Dieses Foto entstand am 8. Juni 1962, als Arno und Erika Pach heirateten.
Dieses Foto entstand am 8. Juni 1962, als Arno und Erika Pach heirateten. Repro: Stefan Hoeft
Diamantenes Paar: Sechs Jahrzehnte hat die Ehe von Erika und Arno Pach bereits gehalten und drei Töchter hervorgebracht.
Diamantenes Paar: Sechs Jahrzehnte hat die Ehe von Erika und Arno Pach bereits gehalten und drei Töchter hervorgebracht. Stefan Hoeft
Die kirchliche Trauung von Arno und Erika Pach fand vor 60 Jahren in der Dorfkirche von Hohenbüssow statt.
Die kirchliche Trauung von Arno und Erika Pach fand vor 60 Jahren in der Dorfkirche von Hohenbüssow statt. Stefan Hoeft
Über Jahrzehnte waren die Pachs auf ihrem Hofgebäude Gastgeber für Jagetzows Störche. Doch seit nun schon
Über Jahrzehnte waren die Pachs auf ihrem Hofgebäude Gastgeber für Jagetzows Störche. Doch seit nun schon zwei Jahren lässt sich Adebar dort nicht mehr blicken. Stefan Hoeft
Diamantene Hochzeit

60 Jahre Ehe von Bauernhof und Störchen geprägt

Einst beeindruckte Arno seine Erika als Fahrer eines schmucken AWO-Motorrads und gewann ihr Herz beim Tanz. Nun feiert das Paar Diamantene Hochzeit.
Jagetzow

„Damals war es viel wärmer als jetzt, 30 Grad Celsius hatten wir wohl“, erinnern sich Erika und Arno Pach aus Jagetzow an den 8. Juni 1962. Dass sie über die Wetterlage an diesem Datum auch sechs Jahrzehnte später noch so genau Bescheid wissen, hat einen guten Grund.

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An jenem Tag fand ihre Hochzeit statt. Erst standesamtlich im Gemeindebüro in Alt Tellin, dann vor Pfarrer und Altar in der schmucken kleinen Kirche des benachbarten Hohenbüssow. Das Fahren übernahm damals eine Freundin mit ihrem Auto, gefeiert wurde „klein, aber fein“ gleich nebenan im Haus und auf dem elterlichen Grundstück der Braut.

Deren Familie wohnte in der am Hohenbüssower Dorfteich abzweigenden Straße. Vater und Mutter verdienten den Lebensunterhalt früher als Melker auf dem örtlichen Rittergut von Walter Bischoff, die einzige Tochter wurde als jüngstes von fünf Geschwistern am 27. Mai 1940 geboren. Auch Arno Pach kam in jenem Jahr zur Welt, am19. November, und war ebenfalls der jüngste von zwei Söhnen und zwei Töchtern.

Bewundernde Blicke für jungen Motorradfahrer

Seine Eltern bewirtschafteten einen Bauernhof mit 15 Hektar Land, den der Vater 1932 bei der Aufsiedlung des Gutes in Jagetzow gekauft hatte. Wie üblich musste der Nachwuchs früh mit anpacken im Haushalt, im Stall und auf dem Feld, erst recht als der Vater im Zweiten Weltkrieg zum Militär eingezogen wurde. Auch danach kam Arno Pach nie von der Landwirtschaft los. „Ich hätte schon gerne was anderes gelernt, aber mein Vater wollte das nicht, und ich hatte ja kein Geld. Das ist damals eben so gewesen.“

Allerdings besaß der junge Mann mit seiner Sport-AWO ein Gefährt, das bei Gleichaltrigen einerseits durchaus neidische und andererseits bewundernde Blicke auf sich zog – je nach Geschlecht des Betrachters. Bei den jungen Damen der Region jedenfalls scheint der fesche Jagetzower mit seinem Motorrad durchaus gepunktet zu haben, wie seine Erika schmunzelnd bestätigt. Gesehen habe sie ihn schon öfter auf seiner Maschine und auch begegnet sei man sich schon zuvor, etwa bei Veranstaltungen in Alt Tellin. Doch wirklich gefunkt hat es dann bei einem Tanz in Hohenbüssow, erzählen sie.

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Die Hochzeit indes blieb 1962 nicht der einzige Grund zum Feiern. Denn schon im September kam die erste Tochter Franka auf die Welt. Zwei Jahre später folgte mit Britta ein weiteres Mädchen, und 1979 machte Nesthäkchen Sandra das Trio voll. Beruflich hatte das heute Diamantene Paar da schon einige Veränderungen hinter sich.

Als der Hof in Jagetzow wie die meisten 1960 mehr oder weniger freiwillig der örtlichen LPG „Neuer Weg“ beitrat und später alles zur vergrößerten LPG Völschow „Freie Erde“ kam, blieb Arno Pach dem von Kindesbeinen an ausgeübten Bauernstand treu und arbeitete die Jahrzehnte bis zum Ruhestand im Stall.

Letzte Station sei der Kuhstall in Völschow gewesen. Seine Frau kümmerte sich derweil nicht nur um die eigenen Kinder, sondern arbeitete anfangs zeitweise im sogenannten Erntekindergarten in Broock. Später wechselte sie zum näher am Zuhause gelegenen Rat der Gemeinde Völschow. Die schönste Stelle, so sagt sie, sei aber die letzte gewesen – in der Völschower Krippe.

Apfelsinenkiste wird von Adebaren gern genutzt

Das Thema Kinder ließ sich mit den Pachs indes auch im übertragenen Sinne jahrzehntelang in Verbindung bringen. Schließlich beherbergten sie auf ihrem Hof den Klapperstorch. Früher nistete der auf einer strohgedeckten Scheune, doch nach einem Brand wurde alles neu aufgebaut. Allerdings mit einem Blechdach obenauf, das den Vögeln keinen Halt mehr bot, wie der heutige Hausherr schilderte.

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Also habe sein Vater damals in einen Lüftungsschacht Leisten als provisorische Leitersprossen genagelt, kletterte darin empor und platzierte auf der Spitze eine Apfelsinenkiste mit Kartoffelkraut als Horstunterlage. Familie Adebar nahm dieses Angebot an und galt seither als eine Art Musterexemplar für die Population am Peene- und Tollensetal, was die zeitige Ankunft und den Bruterfolg betrifft.

Doch 2020 endet diese Erfolgsgeschichte: Damals wurde das Gelege bei Horstkämpfen zerstört, wie Arno Pach berichtet. Im Jahr darauf blieb der Standort gänzlich verwaist, und daran hat sich dieses Jahr leider nichts geändert. Von daher fehlte zur Feier der Diamantenen Hochzeit das früher übliche Schnabel-Geklapper.

Kaninchen, Hühner und Garten als Hobby

Eigenen Nachwuchs über die Kinder-Generation hinaus haben Erika und Arno Pach aber trotzdem einigen: Zur Familie gehören immerhin sieben Enkel und schon zwei Urenkelkinder, das dritte ist unterwegs. Nicht alle aus der Schar allerdings können sie sehr oft sehen, denn nach der Wende verschlug es ihre beiden ältesten Töchter in den Westen – die eine nach Hannover, die andere ins Sauerland. Zumindest ihr Nesthäkchen und deren Familie wohnen mit Völschow aber sozusagen fast um die Ecke.

Wirklich langweilig wird es dem Jubiläumspaar aber sowieso nicht, dafür sorgen schon Haus und Hof. Wo früher ohnehin jede Menge privates Viehzeug vom Schwein bis zum Geflügel herumlief, warten heute zumindest noch Kaninchen und Hühner auf Futter und Pflege. Sie sind das Hobby von Arno Pach, während seine Frau sich eher dem Garten und vor allem dem Treibhaus widmet. Darüber hinaus frönt sie gerne und intensiv der Handarbeit, bestrickt sozusagen die ganze Verwandtschaft.

 

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