Unter anderem wird im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in diesen Wochen erfragt, ob Tankstellen einem Stromausfall trotze
Unter anderem wird im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in diesen Wochen erfragt, ob Tankstellen einem Stromausfall trotzen können. Lennart Preiss
Energie-Notstand

Sorge vor dem Blackout – Seenplatte prüft Tankstellen

Ein Verwaltungsstab prüft derzeit wichtige Strukturen – so auch Tankstellen. Das sorgte in den sozialen Medien für Unruhe. Indes regte sich Kritik am Kältezwang in Büros.
Seenplatte

Sitzen die Bürger angesichts der aktuellen Energiekrise bald alle im Dunkeln? Folgt man so mancher Warnung in den sozialen Medien, scheint dieses Szenario nicht in allzu weiter Ferne zu liegen. Mit den Worten „Für alle, die den Ernst der Lage noch immer nicht erkannt haben“, wird dort ein Schreiben der Katastrophenschutzbehörde des Landkreises verteilt, in dem Tankstellen nach ihrer Einsatzfähigkeit im Falle eines Blackouts befragt werden.

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Notstrom an der Zapfsäule

Doch aus der Verwaltung kommen eher beruhigende Worte. „Die Lage ist angespannt, im Moment aber stabil“, ist einem offiziellen Bericht zu entnehmen. Das Anschreiben der Tankstellen sei ein Vorgang, der ohnehin regelmäßig durchgeführt werde, heißt es auf Anfrage des Nordkurier. Um auf einen möglichen Energienotstand vorbereitet zu sein, werden von einem Verwaltungsstab des Landkreises Mecklenburgischen Seenplatte derzeit alle möglichen Rückmeldungen aus der kritischen Infrastruktur eingefordert. 52 Tankstellen habe man etwa danach gefragt, ob man sie bei einem Stromausfall noch mit einem Notstromaggregat weiterbetreiben könne. Auf diese Weise werden nach Angaben der Behörde Daten und Notfallpläne aktualisiert. Schon im Sommer hatte das Innenministerium angewiesen, sich auf eine Gasmangellage vorzubereiten.

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Nicht im Dunkeln, wohl aber in der Kälte müssen dagegen schon jetzt viele Angestellte Platz nehmen. Schließlich soll die Raumtemperatur in den meisten öffentlichen Gebäuden oder Büroräumen von Verwaltungen nach den Vorgaben der Bundesregierung eine Temperatur von 19 Grad Celsius nicht mehr überschreiten. Entsprechende Regeln gelten seit Anfang September auch in der Kreisverwaltung, einem der größten Arbeitgeber in der Region. In Fluren und Treppenhäusern werde gar eine noch geringere Temperatur angestrebt. Warmwasser gebe es nur noch dort, wo es zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen unbedingt erforderlich ist.

AfD sorgt sich um das Händewaschen

Unter Mitgliedern des Kreistages regte sich unlängst Kritik an diesem Kälte-Zwang. Nachdem der Freien-Fraktionschef Toralf Schnur schon im Kreisausschuss nach der Vereinbarkeit dieser Vorgabe mit der Arbeitsstättenverordnung fragte, formulierte mittlerweile auch die AfD-Fraktion in einer schriftlichen Anfrage ihre „Sorge um die Gesundheit der Mitarbeiter und die Handlungsfähigkeit der Verwaltung in Krisenzeiten mit Blackoutplanungen“.

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Bis sich der Kreistag am Montag, dem 26. September, zusammenfindet, wollen die Fraktionsmitglieder etwa wissen, ob sich Landrat Heiko Kärger (CDU) Protesten gegen diese Regelung anschließen wird und ob durch die aufwendige Temperaturregelung nicht noch mehr Personal nötig wird. Darüber hinaus soll das Gesundheitsamt erörtern, ob das kalte Wasser vielleicht sogar das Händewaschen verkürzt und Infektionen wahrscheinlicher macht.

 

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