Künftig sind im Landkreis mehr Rettungswagen, Wachen und Personal notwendig um die Bürger zu versorgen.
Künftig sind im Landkreis mehr Rettungswagen, Wachen und Personal notwendig um die Bürger zu versorgen. Benjamin Nolte / noltemedia
„Rettung MSE”

Seenplatte will Rettungsdienst komplett neu organisieren

Der Kreis will Transparenz schaffen und Fachkräfte für den Rettungsdienst locken. Schon jetzt fehlen Wachen, Ärzte, Sanitäter. In Zukunft werden die Herausforderungen noch größer.
Seenplatte

Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte will zum nächsten Jahr einen Eigenbetrieb für den Rettungsdienst gründen. „Das macht uns zukunftsfähig“, warb Dezernent und Vize-Landrat Thomas Müller (CDU) jetzt vor dem Ordnungsausschuss des Kreistages in Neustrelitz.

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Rettungsdienst kämpft mit vielen Problemen

Im Betrieb „Rettung MSE“ könnten beispielsweise Entscheidungen schneller fallen. Strukturen würde man transparenter machen. Unterschiedliche Honorarverträge könnten endlich glattgezogen werden. Schließlich kämpfe man im Rettungsdienst gegen den Fachkräftemangel und müsse die Beschäftigung attraktiver machen. „Notärzte sind Mangelware“, nannte Ordnungsamtsleiter Peter Handsche am Donnerstag ein Beispiel. So habe ein Eigenbetrieb ganz andere Möglichkeiten, mit Krankenkassen über Geld zu verhandeln.

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Keine Konkurrenz zu anderen Rettern

Konkurrenz zum Deutschen Roten Kreuz (DRK), der Johanniter Unfallhilfe, der Feuerwehr oder der Medicalservices soll damit nicht entstehen. „Wir sind mit den Leistungsbringern zufrieden“, stellte Niclas Tobien aus der Integrierten Leitstelle des Landkreises in Neuendorf klar. Man sei auf sie angewiesen und hoffe auf weitere gute Zusammenarbeit. Der Betrieb Rettung MSE soll vielmehr als Träger in Erscheinung treten und nur Aufgaben wie Abrechnungen an sich ziehen. Dafür gelte es allerdings auch, einzelne Mitarbeiter zu übernehmen. Die wüssten Bescheid, versichert Thomas Müller. Sie müssten nicht kündigen oder sich neu bewerben.

„Wir sind keinem böse“, bestätigte Uwe Jahn, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Mecklenburgische Seenplatte dem Nordkurier auf Anfrage. Daraus ergeben sich für den Verband keine Nachteile, versichert Jahn. Mit einem Qualitätsverlust sei nicht zu rechnen. Seit Monaten spreche man mit der Verwaltung über die Umstellung. „Die Welt hat sich gedreht“, sagt Jahn. Heute sei es üblich, dass die Kommune diese Aufgaben übernehme. In anderen Landkreisen sei das längst der Fall.

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Größte Herausforderung ist, Personal zu finden

Ziel der Kreisverwaltung ist es, die letzten Empfehlungen zur Verbesserung des Rettungsnetzes in der Seenplatte umzusetzen und künftig häufiger die Hilfsfrist einzuhalten. Diese wird außerhalb der Städte nämlich nur in rund 75 Prozent der Fälle geschafft. Die Kreisverwaltung plant, zusätzliche Stellen zu besetzen und mehrere Rettungsfahrzeuge für einen Millionenbetrag anzuschaffen. Zudem sollen fünf neue Rettungswachen entstehen. Laut Müller wird die größte Herausforderung sein, Personal zu finden. In Zukunft soll aber ebenso die Ausbildung von Notfallsanitätern ausgeweitet werden, zum Beispiel über eine eigene Lehr-Rettungswache. Doch das alles könne nur Schritt für Schritt auf die Beine gestellt werden. „Wir müssen uns vorbereiten, das ist der erste Schritt“, sagte Peter Handsche.

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Die Mitglieder des Ordnungsausschusses überwiesen den Vorschlag einstimmig zur Besprechung im Kreisausschuss. Der sachkundige Einwohner Tobias Starkloff (Bündnis90/Die Grünen) äußerte allerdings seine Enttäuschung über die späte Information des Kreistages über die Pläne. Der stellvertretende Ausschussvorsitzende Dieter Kowalick (Die Linke) kritisierte, dass der vorgesehene Betriebsausschuss unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagen soll.

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