Baustelle CDU: Die Partei hat in Mecklenburg-Vorpommern viel Arbeit vor sich, um die Wähler zurückzugewinnen.
Baustelle CDU: Die Partei hat in Mecklenburg-Vorpommern viel Arbeit vor sich, um die Wähler zurückzugewinnen. Michael Kappeler
Björn Bromberger
Björn Bromberger SEBASTIAN HAERTER
Marc Reinhardt
Marc Reinhardt privat
Silva Keitsch
Silva Keitsch ZVG
Wo geht es hin?

Seenplatte-CDU will Kommunen retten und setzt auf die Basisarbeit

Unionspolitiker der Region bemühen sich nach dem herben Rückschlag bei den Bundestags- und Landtagswahlen um Arbeit an den Grundfesten – üben aber auch Selbstkritik.
Seenplatte

Die Christdemokraten der Mecklenburgischen Seenplatte planen nach dem Wahl-Debakel vor vier Wochen ihr Comeback von ganz unten. Wie der Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Mecklenburgische Seenplatte, Marc Reinhardt, im Gespräch mit dem Nordkurier betonte, brauche die Union neben einem personellen Wechsel an der Spitze jetzt ebenso neue Gesichter in den Ortsverbänden. Derzeit werde sich etwa bemüht, weitere Kandidaten auf kommunaler Ebene anzuwerben oder für die Partei zu gewinnen. Bei kommenden Kommunalwahlen gelte es, viele Plätze gutzumachen.

Gar nicht unzufrieden mit der Oppositionsrolle

Immerhin scheint die Motivation zur politischen Arbeit an der Basis trotz der trüben Stimmung der vergangenen Wochen bislang nicht abzubrechen. So freute sich der Kreisverband laut Reinhardt gerade erst über vier Neuzugänge – und musste auf der anderen Seite wohl noch keine Abgänge wegen des Wahlergebnisses hinnehmen.

Thema: Kommunen sind unterfinanziert

Auch inhaltlich richtet sich Reinhardts Fokus auf die Grundfesten – und zwar den Zustand von Städten und Gemeinden. Denn diese seien gerade mit Blick auf die kommenden Jahre massiv unterfinanziert. „Wir sind der Anwalt der Kommunen“, beschreibt Reinhardt ein Selbstverständnis der CDU. Die Landesregierung müsse deutlich mehr finanziell ausgleichen. Darauf will er selbst auch als künftiger Landtagsabgeordneter in der Opposition ein Auge haben.

„Wir müssen Abhilfe schaffen, damit unsere Kommunen nicht absaufen“, sagt Reinhardt ohne Umschweife. Die Union stehe schließlich seit jeher für einen soliden Haushalt und ausreichende Kommunalfinanzen. Als Opposition könne die CDU ihr Profil wieder stärken – und müsse nicht mehr so viele Kompromisse eingehen wie in einer Koalition. Ohnehin wäre der politischen Basis eine Rückkehr in eine Große Koalition nur schwer zu vermitteln gewesen.

Was meint die Junge Union?

Björn Bromberger von der Jungen Union Mecklenburgische Seenplatte kann sich nicht vorstellen, dass Manuela Schwesig (SPD) der Mehrheit der Union überhaupt genug für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit hätte anbieten können. Auch der JU-Vorsitzende sieht in der guten Besetzung in Städte- und Gemeindevertretungen der Mecklenburgischen Seenplatte ein klares Indiz dafür, dass die Union die Bürger inhaltlich durchaus überzeugt. Allerdings hätten einige Errungenschaften auf höherer Ebene durchaus lauter kommuniziert werden müssen, wie die bessere personelle Ausstattung der Polizei. Außerdem hat es die Union nach Brombergers Einschätzung versäumt, verschiedene Zielgruppen einzeln anzusprechen. Wahrscheinlich hätte man über mehr Formate als zum Beispiel eine Podiumsdiskussion nachdenken müssen.

Nicht zuletzt seien Ideen der Jungen Union zu seinem Bedauern nicht immer ausreichend gehört worden. Erfahrung der älteren Mitglieder und die Dynamik der Jungen sollten sich besser ergänzen. Die Junge Union hätte viele Papiere ausgearbeitet. Doch umgesetzt worden sei wenig. So hätte mit Bundesgeldern für Mobilität aus Brombergers Sicht unlängst viel mehr für die Region getan werden können. Gewünscht habe er sich unter anderem Pilotprojekte mit selbstfahrenden Zügen oder Lastwagen. „Inhaltliche Arbeit haben die Junge Union und Frauenunion viel geleistet – sie muss aber auch angegangen werden.“

Für den Übergang eine Frauenquote gefordert

Die Vorsitzende der Frauenunion der Mecklenburgischen Seenplatte, Silva Keitsch, will zwar auf der einen Seite nicht, dass Frauen künstlich in den Vordergrund gedrängt werden. Aber sie hält eine Frauenquote in der CDU trotzdem für sinnvoll, solange es ohne eine klare Regelung nicht funktioniere. Schließlich müssten alle Perspektiven – jung, alt, männlich, weiblich – berücksichtigt werden. „Wichtig ist die gleichberechtigte Beratung in Gremien.“

Christliche Werte als Alleinstellungsmerkmal

Keitsch verweist darauf, dass die Frauenunion auf Landesebene kürzlich eine Doppelspitze forderte. „Es muss uns gelingen, dass wir alle abholen.“ Die CDU sei weiterhin eine Volkspartei – die einzige, die sich noch auf christliche Werte berufe. Dass die mit zwei Jahren relativ junge Frauenunion Mecklenburgische Seenplatte aus rund 160 Mitgliedern noch nicht die gewünschte Schlagkraft erreicht hat, ist nach Keitsch‘ Einschätzung den Einschränkungen während der Corona-Pandemie geschuldet. „Es lag alles brach.“ Treffen und Veranstaltungen konnten nicht wie geplant stattfinden.

„Frauen müssen natürlich sichtbar sein“, ist auch Marc Reinhardt überzeugt. Allerdings seien auch im Kreisverband nur rund 25 Prozent der Mitglieder weiblich. Daran müsse gearbeitet werden.

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