TAG DER BEFREIUNG

Aktionsbündnis legt mit Plakaten zum 8. Mai in Demmin vor

Obwohl noch niemand weiß, was am Tag der Befreiung in der Hansestadt ablaufen wird, macht das „Aktionsbündnis 8. Mai“ den ersten öffentlichen Schritt.
Heinz Wittmer und Gundula Meyer kleben den Rest des Plakats an die Tafel.
Heinz Wittmer und Gundula Meyer kleben den Rest des Plakats an die Tafel. Kai Horstmann
Auf dem Plakat fordert die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano, den 8. Mai zum Feiertag zu machen.
Auf dem Plakat fordert die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano, den 8. Mai zum Feiertag zu machen. Kai Horstmann
Auf dem Plakat „Hanau” werden alle zehn Opfer aufgezählt.
Auf dem Plakat „Hanau” werden alle zehn Opfer aufgezählt. Kai Horstmann
Aus der Geschichte nichts gelernt – die Nazis vom 8. Mai. Foto: Kai Horstmann
Aus der Geschichte nichts gelernt – die Nazis vom 8. Mai. Foto: Kai Horstmann
Sehr freidlich ging es bei dieser Sitzblockade gegen den Aufmarsch von Nazis zu. Eine Dreiköpfige Kapelle heiterte die Ge
Sehr freidlich ging es bei dieser Sitzblockade gegen den Aufmarsch von Nazis zu. Eine Dreiköpfige Kapelle heiterte die Gegendemonstranten mit Musik auf. Hinter ihnen haelt jemand ein Schild hoch mit der Aufschrift " Swing gegen Rechts. Foto: Kai Horstmann
Demmin ·

Der 8. Mai rückt immer näher. Aber ob es wirklich während der Corona-Pandemie zu den Neonazi-Aufmärschen und Gegendemonstrationen kommt, ist weiterhin fraglich. Dafür hat jetzt das „Aktionsbündnis 8. Mai“ schon mal vorgelegt. Am Dienstag wurden drei große Werbeplakate an der Laufstrecke der Rechtsextremisten in der Clara-Zetkin-Straße angebracht. Für das Bündnis war es wichtig, zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges gegen Nationalismus und Rassismus präsent zu sein.

„Sicherlich stellte sich für uns die Frage, ob wir trotz Corona an unsere Plakataktion festhalten sollten. Doch bei einer Absage hätten wir Stornogebühren zahlen müssen und dafür keinerlei Gegenwert erhalten. Schwerpunkt in diesem Jahr wird die Forderung sein, den 8. Mai zum bundesweiten Feiertag zu machen“, erklärte Gundula Meyer vom Aktionsbündnis.

Forderung nach bundesweitem Feiertag

Auf zweien dieser Plakate ist die Deutsch-Jüdin und Auschwitz-Überlende Esther Bejarano (95) abgebildet. Sie wurde als Esther Loewy 1924 in Saarlouis geboren und ist für einige Demminer keine Unbekannte. So trat sie als Sängerin am 9. Mai 2015 mit ihrer Band „Microphone Mafia“ in der Hansestadt auf. Am 20. April 1943 wurde sie nach Auschwitz deportiert, wo sie im Mädchenorchester spielte. Im August 1945 reiste sie nach Palästina aus, kehrte aber später wieder nach Deutschland zurück. Neben ihrem Foto steht auf dem Plakat ihre Botschaft: „Ich fordere: Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten.“

Zur Unterstützung der Forderung wurde von verschiedenen Gruppen und Kultureinrichtungen eine Petition ins Leben gerufen, die man unter www.dievielen.de unterschreiben kann. Heinz Wittmer, Sprecher des Aktionsbündnisses 8. Mai, weist darauf hin, dass in Berlin in diesem Jahr der 8. Mai ein Feiertag ist. Aber diese Regelung ist allein auf das Jahr 2020 beschränkt. „Gerade jetzt ist ein Feiern des Friedens und das Eintreten für eine offene, solidarische und ökologische Gesellschaft wichtig, um positive Bezugspunkte für die Zukunft zu setzen. Deshalb unterstützen wir die Forderung, den8. Mai zu einem bundeseinheitlichen Feiertag zu erklären“, sagte Heinz Wittmer.

Erinnerung an Hanauer Attentat

Das dritte Plakat erinnert sehr deutlich an die Morde in Hanau und nennt alle Opfer beim Namen. Dazu ist in großer Schrift geschrieben: „Faschismus und Rassismus töten bis heute!“

Das Aktionsbündnis hat damit vor allem die AfD im Blick. Sie wurde schon kurz nach dem Attentat mitverantwortlich für das Verbrechen gemacht, doch die Partei bestreitet heftig einen Zusammenhang mit ihren politischen Aussagen. „Der Attentäter hat neun Menschen mit Migrationshintergrund und seine Mutter getötet, da verstehe ich nicht, wie man keinen ausländerfeindlichen Hintergrund sehen kann“, fragte Gundula Meyer.

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Kommentare (1)

die Opfer terroristischer Gewalttaten instrumentalisieren, um damit gleichzeitig tausende Opfer der Demminer Tragödie von 1945 zu verhöhnen? Weiterhin werden noch die Ermittlungsergebnisse angezweifelt, weil es so besser in die tendenziöse Berichterstattung paßt. Dann darf auch der persönliche Kleinkrieg des Heldenjournalisten gegen die AfD nicht fehlen. Mehr Verschwörungstheorie geht nun wirklich nicht mehr.