Was passiert nach dem Abriss zweier Wohnblöcke 2020/21 am Tutower Pommernring mit den verbliebenen drei Plattenbauten? Di
Was passiert nach dem Abriss zweier Wohnblöcke 2020/21 am Tutower Pommernring mit den verbliebenen drei Plattenbauten? Diese Frage wollen auch die Mieter möglichst schnell beantwortet haben, fühlen sich aber ausgeschlossen und schlecht behandelt. Stefan Hoeft
Ina Hensen ist Sprecherin der im vergangenen Sommer im Pommernring gegründeten Mieter-Initiative.
Ina Hensen ist Sprecherin der im vergangenen Sommer im Pommernring gegründeten Mieter-Initiative. Ulrike Rosenstädt
Streit über Reparaturen

Ärger um Tutower Pommernring eskaliert

Der Pommernring hat in Tutows Gemeindevertretung für heftige Wortgefechte gesorgt. Bewohner fühlen sich mit ihren Problemen in kalten Wohnungen alleingelassen.
Tutow

So wie am Dienstagabend dürfte die Öffentlichkeit Tutows Bürgermeister Roland Heiden nie zuvor erlebt haben, zumindest in der Gemeindevertretung. Denn dort verlor der einstige Rektor des Demminer Gymnasiums plötzlich die Contenance und echauffierte sich lautstark, nachdem er voller Empörung mit der Hand auf den Tisch geschlagen hatte.

Auslöser waren die kommunalen Wohnblöcke im Pommernring, besser gesagt die bohrenden Nachfragen von Ina Hensen, die sich als Sprecherin der dort im Vorjahr gegründeten Mieterinitiative in der Einwohnerfragestunde zu Wort meldete. Die junge Frau tischte eine ganze Reihe von Problemen auf, verbunden mit dem im Raum stehenden Vorwurf, dass nicht genügend dagegen getan wird.

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Sorgen nicht ernst genommen

Immerhin war die Truppe schon im August bei Bürgermeister und Abgeordneten vorstellig, als Gerüchte von einem weiteren Abriss des kurz zuvor um zwei 44-WE-Blöcke amputierten Straßenzuges aufkamen und eine Diskussion zur Zukunft der verbliebenen drei Plattenbauten angekündigt wurde. Sie hätten es satt, als Ghetto-Insassen betrachtet und mit ihren Sorgen kaum ernst genommen zu werden, aber wiederum unter Zuständen leiden zu müssen, die nicht von ihnen verursacht worden sind, hieß es.

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Vom schlechten Zustand der Gebäude und fehlenden Reparaturen ganz zu schweigen. Der Bürgermeister versprach, sich zu kümmern, alle gingen mit dem Vorschlag zur Bildung einer Arbeitsgruppe aus Abgeordneten und Mietern auseinander, um Letztere bei der Zukunftsgestaltung mit ins Boot zu holen.

Eine Arbeitsgruppe unter Einbeziehung von Mitarbeitern der in Jarmen sitzenden Amtsverwaltung, die auch die kommunalen Wohnungen betreut, ist inzwischen tatsächlich gegründet, doch mehr haben die Mieter bisher nicht erfahren, so Hensen. Sprich die vor mehr als fünf Monaten erteilte Zusage werde nicht eingehalten, aus ihrer Sicht bewegte sich seither nicht wirklich etwas. Und dass ein weiterer Abriss nicht ausgeschlossen ist, beunruhigte sie zusätzlich.

Zu kalte Wohnungen kritisiert

Die Abgeordnete Gudrun Stark verteidigte die gegenwärtige Verfahrensweise. Erstmal müssten Gemeinde und Amt grundlegende Gespräche zu den Möglichkeiten für den Pommernring führen und konkrete Zahlen erarbeiten. „Und da sind wir noch dabei. Wenn es an der Zeit ist, werden die Bewohner mit einbezogen.“ Sie warb um Verständnis, dass die Kommune in größeren Strukturen bei der Sanierung denken müsse, statt sich um kleine beziehungsweise Einzelprobleme zu kümmern.

Doch davon gibt es offenbar eine ganze Reihe und keinesfalls immer nur wenige betreffend, die sich zu einer großen Lawine der Unzufriedenheit auftürmen, wie die Mieter-Sprecherin schilderte. Besonders akut mache sich zur Winterzeit der Umstand bemerkbar, dass in vielen Räumen die Heizungen nicht ausreichend wärmen. „Die Leute frieren in ihren Wohnungen, es wohnen da Kinder und alte Menschen“, berichtete Ina Hensen.

Und daran würden weder Tipps, wie die Heizungen auf Dauer auf Stufe fünf zu stellen, etwas ändern noch Vorwürfe, sie könnten nicht richtig mit den Thermostaten umgehen. Sie selbst komme stellenweise auf nur 18/19 Grad Temperatur und sei es leid, dass die Menschen im Pommernring als die „Kloppis“ dargestellt würden – zu dumm, um die Technik zu bedienen.

Reparaturbitten im Rathaus ignoriert?

Hinzu komme, dass die Dichtungen vieler Fenster längst vergammelt seien oder gar nicht existierten und es durchziehe, diese Dinge aber weder die Gemeinde noch die von ihr beauftragte Wohnungsverwaltung interessierten. Bitten um Ausbesserungen würden weitestgehend und schon seit Langem im Rathaus ignoriert.

„Aber wir sind auch Menschen. Wir bezahlen Miete und Steuern, da haben wir auch Rechte.“ Dass beim jüngsten Wintereinbruch der Pommernring „vergessen“ wurde beim Streudienst und deshalb Kinder ausrutschten, passte bestens ins negative Bild.

Letzteres werde sich nicht wiederholen, versicherte der Bürgermeister. Beim Thema Wärme und Fenster hingegen hielt er sich zurück. Wohl wissend, dass tatsächlich ein Teil der Heizkörper zu gering bemessen ist, andere vielleicht verschlammt. „Das ist ein Thema, das ich nicht anfasse, weil jede Antwort sie nicht befriedigen würde.“ Im übrigen müssten da Fachleute und die Verwaltung ran, dies sei keine Sache der Volksvertreter. Sprich die Betroffenen sollten das im Amt anzeigen.

Gemeinde als Eigentümer in der Pflicht

Die Aussage, dass dies ständig passiere, aber nicht gehandelt und deshalb von den Mietern die Gemeindevertretung und speziell der Bürgermeister in die Pflicht genommen werde, ließ Letzteren dann plötzlich ziemlich aus der Haut fahren. „Da ärgere ich mich maßlos drüber, dass wir für Dinge, für die wir nichts können, verantwortlich gemacht werden“, brüllte er fast schon. Was könne er dafür, dass einige Sachen seit Jahrzehnten falsch laufen und jetzt die Folgen zu bewältigen seien.

Er höre immer wieder von denselben Problemen, doch bis zu ihm kämen die Beschwerden nicht durch. „Es gibt immer wieder Sachen, die auf die Wohnungsverwaltung zurückzuführen sind“, äußerte Heiden. „Ich bin dieses Thema richtig leid.“

Den harschen Ton, für den sich der Mann später entschuldigte, verbat sich Ina Hensen. Und wollte die Schuldzuweisung alleine ans Rathaus nicht akzeptieren. Schließlich seien diese Immobilien das Eigentum der Kommune und diese Verwaltung von ihre finanziert, sprich hier gebe es gleich zwei Ansatzpunkte für die Verantwortung der Gemeinde Tutow. Deren Kopf sei nun mal der Bürgermeister, in zweiter Reihe betreffe das auch die Gemeindevertreter. „Man kann doch nicht so tun, als ob man da nichts mitbestimmt hat die letzen 30 Jahre.“

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Kommentare (1)

Pommernring im Nirgendwo. Seine Tage sind gezählt.