Die Landwirte in der Region am Peene- und Tollensetal sehen ihre Ernte in Gefahr. Grund dafür ist die anhaltende Trockenh
Die Landwirte in der Region am Peene- und Tollensetal sehen ihre Ernte in Gefahr. Grund dafür ist die anhaltende Trockenheit. Jens Büttner
Wieder startklar gemacht: Längst nicht jeder kann mit so einem flächendeckenden Beregnungssystem aufwarten wie die B
Wieder startklar gemacht: Längst nicht jeder kann mit so einem flächendeckenden Beregnungssystem aufwarten wie die Bentziner Ackerbau GmbH. Stefan Hoeft
Trockenheit

Landwirte bangen um ihre Ernte

Die Landwirte am hiesigen Peene- und Tollensetal machen sich Sorgen um ihre Ernte. Grund dafür ist die anhaltende Trockenheit.
Demmin

Auch für die Landwirte im Bereich des ehemaligen Landkreises Demmin sieht es momentan nicht gut aus. Seit Monaten hat es so gut wie nicht geregnet und die kommenden Wochen versprechen keine Besserung. Gerry-Jan Stegink aus Seedorf hofft deshalb auf göttlichen Beistand. „Wir setzen jetzt auf Petrus“, sagt der Landwirt. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit sieht er seine Ernte zunehmend in Gefahr. Um seine Böden zu schonen, bearbeitet er sie so wenig wie möglich. „Jede Bearbeitung bedeutet Wasserverlust.“ Zwar sei es noch nicht zu spät, doch benötigten seine Pflanzen dringend Wasser. „Wir sehen, dass es von Tag zu Tag brenzliger wird“, so Stegink.

Eine Einschätzung, die Martin Marsch vom Agrarbetrieb aus Klein Toitin bei Jarmen teilt. Die nächsten Tage schätzt er als die vorerst schwierigsten ein. Weil die Meteorologen zum einen Temperaturen deutlich über 20 Grad Celsius vorhersagen und zum anderen kontinuierlichen Wind. Beides eine tückische Kombination, wenn die Ackerkrume ohnehin schon ausgetrocknet daliegt und die Feuchtigkeitsreserven darunter zur Neige gehen. „Es müsste sich was an der Großwetterlage ändern, aber danach sieht es ja nicht aus.“ Von daher bleibt er skeptisch, ob die partiell erwarteten Niederschläge zur zweiten Wochenhälfte etwas ändern.

Wassermangel schon gewohnte Situation

Seine Zuckerrüben und der Mais hätten aktuell noch keine Probleme, aber beim Raps und Getreide gerät der Mann durchaus ins Grübeln. Wohl wissend, dass noch nichts verloren ist und dieser Wassermangel inzwischen eine leider schon gewohnte Situation darstellt. Er wolle daher nicht groß klagen, wenngleich die weltpolitischen und finanziellen Rahmenbedingungen das Ganze 2022 mächtig erschweren. Die Vorjahre hätten die Bauern relativ klar kalkulieren können, was für Kosten auf sie zukommen, nun schaue das wegen der steten Preissteigerungen wie beispielsweise bei Dünger und Treibstoff anders aus.

„Dagegen ist die Preissteigerung, die bei den Verbrauchern im Supermarkt ankommt, ein Witz“, pflichtet Hartmut Giermann von der Bentziner Ackerbau GmbH bei. Alleine beim Dünger spricht er von mindestens dem Vierfachen, was im Vergleich zum Vorjahr fällig wird. Die Unternehmen allerdings müssten dafür in Vorleistung gehen, ohne zu wissen, was beim Einholen der Ernte für sie herausspringt. Daher hätte der Vorpommer nichts dagegen, wenn die derzeit rapide angezogenen Getreidepreise auf dem Niveau bleiben oder gar noch steigen.

Erste Zeichen für Ernteausfälle erkennbar

Denn auch die Beregnung, die seine Firma mittlerweile auf das Gros ihrer Flächen ausgedehnt hat, verschlingt mehr Geld als früher – insbesondere für den Strom beziehungsweise Diesel der Pumpen. Wegzudenken scheinen die Anlagen für Giermann nicht mehr, weil er als größter Kartoffelanbauer der Region ohne das zusätzliche Nass wohl aufgeschmissen wäre. Gestern wurden die Technik gestartet und die Rohre geflutet, sodass sich die Sprinkleranlagen nun bei Bedarf wieder zum Einsatz bringen lassen.

Der besteht für ihn aktuell vor allem beim Roggen, der weiter als andere Pflanzen aus dem Boden ragt und gerade an den sandigeren Stellen schon Trockenheitszeichen aufweist. Hier gilt es zu retten, was zu retten ist, während den Bentziner Betrieb bei seinen vielen Erdäpfel-Schlägen die Trockenheit noch kaum stört. Höchstens beim Anhäufeln der staubigen Erde, wie Giermann verdeutlicht. „Die Kartoffel kann erstmal auch so gut wachsen, die hat ja relativ viele Vorräte in sich.“ Bis sie mehr Feuchtigkeit benötigt, dürften die Reste der Niederschläge vom Winter und frühen Frühjahr allerdings aufgezerrt sein, befürchtet der Mann.

Pumpenbetrieb kostet viel Geld

Längst nicht jeder seiner Berufskollegen hat für diese Zeit eine Beregnung in der Hinterhand. Denn zum einen braucht es dafür eine alles andere als einfach zu bekommende Genehmigung und zum anderen kostet der Pumpenbetrieb eben viel Geld, wie Gerry-Jan Stegink und Martin Marsch klarmachten. Letzterer überlegt trotzdem, entsprechend aufzurüsten. Ansonsten heiße es nämlich vielleicht noch öfter als bisher „Pech gehabt“. Sollten die Preise für die Ernte ihren gegenwärtigen Anstieg beibehalten, dann sei das Ganze zunehmend eine Option.

Auch der ehemalige Landesbauernpräsident Rainer Tietböhl, Geschäftsführer der Landbau Demmin AG, lässt einige seiner Ackerflächen bereits beregnen. Denn schon jetzt registrierte er erste helle Stellen auf einigen Getreidefeldern. „Dort müssen wir definitiv mit Ertragseinbrüchen rechnen.“ Doch nicht nur das Getreide bereitet Sorgen, schließlich betreibt er mit seinem Betrieb auch Tierwirtschaft. Damit seine Kühe Milch produzieren können, brauchen sie Gras als Futter. Auch das sieht der Landwirt aufgrund der Trockenheit in Gefahr. „Die Wiesen sehen sehr spärlich aus“, schilderte Tietböhl.

Sorgen auch in Altentreptow

Auch in Altentreptow hoffen die Landwirte auf Wasser. Barbara Brands vom Treptower Bauernverband, blickt besorgt in die Zukunft. „Die Rüben, Kartoffeln und Erbsen, die im Frühjahr ausgesät wurden, brauchen dringend Wasser“, sagt sie. Zwar sei der Unterboden noch nass, doch das würde sich ändern, sobald die Tage heißer werden. „Die drei Tropfen, die immer mal vom Himmel fallen, helfen nicht“, sagt Brands.

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