Bei einem vermeintlichen Wolfsangriff auf eine Damwildherde im brandenburgischen Sigrön wurden 14 Tiere gerissen.
Bei einem vermeintlichen Wolfsangriff auf eine Damwildherde im brandenburgischen Sigrön wurden 14 Tiere gerissen. ZVG
Tödlicher Angriff

Wölfe sollen fast eine gesamte Herde Damwild getötet haben

Erneut kam es im Nordosten zu einem tödlichen Angriff auf Weidetiere. In Brandenburg fiel fast eine gesamte Herde Damwild vermutlich einem Wolfsangriff zum Opfer.
Bad Wilsnack

Im westlichen Brandenburg nahe der Ortschaft Sigrön soll fast eine gesamte Weidetierherde Wölfen zum Opfer gefallen sein. Nach Angaben des betroffenen Tierhalters sind 14 der 19 Tiere umfassenden Herde getötet worden, fast alle von ihnen durch Kehlenbisse. Für die in der Region aktive Interessengemeinschaft Sichere Weidewirtschaft ein klares Anzeichen auf einen Wolfsangriff. Der Vorfall ereignete sich bereits in der Nacht vom 4. auf den 5. Juli.

Der Gruppe zufolge hätten Wölfe einen zwei Meter hohen, stabilen Wildzaun übersprungen, um auf die Weide der Tiere zu gelangen. Der Tierhalter habe sofort den zuständigen Wolfsrissgutachter informiert, der keine Untergrabung des Wildzaunes habe feststellen können.

Das Landesamt für Umwelt hat bereits die Ermittlungen eingeleitet und führt derzeit eine DNA-Untersuchung durch. Die Wahrscheinlichkeit, dass Wölfe die Verursacher der Risse sind, ist laut Landesamt hoch. „Wir haben derzeit massive Probleme, die Zahl der Übergriffe des Wolfes auf Nutztiere nimmt stark zu”, sagt auch Tierreferent Simon Harnisch vom Brandenburger Bauernverband.

Deutlich mehr tödliche Wolfsangriffe in Brandenburg und MV

Nach Angaben des Landesamts hat sich in Brandenburg die Zahl der tödlichen Wolfsangriffe binnen einen Jahres stark erhöht. Fielen den Raubtieren im Jahr 2016 noch 26 Kälber und 185 Schafe zum Opfer, waren es im Jahr 2017 schon 47 Kälber und 316 Schafe.

Beim nördlichen Nachbarn in Mecklenburg-Vorpommern sieht es nicht anders aus: Innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren hat sich dort die Zahl der durch Wolfsangriffe getöteten Weidetiere mehr als verdreifacht. So wurden im Jahr 2017 insgesamt 64 Weidetiere getötet, 20 weitere wurden verletzt. Zehn Jahre zuvor fielen den sechs Wolfsangriffen 21 Tiere zum Opfer.

Einheitliche Abschussregeln geplant

Zuletzt hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) begonnen, gemeinsam mit ihren Länderkollegen aus Schwerin und Dresden, Till Backhaus (SPD) und Thomas Schmidt (CDU), einen ersten Entwurf eines Kriterien- und Maßnahmenkatalogs zum Wolfsabschuss und einen bundesweit einheitlichen Wolfsmanagementplan zu erarbeiten.

Mit Bezug auf eine im Koalitionsvertrag festgehaltene Vereinbarung zwischen SPD und Union sagte Klöckner zu den deutschlandweit einheitlichen Abschussplänen: „Wölfe, die einmal Weidezäune überwunden haben, sollen entnommen werden können.”

17.07.2018, 9.12 Uhr: Dieser Text wurde unter anderem um die Datierung des Vorfalls ergänzt.

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