Es fehlt an Breitband-Anschlüssen, Ausstattung und Personal an den Schulen. Digitales Lernen auf der Kriechspur.
Es fehlt an Breitband-Anschlüssen, Ausstattung und Personal an den Schulen. Digitales Lernen auf der Kriechspur. Jens Büttner
Schülerin Nedjmije Bajrami (rechts) sprach von einem Schulsystem, das sich seit Jahrzehnten kaum verändert habe.
Schülerin Nedjmije Bajrami (rechts) sprach von einem Schulsystem, das sich seit Jahrzehnten kaum verändert habe. Robin Peters
Eltern

Bittere Digital-Bilanz an Schulen – wenig Lehrer, kein Konzept

Der Landeselternrat hatte zur Diskussion über digitale Bildung eingeladen. Dort wurde Tacheles gesprochen.
Neubrandenburg

Schüler, Eltern und Systemkenner gingen mit den Verantwortlichen für Digitalisierung an den Schulen der Region am Wochenende hart ins Gericht. Im ersten Teil des vom Landeselternrat organisierten Thementags zur digitalen Bildung an der Hochschule Neubrandenburg wurde insbesondere die technische und personelle Ausstattung für einen zukunftsfähigen Unterricht unter die Lupe genommen.

Lesen Sie auch: So hat MV die Schulen beim schnellen Internet vergessen

Schere zwischen Schulen geht auseinander

Der Greifswalder Uni-Professor Roland Rosenstock kritisierte unter anderem, dass das extra eingeführte Fach „Informatik und Medienbildung“ vielerorts überhaupt nicht unterrichtet werde, weil Lehrkräfte fehlten. Die während der Pandemie etablierte Lernplattform „itslearning“ sei zwar ein gutes Werkzeug. Allerdings würden viele Schulen freier Träger bislang leer ausgehen und keinen Zugang bekommen. „Die Schere geht auseinander, das darf nicht so bleiben“, sagte Rosenstock.

Des Weiteren fehle noch zu vielen Schulen ein Breitbandanschluss. Es brauche unbedingt effektive Übergangslösungen, bis auch sie angeschlossen sind. Nach Rosenstocks Einschätzung sind die Schulen der Region, die schon vor der Corona-Pandemie die Nase vorn hatten, noch besser geworden. Die anderen seien weiter zurückgefallen. Es fehle an Konzepten, das aufzuholen.

Lesen Sie auch: Das Problem mit der digitalen Schule auf dem Land

Ex-Minister räumt Fehler ein

Ellen Grull von der IHK für das östliche MV bemängelte die teils mangelhafte technische Ausstattung der Berufsschulen an der Seenplatte. Das mindere schließlich die Attraktivität von Ausbildungen in der Region. Es dürfe nicht immer mit wenigen Vorreitern geworben werden. „Die Zeit der Leuchttürme muss vorbei sein.“ Ex-Innenminister Torsten Renz (CDU) räumte indes Fehler der Vorgängerregierung ein. Die Bildungspolitik habe lange nicht den Stellenwert bekommen, den sie verdient hätte. Als eins der größten Probleme bezeichnete er, dass das zur Verfügung gestellte Geld zu langsam in den Schulen ankomme.

Schwarzer Peter und neue Versprechen

Und obwohl Staatssekretär Tom Scheidung (Die Linke) einige Zugeständnisse machte – wie eine schrittweise Lösung genannter Probleme oder eine Zusicherung von itslearning für private Schulträger -, konnte das Ergebnis der Diskussionsrunde nicht alle Eltern auf den Zuschauerplätzen überzeugen. Mutter Andrea Koop wurden nach eigenen Worten zu viele gegenseitige Schuldzuweisungen vorgebracht. „Wir möchten Lösungen haben. Viele Probleme gab es schon zu meiner Schulzeit.“ Und auch Nedjmije Bajrami aus dem Landesschülerrat sprach von strukturellen Problemen, die gewachsen sind: „An dem Schulsystem hat sich in Jahrzehnten wenig geändert.“ Es gelte, innovative Wege für bessere Bildung zu finden.

Der Vorstandsvorsitzende des Landeselternrates, Kay Czerwinski, warb dafür, Versäumnisse künftig offener anzusprechen. „Wir wollen alle bessere Bildung für unsere Kinder. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – und dazu gehört auch eine Fehlerkultur.“ An Lösungen wurde dann wiederum im zweiten Teil des Netzwerktreffens, in verschiedenen Workshops gearbeitet, zum Beispiel über den Klassenraum der Zukunft. Wie Czerwinski berichtete, sei unter anderem darüber gesprochen worden, wie mehr Ressourcen an Schulen geschaffen und Lehrer nach beschwerlichen Jahren entlastet werden könnten.

Der Demmin-Überblick per Mail

Was gibt's Neues im Demminer Land? Unsere Reporter fassen wöchentlich die wichtigsten Nachrichten und Geschichten für Sie in unserem kostenlosen Newsletter zusammen. Jetzt schnell anmelden!

zur Homepage