Gerade im Handwerk bieten sich für junge Leute noch immer jede Menge Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeit
Gerade im Handwerk bieten sich für junge Leute noch immer jede Menge Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Jan Woitas
Berufsberatung

Zu wenig Bewerber für Ausbildungsplätze

Die Zahl der verfügbaren Ausbildungsplätze ist derzeit höher als die der Bewerber. Dennoch sind immer noch junge Leute ohne Lehrstelle. Warum das denn?
Seenplatte

In der Ausbildungslandschaft des Landkreise Mecklenburger Seenplatte ist das „fünfte Quartal“ in vollem Gange – jene Zeit des Jahres, in der das Berufsbildungsjahr längst begonnen hat, aber noch viele Bewerber auf der Suche und auch etliche Lehrstellen noch zu haben sind.

Den Berufsberatern der Arbeitsagentur Neubrandenburg zufolge suchten zu Monatsbeginn noch knapp 80 Schulabgänger einen Ausbildungsplatz; zugleich melden die Unternehmen noch fast 200 unbesetzte Lehrstellen. „Die zentrale Herausforderung bleibt, die angebotenen Ausbildungsplätze und die Ausbildungswünsche in Einklang zu bringen“, sagt Thomas Besse, Geschäftsführer der Arbeitsagentur in Neubrandenburg.

Vom Herbst 2020 bis zum Herbst 2021 hätten sich rund 1300 Jugendliche bei der Agentur, den beiden Jobcentern im Landkreis und dem JugendserviceMSE auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz beraten lassen – 160 weniger als im Vorjahr, ein Rückgang um etwa elf Prozent. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen hingegen war mit 1737 fast identisch und somit erheblich höher als die der Bewerber.

Berufsberatung in Corona-Zeiten erschwert

Trotz corona-bedingter Einschränkungen hätten viele Unternehmen und Verwaltungen „nicht vergessen, wie wichtig die Fachkräfte der Zukunft sind“, und an hoher Ausbildungsbereitschaft festgehalten, stellt Besse fest. Allerdings falle es ihnen immer schwerer, die Ausbildungsstellen zu besetzen.

Den Bewerberrückgang sieht die Arbeitsagentur indessen nicht in sinkenden Schulabgängerzahlen begründet, auch nicht in einem sinkenden Interesse junger Menschen an einer Ausbildung. Viele Meldungen könnten unterblieben sein, weil angestammte Formen der Berufsberatung in Schulen unter Pandemie-Bedingungen nicht erfolgen und durch Online-Veranstaltungen oder Skype-Beratung auch nicht vollständig ersetzt werden konnten. „Gerade an diejenigen, die unsere Hilfe brauchen, war schwieriger heranzukommen“, so der Agenturchef.

Anforderungen deutlich gesenkt

Die Hitliste der beliebtesten Berufswünsche wiederum erweist sich als sehr beständig: Bei den Jungs gehören wie schon in den Vorjahren Mechatronik, bei den Mädchen der Einzelhandel zu den Favoriten. „40 Prozent der Bewerber konzentrieren sich auf die zehn beliebtesten Berufe“, so die Erfahrung der Berater. Unter insgesamt mehr als 300 Ausbildungsberufen gebe es indessen noch viele spannende Alternativen.

Angesichts der rückläufigen Bewerberzahlen hätten viele Unternehmen ihre Anforderungen deutlich gesenkt und seien auch bereit, in Nachhilfe während der Ausbildungszeit zu investieren. Zudem empfiehlt die Arbeitsagentur allen Unternehmen, sich nicht allein von Schulnoten leiten zu lassen: „Die sagen oft wenig über die Eignung für einen bestimmten Beruf.“ Selbst auszubilden, sei schließlich für viele Betriebe die wichtigste Möglichkeit, den Arbeitskräftebedarf zu decken.

Die Berufsberater der Agentur wollen bei der nun wieder möglichen Präsenz an den Schulen den Fokus auf die Abschlussklassen richten. Ein Modellprojekt sieht vor, spätestens zum Halbjahr alle Schulabgänger zu erfassen, die bis dahin noch keine berufliche Perspektive gefunden haben. Besse sieht darin auch ein Mittel der Prävention, damit niemand noch mit Mitte 20 ohne Berufsabschluss dastehe. „Von den gegenwärtig 600 jungen Leuten, die im Jobcenter gemeldet sind, haben mehr als90 Prozent keine abgeschlossene Ausbildung“, unterstreicht er die Bedeutung für die spätere Jobsuche.

Termine bei der Berufsberatung können vereinbart werden unter der Rufnummer 0800 4 5555 00.

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