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China und Südkorea treiben deutsche Werften vor sich her

Eine Fähre für eine dänische Reederei verlässt in Stralsund die Schiffbauhalle der insolventen P+S-Werft.  FOTO: B. Wüstneck

VonEckart GienkeDer Schiffbau hat es nicht leicht: Riesige Über-kapazitäten in Asien drücken auf die Preise. Die Schiff-fahrt steckt in einer tiefen Krise. ...

VonEckart Gienke

Der Schiffbau hat es nicht leicht: Riesige Über-
kapazitäten in Asien drücken auf die Preise. Die Schiff-
fahrt steckt in einer tiefen Krise. Können innovative Technologie und deutsche Ingenieurskunst gegen-
steuern?

Hamburg.Die deutsche Schiffbauindustrie hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert und glaubt auch deshalb an eine erfolgreiche Zukunft.
„Die Umstellung vom Handels- auf den Spezialschiffbau ist uns gut gelungen“, sagte Harald Fassmer, Vorsitzer des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), bei der Jahresversammlung der Branche. Angesichts der enormen Herausforderungen setzten die Werften auf innovative Hochtechnologie und deutsche Ingenieurskunst. Damit könnten sie in den maritimen Wachstumsmärkten bestehen.
Im abgelaufenen Jahr konnten die Werften Aufträge über 3,4 Milliarden Euro in ihre Bücher nehmen, das sind elf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Auftragsbestand erhöhte sich damit um 1,2 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro, davon 80 Prozent Passagierschiffe und Jachten. Der Umsatz deutscher Schiffbaubetriebe lag mit 5,1 Milliarden Euro zehn Prozent über dem schwachen Vorjahr.

Neue Bestellungen
oft aus dem Ausland
Noch 2004 bestand die Produktion der Werften zu zwei Dritteln aus Containerschiffen. Inzwischen haben sich die Schiffbauer völlig vom Handelsschiffbau verabschiedet. „Das war eine Reaktion auf die gewaltigen Umwälzungen der Märkte“, sagte Fassmer. Heute werden auf den deutschen Werften Fähren und Jachten, Passagier- und Forschungsschiffe entworfen und gebaut. Aufträge für neue Seeschiffe kommen meist aus dem Ausland. Insgesamt liegt der Exportanteil der Branche bei 72 Prozent.
Weltweit steckt der Schiffbau in er Krise. Asiatische Länder, allen voran Korea und China, haben in atemberaubendem Tempo riesige Kapazitäten aufgebaut. Noch immer arbeiten diese Werften Bestellungen aus der Zeit vor der Krise ab, die Welt-Handelsflotte wächst weiter an.
Aber dann kommt ein Loch. Die Nachfrage nach Containerschiffen ist fast zusammengebrochen. Bei vielen Schiffstypen sind die Neubaupreise auf das Niveau von vor zehn Jahren gefallen. Damit lassen sich die Kosten nicht decken und gefährden Arbeitsplätze. „Die Hilfsmaßnahmen der koreanischen und chinesischen Regierungen werden die notwendigen Kapazitätsanpassungen verschleppen“, sagte Fassmer.

Nur vereinzelte Aufträge für Offshore-SpezialschiffeDer Ausbau der Offshore-Energiegewinnung aus Öl, Gas und Wind wird in der Branche nicht mehr als großer Heilsbringer angesehen. „Das ist ein schwieriger Markt, der erheblich unter Preisdruck steht“, erklärte VSM-Vorsitzender Fassmer, der eine Werft im niedersächsischen Berne führt.
An die deutschen Schiffbaubetriebe sind bislang nur vereinzelte Aufträge für Offshore-Spezialschiffe gegangen. Die Hamburger Sietas-Werft arbeitet gerade an einem hoch komplexen Errichterschiff. Weil ein Nachfolgeauftrag fehlt, muss die insolvente Werft jedoch vermutlich im Laufe des Jahres ihren Betrieb einstellen.
Die Krisen und Insolvenzen – acht in den vergangenen Jahren – haben das öffentliche Bild der Branche stärker geprägt, als es den Verbandsoberen lieb ist. „Nur ein Betrieb hat aufgegeben, für fünf andere wurden zukunftsfähige Lösungen gefunden“, agte Hauptgeschäftsführer Reinhard Lüken.