Der Seenplatte-Tourismus kann mit purer Idylle aufwarten. Hinter den Kulissen brodelt es im Tourismusverband aber gewaltig.
Der Seenplatte-Tourismus kann mit purer Idylle aufwarten. Hinter den Kulissen brodelt es im Tourismusverband aber gewaltig. Tobias Lemke/NK-Grafik
Stavenhagens Bürgermeister Stefan Guz
Stavenhagens Bürgermeister Stefan Guz Eckhard Kruse
Heiko Kruse, Amtsvorsteher Kleinseenplatte
Heiko Kruse, Amtsvorsteher Kleinseenplatte Tobias Lemke
Touristen

Streit ums Geld – Tourismusverband droht die Spaltung

Eine satte Erhöhung der Beiträge ist der Anlass, die Arbeit des Tourismusverbandes Seenplatte auf den Prüfstand zu stellen. Und da ziehen einige Mitglieder eine bittere Bilanz.
MV

Die Seenplatte gilt eigentlich als beliebtes Reiseziel in MV. Und dennoch brodelt es auf dem großen Flaggschiff in den Gewässern des Landestourismus. Nicht wenige Mitglieder, darunter auch die Urlauberhochburg Plau, verlassen den Regionalverband Mecklenburgische Seenplatte mit aktuell etwa 250 Mitgliedern. Was ist da los?

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Nette Broschüren reichen nicht aus

„Einmal im Jahr ein Bild von den Ivenacker Eichen in einer Broschüre drucken, das reicht uns nicht“, macht – freilich etwas zugespitzt –, Stefan Guzu seiner Unzufriedenheit mit der Verbandsarbeit Luft. Der Bürgermeister von Stavenhagen sieht seine Stadt nicht angemessen vertreten. Das Literatur-Museum in der Reuterstadt sei mit 10  000 Gästen trotz Corona im Vorjahr sehr gut besucht gewesen. Die Ivenacker Eichen, eine weitere beliebte Attraktion im Umfeld Stavenhagens, sahen sogar 120 000 Gäste.

„Wir erwarten vom Verband Vorschläge, wie wir unsere Ressourcen besser vermarkten können“, formuliert das Stadtoberhaupt seine Erwartungen an die Profi-Touristiker. Mit dem Forstamt und der Gemeinde Ivenack habe man daher nun selbst eine Arbeitsgruppe Tourismusentwicklung gebildet. Stavenhagen behalte sich vor, noch ein Jahr abzuwarten, was sich seitens des Tourismusverbandes tut, und dann über einen Austritt zu entscheiden.

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Ernsthafte Zweifel an der Kalkulation

Die Kleinseenplatte hat diesen Schritt bereits zum Januar 2023 getan – freilich mit dem Vorbehalt, jederzeit wieder ins Boot einzusteigen. Anlass war, wie bei den anderen zweifelnden Mitgliedern auch, eine satte Erhöhung der Mitgliedsbeiträge um 1 Cent (ursprünglich waren sogar 10 Cent im Gespräch) pro Gästeübernachtung per 2023. Anlass genug, nun endlich zu bemerken, dass da was mit dem Verhältnis zwischen Preis und Leistung nicht stimme, so Amtsvorsteher Heiko Kruse. „Die zunächst sogar geplante Verzehnfachung der Gästebeiträge hätte für uns bedeutet, statt 1400 Euro jährlich 14 000 Euro zu zahlen – aber wofür?“ fragt sich nicht nur Heiko Kruse. Wirklich transparent sei die Begründung dafür trotz mehrerer Gespräche und teils auch unsachlich geführter Debatten nicht gewesen. „Von zehn Cent plötzlich wieder auf einen – was ist das für eine seltsame Kalkulation?“

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Auch die Gemeinde Göhren-Lebbin weiß nicht, wieso sie auf einmal statt 150 jetzt 4000 Euro im Jahr zahlen soll. „Damit Werbung für den Großkreis zu finanzieren, tragen wir nicht mit“, verdeutlicht Bürgermeister Torsten Zillmer. „Unsere eigene Tourismus GmbH kann uns besser vermarkten“, sagt er und findet deutliche Worte: „Es ist ein Unding, dass uns keine richtige Kalkulation für die beabsichtigten Mehreinnahmen vorgelegt wurde, außer dass dieser Schritt mit einer Anhebung der Mitarbeitergehälter erklärt wurde.“

Hotels denken über Austritt nach

Sogar einige Hotels am Fleesensee würden daher einen Verbands-Austritt überlegen. Eine direkte Bestätigung dazu war seitens der Unternehmen bislang nicht zu bekommen. Das Iberotel am Fleesensee beispielsweise aber ist gar nicht erst Mitglied. „Wir haben mehr davon, im Unternehmerverband zu sein“, sagte Hoteldirektor Jörg Klostermann.

Auf die konkreten Vorwürfe geht Bert Balke, Geschäftsführer des Tourismusverbands Seenplatte, gegenüber dem Nordkurier nicht ein. Er begründet die im April beschlossene Beitragserhöhung mit einer Erhöhung des Werbebudgets. „Neben der gemeinsamen Vermarktung – mit dem Ziel, neue Gäste für die Mecklenburgische Seenplatte und unsere Mitglieder zu gewinnen, beraten und unterstützen wir unsere kommunalen Partner unter anderem im Themenkomplex der touristischen Abgaben und bei der Implementierung ihrer Meldeschein- und Gästekartentechnik“, so Balke dazu in einer Pressemitteilung. Vorstand und Geschäftsführung seien aber weiterhin im Dialog mit den kommunalen Entscheidern und leisteten Überzeugungsarbeit, die Mitglieder doch noch für sich zu gewinnen.

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„Kräfte bündeln, anstatt sich zu zersplittern“

Tobias Woitendorf vom Landestourismusverband hält den neuen Berechnungsansatz durchaus für berechtigt. Andererseits habe die „sprunghafte Erhöhung den Anlass dafür gegeben, einer gewissen Unzufriedenheit Luft zu machen, bei der die Rolle und Funktion des Tourismusverbandes Seenplatte hinterfragt wird“, schätzt er ein. Er wolle sich dafür einsetzen, dass den Mitgliedern weitere Angebote gemacht werden. „Es ist sinnvoller, die Kräfte zu bündeln, als sich zu zersplittern. Die Seenplatte als wichtige Destination braucht eine Vertretung, die übergeordnete Aufgaben übernimmt, gerade im Hinblick auf die Erarbeitung eines neuen Tourismusgesetzes.“

Vorerst bei der Stange bleibt die Feldberger Seenlandschaft. Doch auch hier stand die Frage nach der weiteren Mitgliedschaft bereits im Raum. Es müsse künftig wieder mehr um inhaltliche Zielsetzungen gehen, hieß es von dort. In der Kritik stand aus dieser Richtung immer wieder auch eine unzureichende Kommunikation zwischen Mitgliedern und Verband.

Die Bergringstadt Teterow, obwohl gar nicht im Landkreis Seenplatte gelegen, bekennt sich nach wie vor zu einer Mitgliedschaft im Tourismusverband „Mecklenburgische Seenplatte.

„Der interkommunale Schulterschluss ist wichtig, weil ein Ort oftmals nicht über eine ausreichende eigene Angebotspalette verfügt, um Touristen anzuziehen“, heißt es dazu von Bürgermeister Andreas Lange. Teterow war im Tourismusverband Mecklenburgische Schweiz vertreten, bis dieser in die Seenplatte eingegliedert wurde. Bereits damals gab es Befürchtungen, dass die Region dadurch vernachlässigt werden könnte.

 

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