DEMMINER TRAUMA

2020 ein neuer Gedenkort für die Opfer des Massensuizids?

Schon seit Langem wird in der Stadt darüber diskutiert, eine Erinnerungsstätte für die Menschen zu schaffen, die sich im Frühjahr 1945 das Leben nahmen. Jetzt nimmt die Diskussion wieder Fahrt auf.
Tobias Holtz Tobias Holtz
Ein Ort, wo an die Demminer Suizidopfer von 1945 erinnert wird, könnte aus Sicht der UWG- und der CDU/FDP-Fraktion der Pl
Ein Ort, wo an die Demminer Suizidopfer von 1945 erinnert wird, könnte aus Sicht der UWG- und der CDU/FDP-Fraktion der Platz neben dem Lübecker Speicher sein. Lea Biermann
Demmin.

Wenn die Stadt Demmin zum Volkstrauertag am 17.  November wieder der Kriegstoten auf dem Friedhof in der Jarmener Straße gedenkt, zieht der Trauerzug auch an einem großen Stein vorüber. Dieser Findling erinnert bereits seit vielen Jahren an eine der größten Katastrophen, die in den letzten Kriegstagen über der Stadt hereinbrach. „Freitote, am Sinn des Lebens irre geworden“, steht dort auf einer Messingtafel geschrieben – zur Erinnerung an die vielen Frauen und Männer, die sich mit ihren Kindern zwischen dem 30. April und 3. Mai 1945 das Leben nahmen, getrieben von NS-Propaganda und Angst vor den sowjetischen Truppen.

Stein auf dem Friedhof reicht nicht

Das Gedenken nur mit dem Stein auf dem Friedhof, weit vom eigentlichen Ort des Geschehens an der Peene entfernt, reicht manchem aber nicht länger aus. „Uns ist es wichtig, einen neutralen Gedenkplatz in Demmin zu schaffen, der an die grausamen Ereignisse von damals erinnert, damit sie nicht irgendwann vergessen werden“, betonte der Fraktionsvorsitzende der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) Eckhardt Tabbert bei der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses. Gemeinsam mit der CDU/FDP-Fraktion hatte die UWG deshalb einen Antrag an die Stadtvertretung gestellt, zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges im kommenden Jahr einen solchen Ort zu gestalten.

 

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Dafür soll eine Arbeitsgruppe gebildet werden, in der neben Vertretern beider Fraktionen auch örtliche Mitglieder des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, das städtische Bauamt und die Evangelische Kirchengemeinde Demmin vertreten sind. „Wir könnten uns vorstellen, den Platz neben dem Lübecker Speicher am Hafen für das Gedenken zu nutzen“, erklärte der UWG-Frontmann. Dort würden dann ab 2020 historische Aufnahmen des verstorbenen Ehrenbürgers Karl Schlösser aus der Serie „Brennendes Demmin“ oder Auszüge seiner berührenden Schriften, wie der „Vertreibung aus dem Paradies“ gezeigt.

Befürchtungen, der Platz könnte missbraucht werden

Darüber hinaus sei es möglich, Tafeln mit einem kurzen Abriss der Tragödie von damals aufzustellen oder einen weiteren Gedenkstein. „Das sind aber alles nur erste Ideen. Wir sind für weitere Vorschläge gerne offen“, sagte Eckhardt Tabbert. Eine erste Beratungssitzung über ein mögliches Konzept werde noch im November stattfinden.

Von einigen Ausschussmitgliedern wurde gefordert, dass der Massensuizid in der Stadt von Historikern zur Vorbereitung erst einmal vernünftig aufgearbeitet werden müsse, da es immer noch viele offene Fragen gebe. „Wir verfolgen mit dem Gedenkplatz aber nicht das Ziel einer vollständigen wissenschaftlichen Darstellung der grausamen Ereignisse“, erläuterte Tabbert. Man wolle sich für die Infotafeln eher auf die Überlieferungen von Zeitzeugen und bereits vorhandene Literatur stützen.

Der Kulturausschuss nahm den Antrag mit großer Mehrheit an. Einige Vertreter äußerten aber dennoch die Befürchtung, dass der neue Platz künftig womöglich auch für „falsches Gedenken“ missbraucht wird. „Es soll weder ein Mahnmal noch ein Wallfahrtsort für rechtsextreme Kreise entstehen, sondern ein Ort, an dem sich die Demminer mit einem tragischen Kapitel der Stadtgeschichte auseinandersetzen können“, entgegnete der UWG-Fraktionsvorsitzende. Die finanziellen Mittel für die Vorbereitung und Realisierung des Projekts wurden für den Haushalt 2020 bereits mit eingeplant. Nun liegt es an der Stadtvertretung, ob sie der Empfehlung des Kulturausschusses zustimmt.

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