Im Gedenken an die Kriegsopfer trafen sich Bürgermeister Thomas Witkowski, Teile der Verwaltung und der Stadtpolitik am 8
Im Gedenken an die Kriegsopfer trafen sich Bürgermeister Thomas Witkowski, Teile der Verwaltung und der Stadtpolitik am 8. Mai zur Kranzniederlegung auf dem Friedhof. Karsten Riemer
Rund 200 Teilnehmer machten sich hinter dem Banner „Demmin bleibt bunt“ auf den Weg durch die Stadt.
Rund 200 Teilnehmer machten sich hinter dem Banner „Demmin bleibt bunt“ auf den Weg durch die Stadt. Karsten Riemer
In Begleitung eines Großaufgebots der Polizei zog der Trauermarsch der Rechtsextremen durch die Innenstadt.
In Begleitung eines Großaufgebots der Polizei zog der Trauermarsch der Rechtsextremen durch die Innenstadt. Karsten Riemer
Rund 200 Teilnehmer scharrten sich hinter dem Banner „Demmin bleibt bunt” auf dem Umzug durch die Stadt. Foto: Kar
Rund 200 Teilnehmer scharrten sich hinter dem Banner „Demmin bleibt bunt” auf dem Umzug durch die Stadt. Foto: Karsten Riemer
Der Demonstrationszug des Friedensfestes hat sich am Demminer Hafen in Bewegung gesetzt.
Der Demonstrationszug des Friedensfestes hat sich am Demminer Hafen in Bewegung gesetzt. Karsten Riemer
In St. Bartholomaei in einer Nagelkreuzandacht an die Opfer des Krieges und das aktuellen Grauen in Europa erinnert.
In St. Bartholomaei in einer Nagelkreuzandacht an die Opfer des Krieges und das aktuellen Grauen in Europa erinnert. Pablo Himmelspach
8.Mai zwischen stillem Gedenken und Großdemonstration

8. Mai zwischen stillem Gedenken und Demos

Zum Tag der Befreiung in Demmin gingen die leisen Töne zum Gedenken an die Kriegsopfer nahezu unter. Denn nach zwei Jahren Pause marschierte die NPD am Abend durch die Hansestadt.
Demmin

Seit Jahren geht der 8. Mai in der Hansestadt deutlich über das Gedenken zum Tag der Befreiung hinaus. Rechter Trauermarsch, lautstarke Gegenproteste und umfassende Polizeipräsenz prägen das Bild. Zwar blieb das Ausmaß aufgrund der Pandemie und den ausbleibenden NPD-Demonstrationen 2020 und 2021 überschaubar, doch in diesem Jahr am 8. Mai war die Pause vor-über.

Pfeifkonzert gegen Trauermarsch

Schon gegen Mittag bezog das angekündigte Großaufgebot der Einsatzkräfte Stellung in Demmin. Rund 550 Polizisten waren zur Absicherung der Demonstrationen und Kundgebungen vor Ort. Mit ernsthaften Ausschreitungen bekamen es die Beamten im Tagesverlauf jedoch nicht zu tun. Tatsächlich liefen Umzüge und Mahnwachen meist ruhig ab – mit Ausnahme der musikalischen Beschallung, lauter Parolen und Pfeifkonzerte gegen den Trauermarsch der rechten Szene.

Bereits beim Friedensfest am Hafen zeigte sich zudem, dass die diesjährigen Planungen des Aktionsbündnisses 8. Mai zum Tag der Befreiung kleiner angesetzt waren, als in den Vorjahren – trotz Redebeiträgen wie beispielsweise von der Integrationsbeauftragten des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Jana Michael. Nicht zuletzt spielte diesbezüglich die aktuelle Kriegssituation in Europa sowie die damit zusammenhängende Arbeit mit und für die Geflüchteten eine Rolle. Zudem ließ die kurzfristige Ankündigung des Trauermarschs wenig Spielraum für die Organisation großer Veranstaltungen.

Kranzniederlegung und Nagelkreuz-Andacht

Immerhin: 200 Menschen beteiligten sich laut Polizeiangaben ab 17.30 Uhr an der Demonstration gegen den rechten Aufmarsch. Deutlich mehr als die NPD akquirieren konnte. 120 Menschen kamen nach Aussagen von Polizeisprecherin SusannOssenschmidt gegen 19 Uhr für den Trauermarsch der Neonazis zusammen. Aufgrund fehlender Ordner verzögerte sich der für 19.30 Uhr angesetzte Umzug dann zudem um einige Minuten.

Abseits vom Friedensfest am Hafen und den Umzügen durch Demmin hatten sich Bürgermeister Thomas Witkowski, Teile der Verwaltung und der Politik bereits am Sonntagvormittag am45er Gräberfeld auf dem Friedhof versammelt. Mit einer Kranzniederlegung anlässlich des Kriegsendes vor 77 Jahren wurde so der Opfer von Kriegen, Unterdrückung und Gewaltherrschaft gedacht. Zudem fand am Abend die Nagelkreuz-Andacht in St. Bartholomaei statt, bei der Pastor Martin Wiesenberg mahnte, gemeinsam für Frieden und Gerechtigkeit einzustehen.

AfD blieb Friedhofstermin fern

Einzig die städtische AfD – inklusive Demmins direkt gewähltem Landtagsabgeordneten Enrico Schult – blieb dem offiziellen Friedhofstermin am Morgen fern, wie die Partei allerdings im Vorfeld ankündigte. So hatte diese schon am 30. April ihr Blumengebinde explizit für die Opfer des Demminer Massensuizids von 1945 auf dem Friedhof niedergelegt. „Ich finde es richtig, dass man an dieses traurige singuläre Ereignis in der Demminer Stadtgeschichte gesondert erinnert und dies nicht mit dem Ende des Krieges am8. Mai vermischt“, erläuterte Schult das Vorgehen.

Darüber hinaus sei es schade, dass es während der zweijährigen Pause nicht gelungen ist, das laut Schult „unwürdige Spektakel“ sowohl aus dem linken als auch rechten Spektrum in Demmin zu beenden. „Wir als Demminer AfD werden uns daher nirgendwo beteiligen und bleiben am 8. Mai 2022 einfach zu Hause“, sagt er.

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