Immer mehr Müll landet illegal in den Wäldern, so auch bei Klein Teetzleben, wie Bürgermeister Frank Schwarz ze
Immer mehr Müll landet illegal in den Wäldern, so auch bei Klein Teetzleben, wie Bürgermeister Frank Schwarz zeigt. Kai Horstmann
Der in die Natur geworfene Müll ist meist in mehrerer Hinsicht gefährlich für Mensch und Tier.
Der in die Natur geworfene Müll ist meist in mehrerer Hinsicht gefährlich für Mensch und Tier. Kai Horstmann
In dem Wald an der Zufahrtsstraße von der L271 nach Sanzkow sieht es oft schlimm aus.
In dem Wald an der Zufahrtsstraße von der L271 nach Sanzkow sieht es oft schlimm aus. Kai Horstmann
Durch den illegalen Müllentsorgung werden Gemeinden unnötig belastet.
Durch den illegalen Müllentsorgung werden Gemeinden unnötig belastet. Kai Horstmann
Appell an die Politik

Illegale Müllhaufen - Rückkehr zum Sperrmülltag gefordert

Illegaler Müll ist auch in Groß Teetzleben ein Problem. Daher schließt sich der Bürgermeister der Forderung an, zum Sperrmüllabfuhrtag zurückzukehren. Aber das ist nicht alles.
Groß Teetzleben

Frank Schwarz, Bürgermeister der Gemeinde Groß Teetzleben kann seinen Amtskollegen aus Kentzlin, Siedenbrünzow und Tützpatz beim Problem des illegal entsorgten Mülls nur zustimmen. Seitdem der Sperrmülltag im Jahr 2016 abgeschafft wurde, habe sich das Müllproblem in seiner Gemeinde immer weiter verschärft. Seine Gemeindearbeiter müssen immer häufiger ausrücken, um diesen zu beseitigen. Mehrere Hundert Euro kostet diese Entsorgung die Gemeinde – der Preis für den Lohn der Gemeindearbeiter und für die eingesetzte Technik.

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Warum im Wald und nicht im Wertstoffhof?

Manchmal ergeben sich zusätzliche Probleme aus dem Standort, so Schwarz. Wem gehört das Gelände, auf dem sich der Müll befindet? Aber kann man den Eigentümer zur Rechenschaft ziehen, obwohl man genau weiß, dass Fremde den Müll dahingeworfen haben? Deshalb sammeln seine Gemeindearbeiter meist auch diesen Müll mit ein. In einem Waldstück in Klein Teetzleben haben Leute Müll einen Abhang heruntergeworfen, der schwer einzusammeln ist. „Es ist nicht nachzuvollziehen, warum Leute das tun. Sie haben die Möglichkeit, ihren Müll im Wertstoffhof Altentreptow abzuliefern, aber trotzdem laden manche diesen im Wald ab“, sagt Frank Schwarz enttäuscht.

Zur Rede gestellt

Doch wie soll die Politik auf so viel Rücksichtslosigkeit reagieren? Für Schwarz ist klar: „Wir müssen zum Sperrmüllabfuhrtag zurückkehren”. Aber ihm ist auch klar, dass trotzdem noch weiterer Müll im Wald abgeladen wird. Vielleicht, weil es bequemer und billiger ist. Deshalb fordert er gleichzeitig, dass solche Verstöße stärker verfolgt werden. In Groß Teetzleben steht je ein Container für Altkleider, Glas und Papier. Eines Tages hatte dort jemand seinen Müll abgeladen. „Da war alles Mögliche drin. Wir fanden auf mehreren Papieren die Anschrift eines Unternehmers aus Woggersin. Wie bei anderen Leuten in so einem Fall auch, riefen wir bei ihm an und stellten ihn zur Rede. Mehr können wir leider nicht tun. Aber danach war der Müll ganz schnell weg“, berichtet Frank Schwarz.

Kritik an Öffnungszeiten des Annahmehofs

Umso mehr sieht er den Landkreis in der Pflicht, nach Lösungen zu suchen. Verbesserungswürdig seien bereits die Annahmezeiten beim Wertstoffhof Altentreptow. Diese liegen am Dienstag und Freitag von 13 bis 17  Uhr, Donnerstag öffnet der Hof sogar eine Stunde später, dazu kommt der Sonnabend mit 9 bis 13  Uhr. Wer in der Woche vom Dorf kommt und vor oder nach der Arbeit dort etwas abgeben möchte, steht vor verschlossenem Tor. Wer nun auf einem Dorf einige Kilometer weiter weg wohnt, muss dann extra am Wochenende nach Altentreptow fahren.

Pfandsystem für Reifen angeregt

Ein weiterer Punkt: Oft sind in den Wäldern Autoreifen zu finden, die kosten je Stück zehn Euro Abgabegebühr. Das ist so manchem Autofahrer anscheinend zu teuer. Schwarz sagt, er kenne eine Autowerkstatt, die verlange die Hälfte, wenn man dort seine Reifen kauft. „Hier könnte ein Pfandsystem wie bei der Autobatterie eingeführt werden. Wer seine alten Reifen abgibt, der bekommt entweder sein Geld zurück oder muss für die neuen kein Pfand bezahlen“, schlägt Frank Schwarz vor.

Aber vor allem müsse die große Politik auf diese illegale Müllablagerung reagieren. Wie könne es sein, dass früher die Geräte scheinbar länger gehalten haben? Der Bürgermeister spricht Berichte an, wo über „Sollbruchstellen“ bei Geräten berichtet wurde, damit diese nur eine gewisse Lebensdauer haben. Auch das ständig geänderte Design von Geräten und Maschinen kritisiert Schwarz. „Warum muss immerzu alles anders hergestellt werden, sodass immer wieder andere Ersatzteile benötigt werden und mitunter nach wenigen Jahren nicht mehr zu bekommen sind?“

DDR war in puncto Nachhaltigkeit weiter

Mit einem größeren Maß an Vereinheitlichung von Bauteilen könnten wesentlich mehr Gegenstände repariert werden, ist Schwarz überzeugt. So liegt unter dem Müll in der Senke in Klein Teetzleben ein Wasserkocher, der dann möglicherweise noch viele Jahre funktioniert hätte. Unter diesen Voraussetzungen würde ein Sperrmüllabfuhrtag noch mehr Sinn haben und würde Bürger sogar entlasten, weil sie kostenlos Ersatzteile für ihre Geräte bekämen. „Ich habe etwa die Hälfte meines Lebens in der DDR verbracht. Ich will sie sicherlich nicht zurückhaben. Aber deshalb kann ich Vergleiche anstellen und muss sagen, in der DDR wurde wesentlich mehr regeneriert. In Sachen Nachhaltigkeit war die DDR sogar dem jetzigen Deutschland weit voraus“, meint Frank Schwarz.

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