Hoch hinaus geht es für Dachdecker – wer den Beruf erlernen möchte, der muss deshalb höhentauglich sein.
Hoch hinaus geht es für Dachdecker – wer den Beruf erlernen möchte, der muss deshalb höhentauglich sein. Die Arbeit am Dachstuhl ist allerdings oftmals auch mit einer spektakulären Aussicht verbunden. Fotos (2): ZVG/A. Gudera ZVG
Dachdecker erlernen alle Arbeiten, die notwendig sind, um ein Dach einzudecken, von Holzarbeiten am Dachstuhl bis hin zu Maure
Dachdecker erlernen alle Arbeiten, die notwendig sind, um ein Dach einzudecken, von Holzarbeiten am Dachstuhl bis hin zu Maurerarbeiten an Giebel und Schornstein. Jedes Dach ist anders – auch das macht den Beruf anspruchsvoll und abwechslungsreich. ZVG
Für Dachdeckermeister André Gudera gehört auch die Arbeit am Schreibtisch zum Wochenprogramm. Angebote zu ers
Für Dachdeckermeister André Gudera gehört auch die Arbeit am Schreibtisch zum Wochenprogramm. Angebote zu erstellen, ist derzeit nicht ganz einfach, weil sich beim Material Preise und Verfügbarkeit ständig ändern. Foto: Anke Krey Anke Krey
Freie Lehrstellen

Für junge Dachdecker kann es hoch hinausgehen

Bauhandwerker haben anspruchsvolle und vielfältige Aufgaben. Auf den Baustellen ist die Haarfarbe aber immer öfter grau – auch dieses Handwerk sucht händeringend Nachwuchs.
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„Wir suchen! Mitarbeiter & Lehrlinge” – das ist das erste, was man liest, wenn man die Wegseite der Firma Gudera Bedachungen aufruft. Das Unternehmen aus Beestland, im Jahre 2000 gegründet von André Gudera, beschäftigt derzeit drei Mitarbeiter. „Wir waren mal mehr”, sagt der Dachdeckermeister. Und er möchte sein Team wieder verstärken: „Fünf Leute, das wäre ideal. Da ist man auch auf der Baustelle viel flexibler.” Doch auf dem Arbeitsmarkt sind neue Mitarbeiter schon lange nicht mehr zu bekommen. Auf den Baustellen sieht man überall viel graues Haar. „Da geht in den nächsten Jahren eine komplette Generation in den Ruhestand“, bestätigt Gudera. „Wir wollen ausbilden, denn wir brauchen dringend Nachwuchs.”

Ob Dach oder Kran: Es geht hoch hinaus

Für Dachdecker dauert die Lehrzeit drei Jahre. Die Berufsschule befindet sich in Rostock. Dort findet auch die überbetriebliche Ausbildung statt. Bewerber sollten möglichst einen Realschulabschluss vorweisen können – dann fällt auch das Lernen in den theoretischen Fächern leichter, meint der Dachdeckermeister: „Denn der Beruf ist so weit gefächert. Aber noch viel wichtiger ist, dass die jungen Leute handwerklich begabt sind.“

Die Aufgaben eines Dachdeckers sind vielfältig, berichtet Gudera: „Wir decken nicht nur Dächer, wir übernehmen auch Dachklempner- und Zimmererarbeiten. Wir mauern Schornsteinköpfe, bauen Dachfenster ein, und sorgen für eine gute Wärmedämmung. Außerdem montieren wir vorgehängte Fassaden. Einige Dachdecker verwenden Reet – wir nicht. Aber dafür arbeiten wir mit Dachschiefer.”

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Ein Azubi lerne in seiner Ausbildung all diese Tätigkeiten und die dabei eingesetzten Materialien kennen. „Dazu gehört oftmals auch spezielles Werkzeug, mit dem man umgehen können muss”, erläutert der Dachdeckermeister. Außerdem sei es gut, wenn ein Geselle außerdem Lkw fahren und den Kran bedienen kann. „Insgesamt ist unser Beruf ziemlich abwechslungsreich.”

Doch kaum jemand will Dachdecker lernen – auch wenn Gudera auf seiner Webseite, über die Innung, auf Messen und bei Schulbesuchen dafür wirbt. Schon seit längerer Zeit gebe es keine Anfragen, berichtet der Meister. Er ist der Meinung, Berufsorientierung sollte an den Schulen deutlich mehr Raum einnehmen: „Früher gab es den Unterricht in der Produktion. Das war eine gute Gelegenheit, in die Praxis reinzuschnuppern, sich auszuprobieren und Begabungen zu entdecken. Es ist doch wichtig, dass die Jugendlichen die Chance bekommen, herauszufinden: Was ist meins?”

Deshalb rät André Gudera auch Schülern auf Lehrstellensuche, bei Interesse erst einmal ein paar Tage Praktikum zu machen oder, nach Abschluss der Schule, über das Arbeitsamt zum Probearbeiten zu gehen. Denn dabei könnten beide, Bewerber und Ausbilder, herausfinden, ob es passt.

Dachdecker sei ein wichtiger Beruf, der Zukunft habe. Zu tun ist genug, meint der Meister: „Oft müssen wir Sturmschäden reparieren und dafür sorgen, dass die Dächer schnell wieder dicht sind.” Meist arbeitet der Handwerker mit seinen Gesellen zehn bis 14 Tage an einem Dach – wenn sie sehr groß sind, können es aber durchaus auch Monate werden, so Gudera.

Der Dachdecker kann die geleistete Arbeit stolz im Stadtbild sehen

Im Stadtbild von Demmin hat er mit seiner Truppe Spuren hinterlassen: „Die Bibliothek, das Gerichtsgebäude mit seinen eingebundenen Hohlkehlen”, zählt er markante Baustellen auf. „Auch am ältesten Haus in Demmin haben wir gearbeitet. Interessant war auch der Kirchturm in Nossendorf, der mit Schiefer eingedeckt worden ist.” Doch kein Dach ist unwichtig; schließlich darf es auch in Garagen nicht hineinregnen.

Langweilig wird es in diesem Beruf nicht, meint der Dachdecker. Er lerne selbst nach so vielen Jahren im Geschäft immer noch dazu: „Wir montieren Solaranlagen und wir legen Gründächer an. Jedes Jahr gibt es etwas Neues, wie neue Materialien. Und Richtlinien ändern sich.”

Ein junger Mensch, der in den Beruf starten möchte, sollte bereit sein, das Handwerk zu erlernen, sagt André Gudera. „Dazu gehört als Grundvoraussetzung, pünktlich da zu sein. Die innere Einstellung muss stimmen. Ein Azubi muss allerdings auch körperlich fit sein, schwindelfrei und höhentauglich. Es ist herrlich, wir sind immer an der frischen Luft, und man erlebt jeden Tag etwas anderes. Nur am Schreibtisch zu sitzen – für mich wäre das nichts. Es gibt immer wieder neue Aufgaben, mal Sanierung, mal Neubau. Jede Baustelle ist anders, jedes Dach hat seine Eigenheiten. Und als Dachdecker muss ich für jedes Dach eine Lösung finden, die funktioniert.”

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Gudera ist mit seinem Team überwiegend im Umkreis von etwa 30 Kilometern tätig: „Das ist die Region zwischen Rostock und Neubrandenburg”, so der Dachdeckermeister. „Die meisten Baustellen seien ganz in der Nähe, im Raum Demmin-Dargun-Loitz. Und wenn ich mir die Straßen so ansehe, dann erinnere ich mich gern an die Arbeit und denke mit Stolz: Das war mal meine Baustelle! Jeden Tag sieht man zum Feierabend: Das habe ich heute geschafft. Das ist nicht wie beim Koch, wo die Teller gleich wieder leer sind. Das Ergebnis unserer Arbeit ist noch Jahre später zu sehen.”

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