Kreistag Seenplatte

Vergesst nicht die Senioren und Menschen mit Handicap!

Der Kreisbehindertenbeirat und der Kreisseniorenbeirat nutzten ihre Chance im Sozialausschuss, um für die Belange ihrer Mitglieder zu werben. Denn das komme allen zugute, betonten sie.
Menschen mit Behinderung werden immer noch zu wenig in die Planung für barrierefreies Wohnen einbezogen, wie die Mitglied
Menschen mit Behinderung werden immer noch zu wenig in die Planung für barrierefreies Wohnen einbezogen, wie die Mitglieder des KBB im Ausschuss deutlich machten. Lea Biermann
Neustrelitz

Wenn der Sozialausschuss des Kreistags zusammenkommt, geht es mitunter etwas theoretisch zu. Aber jetzt sorgten der Kreisbehindertenbeirat (KBB) und der Kreisseniorenbeirat des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte für eine ordentliche Dosis Praxis. Denn es ging unter anderem um Barrierefreiheit im Wohnungsbau, die dem KBB besonders am Herzen liegt.

Wilfried Böhme, Vertreter für die Selbsthilfe im KBB, bemängelt dabei, dass die Bedürfnisse und Expertise von Menschen mit Behinderung bei vielen Bauprojekten in der Region weiter keine Rolle spielen würden. Könnten doch gerade sie durch ihre Lebenssituation wichtige Hinweise an die Planer weitergeben. „Wir wünschen uns von Investoren, dass wir über laufende Vorhaben benachrichtigt werden“, so Böhme.

Die Mitwirkung am Nahverkehrsplan ist für die Vorsitzende des KBB, Annika Schmalenberg, ebenso von Bedeutung, denn auch hier täten sich grundlegende Lücken in der Barrierefreiheit auf: „Mir ist es wichtig, dass auch Menschen mit Sinneseinschränkungen bei diesem Thema berücksichtigt werden. Diese werden leider oft vergessen“, sagte sie.

Immerhin: Auf Anfrage des Nordkuriers bei den Verkehrsbetrieben des Landkreises wurde mitgeteilt, dass alle Busse behindertengerecht seien. Das schließe auch ältere Modelle ein, die über eine Rampe und einen Hochlift verfügen.

Rufbusse, die beispielsweise in Friedland und Dargun fahren, seien bereits elektrobetrieben, hieß es. Zudem wurde mitgeteilt, dass das kürzlich angelaufene Rufbusprojekt „Ilse“ im kommenden Jahr auf Neubrandenburg und Altentreptow erweitert werden soll.

Ein Problem bleiben aber noch barrierefreie Haltestellen. Daran hapert es besonders in Neustrelitz und näherer Umgebung, wie das Busunternehmen bestätigte.

„Babyboomer” werden bald Rentner

Schmalenberg kommt es darauf an, dass die Gesellschaft den Mehrwert der Barrierefreiheit erkennt. Denn nicht nur Menschen mit Behinderungen werde das Leben durch Barrierefreiheit erleichtert, sondern auch beispielsweise Eltern mit Kinderwagen, Senioren mit Rollatoren oder Personen, die mit einem Trolley unterwegs sind.

Mehr Mitspracherecht fordert auch der Kreisseniorenbeirat. Peter Lundershausen, der stellvertretende Vorsitzende, bemängelte, dass Senioren von den Gremien und der Kreisverwaltung häufig ignoriert würden. Der Beirat sei das letzte Mal vor rund drei Jahren um einen Bericht gebeten worden. Seiner Meinung nach haben Senioren eine Menge Potenzial, das sie einbringen könnten, wenn sie gefragt würden. Die hätten unter anderem Zeit für Tätigkeiten im Ehrenamt. Allerdings plädiert Lundershausen für eine Erstattung der Grundkosten, wie Material- und Fahrkosten, die bei solchen Tätigkeiten anfallen.

Lundershausen verweist auf die „Babyboomer-Generation“, die sich auf dem Weg ins Seniorenalter befinde. Es sei somit unausweichlich, sich mehr mit den Interessen der älteren Generation zu beschäftigen.

Die Verwaltungsspitze hat sich laut Dezernent Michael Löffler (SPD) bereits für die Erstellung eines seniorenpolitischen Konzeptes in den kommenden Jahren ausgesprochen. Dafür müsse dann aber auch Geld bereitgestellt werden, so Löffler.

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