Notstand

Hundert Bürgermeister sind plötzlich Jagdvorstand

Dass in der Coronazeit keine Versammlungen durchgeführt werden konnten, bekommen viele Bürgermeister hautnah zu spüren. Sie erhalten eine zusätzliche Aufgabe.
Viele Bürgermeister in den Landkreisen Rostock und Seenplatte mussten sich plötzlich um die Aufgaben der Jagdgenosse
Viele Bürgermeister in den Landkreisen Rostock und Seenplatte mussten sich plötzlich um die Aufgaben der Jagdgenossenschaften kümmern. Uwe Anspach
Stavenhagen

Viele Bürgermeister in den Landkreisen Seenplatte und Rostock haben in der Coronazeit ganz plötzlich eine ungewohnte Aufgabe dazubekommen. Ganz ungefragt sind sie per Gesetz zu Notvorständen der Jagdgenossenschaften geworden. Der Zetteminer Bürgermeisterin Kerstin Ahrndt flatterte Ende 2020 ein Brief auf den Tisch. Plötzlich sollte sich die Bürgermeisterin um die Verpachtung von Jagdflächen, um die Begleichung von Wildschäden und dergleichen kümmern. „Das ist eine Aufgabe, von der ich eigentlich nichts weiß“, sagte sie. Auch eine Neuwahl sollte sie in die Wege leiten. Dabei habe sie mit ihrem Job und ihrem Ehrenamt als Gemeindebürgermeisterin schon alle Hände voll zu tun.

Genauso erging und ergeht es rund 100 Bürgermeistern in den Landkreisen Seenplatte und Rostock. In der Seenplatte standen 73 Jagdgenossenschaften ohne gewählten Vorstand da. Bis Ende Dezember könnten etwa 24 weitere Jagdgenossenschaften dazukommen, teilte die Kreisverwaltung mit. Im Landkreis Rostock waren im September 27 Jagdgenossenschaften betroffen. So mussten sich die Bürgermeister von Dargun, Basedow, Faulenrost, Gielow, Ivenack mit diesem neuen Posten arrangieren. Der Landkreis Rostock nannte keine betroffenen Bürgermeister. Sie alle wurden aber informiert, dass sie sich um die Jagdanlegenheiten auf den Flächen zu kümmern haben. Denn in den Jagdgenossenschaften sind die Flächeneigentümer vertreten. Sie verpachten die Jagdrechte an Jäger, um Wildschäden klein zu halten.

Letzte Frist verstrich Ende 2020

Hans Behn, der die Jagdgenossenschaft Zettemin auch die letzten vier Jahre als Vorstand führte, stand im Dezember plötzlich ohne gewählten Vorstand da. Auch er selbst durfte nicht mehr agieren. Denn in der Coronazeit durften keine Vorstandswahlen stattfinden. Die letzte Frist von viereinhalb Jahren verstrich Ende 2020. So musste Kerstin Ahrndt diese Aufgabe übernehmen.

Für Hans Behn ist dieses Durcheinander auf ein Versäumnis der Politik zurückzuführen. Vereinsvorstände dürften weiter im Amt bleiben und wie gewohnt weiterarbeiten. „Das wäre sicherlich auch bei den Jagdgenossenschaften möglich gewesen“, meinte er. Und auch der Darguner Bürgermeister, der gleich für die Jagdgenossenschaften Brudersdorf und Wagun Notvorstand geworden ist, denkt, dass der Landkreis vielleicht ein bisschen Ermessensspielraum gehabt hätte.

Doch das verneinen beide Kreisverwaltungen. „Jagdgenossenschaften sind Körperschaften des öffentlichen Rechts“, hieß es aus der Seenplatte. Dabei gebe es andere Vorschriften als bei Vereinen. Solange eine Jagdgenossenschaft keinen Vorstand gewählt habe, werden die Geschäfte von der Gemeinde wahrgenommen. So schreibt es das Landesjagdgesetz vor. Der Bürgermeister werde automatisch zum Notvorstand.

Selbst für Hauptamliche nicht einfach

Weil viele Mitglieder der Genossenschaften Landwirte sind, rechnet der Landkreis Rostock nach Einbringen der Ernte mit weiteren Vorstandswahlen. Der Darguner Bürgermeister Sirko Wellnitz plant Vorstandswahlen Ende Oktober und Ende November. Kerstin Ahrndt ist ihren Posten schon in diesen Tagen losgeworden. Die Jagdgenossenschaft Zettemin wählte einen neuen Vorstand. Vorsitzender ist nun Stefan Behn, ein Neffe von Hans Behn.

Kerstin Ahrndt ist dankbar, dass sie vom Vorstand und vor allem Hans Behn in der schwierigen Zeit so gut unterstützt wurde. Selbst für den hauptamtlichen Bürgermeister in Dargun war es nicht einfach: „Man macht nicht alles aus dem effeff.“ Am einfachsten war es wohl für den Faulenroster Bürgermeister. Denn Claus-Dieter Tobaben ist seit Jahren Mitglied in einer Jagdgenossenschaft.

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