die Statistik das Grauen des „Grauen”. Wie viele “Opferlämmer” brauche es noch, um rechtliche Änderungen herbeizuführen, fragt der Landesjagdverband Brandenburg (LJVB) ironisch. Nur zuzuschauen, wie die Wolfsbestände wachsen und wachsen, sei offensichtlich nicht der richtige Weg. „Es führt kein Weg an der Festlegung eines 'Akzeptanzbestandes' und Bestandsregulierung vorbei”, sagte der LJVB-Präsident Dirk-Henner Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg. Niemand wolle den Wolf ausrotten, aber sein Bestand müsse reguliert werden.

Besonders auffällig ist der Anstieg der gerissenen Schafe. Wurden 2019 noch 279 Schafe vom Wolf getötet, waren es 2020 bereit 625. Auch bei Rindern – gestiegen von 60 auf 84 – und Damwild – von 53 auf 82 – gab es einen deutlichen Anstieg der vom Wolf gerissenen Tiere. 21 Ziegen und ein Pferde gehörten ebenfalls zur Beute der Wölfe in Brandenburg.

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Schutzzäune reichen nicht aus

Die Wölfe lassen sich auch nicht von Schutzmaßnahmen aufhalten, wie der Landesjagdverband feststellt. 279 der 625 gerissenen Schafe hätten in ordnungsgemäß gekoppelten Bereichen gestanden; damit fielen insgesamt 45 Prozent aller Schafe Wölfen zum Opfer, obwohl diese „wolfssicher” geschützt waren. „Die erheblichen Investitionen in den Schutz unserer Nutztierbestände unter der neuen Hausleitung des Brandenburger Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz haben also in keiner Weise zu einem besseren Schutz für unsere Weidetiere geführt”, erklären die Jäger.

Mit den Zäunen scheine man allgemein im Brandenburgischen nicht das glücklichste Händchen zu haben. Doch es gäbe auch hier andere Maßnahmen, die die Situation deutlich wirksamer eindämmen könnten. „Der Schutz der Weidetiere durch angemessene Maßnahmen ist ein Mittel der Wahl, um Wolfsübergriffe zu begrenzen. Verhindert werden sie damit nicht, wie die Rissstatistik zeigt”, erklärte Wellershoff.

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Ende Januar hatte der Landtag den Weg für eine Bejagung von Problemwölfen freigemacht. Wenn Wölfe mehrfach in mit Zäunen und Herdenschutzhunden gesicherten Schaf- oder Rinderherden zuschlagen, sollen Jäger und Landwirte künftig nicht mehr darauf warten müssen, ob der Schaden einem einzelnen Tier konkret zugeordnet werden kann. Vielmehr soll dann auf jedes Tier des betreffenden Rudels Jagd gemacht werden dürfen.

Brandenburg ist das wolfsreichste Bundesland in Deutschland. In der Mark leben deutlich mehr als 300 Tiere.

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Kommentare (18)

Laut WWF und IUCN gehört der Wolf nicht zu den bedrohten Tierarten.
Dass er aus der Nähe des Menschen vertrieben wurde, nun das hat seine Gründe. Das müsste jetzt eigentlich jeder verstehen. Man sollte nicht auf "Wolfsexperten", Tierfilmer und unterbeschäftigte Biologen hören. Der Wolf ist kein scheues Waldtier, er war immer schon Kulturfolger. Bald wird er in Städten herumlaufen, wie die Wildschweine und Füchse. Und es wird, Gott behüte, Übergriffe auf Menschen geben, so wie in Nord-Amerika und Asien.

Wenn man sich das Vorgehen der Schäfer in Rumänien betrachtet mit ihren Herdenhunden in den Bergen dort haben die Wölfe Respect und überlegen sich anzugreifen. Wenn dann nochmal ne Bohne hinterhergeschickt wird überlegen sie sich;s zweimal. Im Vergleich dazu haben wir die Wölfe so erzogen das sie im Glauben sind in ein einem Schlaraffenland /Selbstbedienungsladen leben zu dürfen, dann ist dieses Verhalten vorprogrammiert und wird an die Jungtiere mit jedem Wurf weitergegeben.

Herdenschutzhunde in dicht besiedelten Gebieten sind aber selbst eine große Gefahr, z.B. für Spaziergänger. Die haben wenig Humor wenn man ihrer Herde zu nahe kommt. In Ost-Europa werden übrigens auch gerne Giftköder ausgelegt und Fallen aufgestellt. Und viele Schäfer haben ein Jagdgewehr im Schrank.

In Deutschland werden HSH fast ausschließlich in der Kombination mit Zäunen eingesetzt. Ich züchte selber HSH und meine Hunde sind sicher geprägt. Keine Aggression gegen Spaziergänger oder sogar gegen angeleinte Hunde. Keiner meiner Hunde geht über den Zaun.
HSH sind DIE Alternative.
Tatsächlich bin ich auch dafür, mit gezielten Entnahmen 1. dem Wolf wieder Angst vor Menschen einzuprägen 2. abgesetzte Alpha Wölfe, die auf leichte Beute aus sind, zu stoppen.
Das Interesse von Nutztierhaltern, sich mit Hunden zu schützen ist besonders in MV und UM extrem gering.
Meist wird laut Hilfe geschrien, wenn der Wolf schon da ist.
Und das der Wolf auf dem Vormarsch ist, sollte eigentlich jedem jetzt bekannt sein.
Und sein Schutzstatus kommt nicht von ungefähr...

Zitat: Der Herdenschutzhund ist in unseren kleinteiligen Wäldern und eng besiedelten Kulturräumen, kein geeignetes „Anti-Wolf-Instrument“, sondern für unbeteiligte Dritte im höchsten Grade risikobehaftet,“ warnt Dr. Thomas Steidl, Präsident der Landestierärztekammer Baden-Württemberg

Wikipedia: Der Herdenschutzhund ist ein großer und kräftiger Hund, der für den Schutz und die Verteidigung der ihm anvertrauten Herde gegen Mensch und Tier gezüchtet wird

Das scheint eine Einzelmeinung zu sein, die gegen die vielen erfolgreichen HSH Projekte steht.
Im Zweifel glaube ich lieber dem Schäfer aus der Praxis, als einem TA aus BaWüm.
Ich sehe die Erfolge auf meinen Koppeln

Woher soll ein HSH auch wissen, ob es sich um einen harmlosen Spaziergänger handelt, oder um einen Viehdieb?

Ist die halbe Miete. Unsere Hunde bellen und das scheint neben einem guten Elektrozaun Wirkung zu zeigen. Mit einem Dackel ist da wohl kein Blumentopf zu gewinnen. Ich habe aber auch darüber nach gedacht, Herdenschutz Hunde direkt in die Herde zu integrieren. Um die Ecke ein Bekannter Schäfer arbeitet wohl erfolgreich mit Ihnen/ werde mir da mal vor Ort ein Bild machen. Davon halte ich mehr als ausschließlich Wikipedia. Ein Freund der an einem wirklich abgeschiedenem Waldrand mit einem niedrigen E-Zaun gearbeitet hat wurde direkt von Isegrim belehrt das es schon eine gewisse Mindesthöhe geben sollte. Ich habe nachts meine Schafe auf einer kleinen extra hoch eingezäunten Koppel mit Stall der nicht verschlossen ist. Toi toi das scheint so zu funktionieren.

Und BW- Soso na dann wird es wohl so stimmen...
Meine Schafe kommen klar - auch mit Wolf teilweise im Dorf gesichtet und vom Jäger gefilmt - na aber ich bin da wohl eine Ausnahme...

Da rührt der Simsalabim wieder die Werbetrommel für seine HSH und weigert sich beharrlich die Realitäten zur Kenntnis zu nehmen.

Das "Interesse" von Nutztierhaltern, sich mit Hunden zu schützen ist in MV und Uckermark nicht gering, sondern ist für die allermeißten Schafhalter, nach reiflicher Überlegung unter den gegebenen Voraussetzungen, unmöglich.

Diese Hunde fressen den kompletten Gewinn, der Schafe die die Hunde beschützen sollen, wieder auf.
Wenn das als Argument nicht reicht, kann man ja mal die Arbeitszeit in einer Schäferei recherchieren und dann die Arbeitszeit, die ein (oder mehrere) Rudel HSH verursachen, oben drauf packen.
Und wenn das immer noch nicht als Gegenargument ausreicht, sollte sich mit der Haftungsfrage auseinander setzen. Wer behauptet, dass seine HSH keine Aggressionen gegen Spaziergänger und angeleinte Hunde zeigen, hat entweder keine Ahnung von echten arbeitenden HSH, oder will dem interessierten Leser einen Bären aufbinden. Nicht jeder HSH ist zauntreu und nicht jeder HSH zeigt keine Aggressionen gegen Menschen und angeleinte Hunde. Solche Exemplare sind die absolute Ausnahme und langfristig unbrauchbar, wenns um die Verteidigung der Schafherde gegen große Raubtierrudel geht.

Was soll ein Schäfer mit den 50% Hunden machen, die die harten Auswahlkriterien (menschenlieb, zauntreu und aggressionslos) nicht erfüllen? Tierheim? An eine Tierschutzoma verschenken?

Ganz abgesehn davon werden immer öfter, auch mit HSH geschützte, Schafherden von Wölfen dezimiert und HSH erheblich verletzt. Von HSH, die auf die eignen Schafe losgegangen sind und dabei mehr Schaden wie Wölfe angerichtet haben, will ich gar nicht wieder anfangen.

Das ist nicht richtig, was sie schreiben.
Ich muss auch keine Werbetrommel rühren, ich werde meine Welpen immer los.
Die Welpen die nicht zum Aebeitshund geeignet sind, gehen in Familien.
Ich kann nur wiederholen, meine Hunde sind zaunsicher. Keine Übergriffe gegenüber Unbescholtenen.
Ich rede auch nicht davon 5 Kangal und 500 Schafe frei laufen zu lassen.
Nicht jede Rasse ist für den engen Siedlungsraum Deutschland geeignet, aber bei richtiger Auswahl und Beratung ist ein extrem hoher Schutz möglich.
Dies gilt auch nicht für jeden Nutztierhalter, aber für die meisten.
Googeln Sie die vielen Erfolge und lassen sich beraten

Der Landwirt, den ich kenne, hat mit Kangal Hunden gute Erfahrungen- aber auch da wird es wieder solche und solche Beidpiele geben. Eine Bekannte hat einen HSH dessen Rasse ich nicht erinnere und hat nun noch einen 2. und wohnt mit Schafen, Gänsen, Enten, Hühnern sehr abgeschieden -nun kann ich nicht beurteilen wie dicht Wölfe dort sind (Nord Brandenburg) aber sie scheint als private Hobbyhalterin bisher zum Glück verschont. Davor hat ihr auch der Fuchs zu schaffen gemacht.

Schlechter Hund und noch schlechterer Halter.
In den Dörfern hier kann sich jeder mindestens einen Hund pro Grundstück leisten. Privat. Da rede ich nicht von HSH.
Die Hunde fressen den kompletten Gewinn auf - kurios das ich da gegenteilig Betriebe kenne, die diesbezüglich keine Probleme haben.
Schafhaltung muss wie jede andere Tierhaltung knallhart kalkuliert werden. Große Betriebe stehen logisch ganz anders da als Kleine. Das steht und fällt aber nicht mit dem Hund.
Ihre Tierschutzoma kümmert sich derweil eher um Cane Corso und co die zu horrenden Preisen seit Monaten unter die Leute geschwemmt werden. Da würde ich mir mal mehr Gedanken zu machen.
Sie scheinen bei diesem Thema total schlechte Erfahrungen gemacht zu haben und sind so verprellt, dass Sie zum persönlichen Angriff übergehen müssen so mein Eindruck.
Ein befreundeter Landwirt (Rinder) hat auch erst Ruhe gehabt, nachdem er sich zum Zaun auch Hunde geholt hat - von denen wurde ich obwohl ich zunächst auch sehr beeindruckt war von ihrer Größe und dem Erscheinen auch nicht gefressen. Allerdings spaziere ich auch nicht nachts allein an der Koppel...
Vielleicht sollten Sie auch positive Beispiele und direkte Kontakte suchen - ich höre mir weiter beide Seiten an. Ich habe mir auch einen Wolfsriss angesehen - da sind Wölfe unter einen Wildzaun durch und haben 3 Tiere einer großen Herde gerissen - wahrlich kein schöner Anblick - da standen die Schafe sehr abgeschieden im Sommer recht unbeobachtet. Nun kann man spekulieren ob es zu still und menschenleer dort war?!
Ich denke es gibt viele positive Beispiele die zum Glück die negativen überwiegen. Ich möchte auch nicht in Frage stellen, wie hart ein Betriebsalltag ist. Trotzdem weiche ich persönlich nicht davon ab, das weiter erst nach einem Abwägen der Situation der Abschuss beschlossen wird.

"Ganz abgesehn davon werden immer öfter, auch mit HSH geschützte, Schafherden von Wölfen dezimiert und HSH erheblich verletzt."
Wölfe habe in MV schon 200 cm hohe E-Zäune überwunden und Schafe gerissen obwohl HSH vorhanden waren.

Geben Sie doch Ihre Quellen bitte genauer an.
Ich denke trotzdem es sind Einzelfälle- ich kann nur sagen was ich in der Praxis hier sehe - bei mir aber auch anderen Haltern - der hungrige Wolf fällt nicht über jedes Schaf in MV her.
Auch auf Anfrage beim Landes Schaf-und Ziegenverband konnte so ein Bild nicht bestätigt werden.
Ich denke auch mit den HSH - sehr verallgemeinert- 1 Hund, 3 Wölfe - keine Chance da gebe ich Ihnen Recht. 3 Hunde in entsprechendem Alter und ausgebildet - soweit man von Ausbildung sprechen kann - da muss aber schon jemand sehr hungrig sein. Der Wolf geht ja auch nicht das Risiko schwerer Verletzungen ein. Deshalb bitte explizit eine Quellenangabe als Beleg. Für mich wenn überhaupt nur einmalig - bei 2m und Hunden. Aber gerne Fotos und Quelle - mich interessiert das Thema sehr und ich recherchiere sowohl über gut gelingendes als auch schlecht funktionierendes Wolfstiermanagement.

Finde auch ich es völlig notwendig Wölfe, die trotz Prävention ständig „Ärger“ machen zu schießen. Was den Bestand angeht finde ich es logisch das dieser erstmal wächst wenn es möglich ist - sich aber letztlich einpendelt und reguliert - man sieht hier 10Jahre- ich Denke in 40 Jahren werden die Rudel nicht in gleichem Maße ansteigen. Wobei es schwierig ist - wir haben hier natürlich nicht hiesige romanische Gebirge mit endlosen Weiten - genau deshalb bin ich pro Abschuss bei allzu aufmüpfigen Problem Wölfen. Aber per se den Abschuss freizugeben finde ich nicht gut. Es steckt eben auch ein Interessenkonflikt dahinter. Die Wahrheit liegt doch oft irgendwo in der Mitte.

Nachdem ich nun dank der geplatzten Fernwärmeleitung aus Jena frei gekommen bin, dass war schon so ein bißchen wie ein Gefängnisausbruch nachdem einer die Leitung angebohrt hatte, wobei ja sonst immer der Strom abgeschaltet wird, nun jedenfalls, hatte ich zunächst die Befürchtung, unser Ex wäre jetzt wieder bei der Klaudia und meinen Jungs aufgetaucht. Zum Glück hat ihn aber auch die Klaudia nicht gesehen und so brauchen wir keine Angst vor seine "tollen" Hund haben. Aber wer weiß wo er den gelassen hat und vielleicht hat er sich schon einen neuen besorgt.
Als ich hier diesen Artikel gelesen habe musste ich wieder daran denken, dass unser Ex der Überzeugung war, dass eine Kreuzung zwischen Kangal und Staffordshire die besten Ergebnisse bringen würde. Wobei was der unter einem guten Ergebnis versteht, kann dahinstehen. Jedenfalls würde ich als Spaziergängerin nicht in die Nähe von so einem Tier kommen wollen. Irgendwie gab es da einen Typen hinter Friedland der mit Kangals herumzüchtet, vielleicht fahre ich da mal hin und frage nach ob unser Ex da aufgetaucht ist. Wenn er Geld für so einen Hund hatte, hat er vielleicht auch Geld für den Unterhalt.