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Wurden hier Jugendliche misshandelt?

Fixierung am Handgelenk
Hans Wiedl

Die Vorwürfe wiegen schwer: Junge Menschen sollen drangsaliert und verletzt worden sein.

Das Bildungsministerium richtet nach gravierenden Vorwürfen gegen Therapieheime der Haasenburg GmbH eine Untersuchungskommission ein. Sie soll in den kommenden Tagen ihre Arbeit aufnehmen. Zur Aufklärung sei das Ministerium auf konkrete Hinweise angewiesen. Betroffene Jugendliche könnten sich daher per Telefon oder Mail melden – auch vertraulich.

Knochenbrüche durch Fesselgurte?

Die „taz“ hatte am Samstag berichtet, Heimbewohner seien bei Verstößen gegen die strengen Regeln etwa mit Gesprächsverbot und Einschließen bestraft worden. Bei Fixierungen soll es zu Knochenbrüchen gekommen sein. Viele Jugendliche würden zudem mit Psychopharmaka behandelt. Standorte gibt es in Unterspreewald, Jessern (beides Dahme-Spreewald) und Müncheberg (Märkisch-Oderland). Die Haasenburg GmbH wies die Vorwürfe zurück. Es seien bislang „keine oder nur geringe Mängel“ festgestellt worden, teilte der Heim-Träger mit.

Das Ministerium werde sich auch selbst in den Heimen umsehen, hieß es. Die Vorwürfe würden ernst genommen, auch wenn es bislang kaum Beschwerden von Betroffenen gebe, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums auf Nachfrage.

Oft Probleme mit Drogen und Gewalt

In den Heimen würden „Jugendliche mit extremen Schicksalen“ betreut. Erfahrungen mit Gewalt, Missbrauch und Drogen spielten eine Rolle. Der Großteil habe schon diverse Einrichtungen der Jugendhilfe durchlaufen.

Laut Ministerium ist bekannt, dass Jugendliche dort fixiert würden. Das sei in bestimmten Situationen zur Deeskalation auch erlaubt. Allerdings seien die Auflagen dafür im Jahr 2010 verschärft worden.

Die Haasenburg GmbH bietet in Brandenburg 114 Plätze an, 56 davon mit freiheitsentziehenden Maßnahmen. Diese muss ein Richter genehmigen. Die meisten Jugendlichen kommen nicht aus Brandenburg.