Wer keinen Hausarzt hat muss in Demmin lange suchen. In der Hansestadt gibt es zu wenige Ärzte.
Wer keinen Hausarzt hat muss in Demmin lange suchen. In der Hansestadt gibt es zu wenige Ärzte. Karsten Riemer
Auch wenn sich mehrere Arztpraxen im Ärztehaus befinden – genug sind es nicht.
Auch wenn sich mehrere Arztpraxen im Ärztehaus befinden – genug sind es nicht. Georg Wagner
Der Krankenhaus-Geschäftsführer Kai Firneisen schlug vor, ausgebildete Migranten und Flüchtlinge nach Demmin zu
Der Krankenhaus-Geschäftsführer Kai Firneisen schlug vor, ausgebildete Migranten und Flüchtlinge nach Demmin zu holen. Georg Wagner
Medizinische Versorgung

Akuter Ärztemangel in Demmin

Was kann die Stadt tun, um neue Ärzte zu gewinnen? Das wurde jetzt bei einer Ausschuss-Sitzung diskutiert. Der Geschäftsführer des Krankenhauses hat konkrete Vorschläge.
Demmin

In Demmin gibt es bereits seit Jahren zu wenige Ärzte. Wer in der Hansestadt noch bei keinem Hausarzt untergebracht ist, kann sich auf eine lange Suche einstellen. Oder gleich darauf, für eine Behandlung nach Greifswald oder Neubrandenburg zu fahren. „Wir sehen, dass sich die Situation zunehmend verschlechtert“, sagte der Geschäftsführer des Demminer Krankenhauses, Kai Firneisen.

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Viele Mediziner gehen bald in Rente

Bei einer Sitzung des Ausschusses für Soziales, Schulen und Kultur sprach Firneisen am Dienstag mit den Stadtvertretern über die Lage in der Hansestadt. Seine Diagnose: Der Ärztemangel in Demmin ist akut – und muss schnellstmöglich behandelt werden. „Wir haben die Sorge, dass es in der Zukunft noch schlechter wird. Denn es kommen immer weniger Ärzte nach Demmin“, sagte Kai Firneisen. Zudem stünden viele der praktizierenden Mediziner kurz vor der Rente.

Mit Immobilienangeboten locken

Doch was kann die Stadt tun, um junge Ärzte nach Demmin zu locken? Firneisen lieferte dafür am Dienstag kein Allheilmittel. Jedoch führte er eine Reihe konkreter Vorschläge auf: Die Stadt müsse den Standort Demmin für junge Mediziner attraktiv machen. Zum Beispiel, indem junge Ärzte mit Immobilienangeboten unterstützt werden. „Dafür kämen auch die Praxen von Ärzten im Ruhestand infrage“, sagte Firneisen. Eine andere Möglichkeit wäre laut Firneisen, die Apotheken mit ins Boot zu holen. Da diese von den Rezepten der Ärzte leben, sind auch sie an einem Zuzug junger Mediziner interessiert – und könnten etwa die Einrichtungen neuer Praxen sponsern.

Fachärzte können Assistenten anstellen

Der Geschäftsführer des KKH sieht jedoch nicht nur die Politik in der Verantwortung. Auch die Kassenärzliche Vereinigung (KV) habe die Pflicht, zu prüfen, ob Regionen medizinisch unterversorgt sind. Ist das der Fall, sei die KV in der Verantwortung, den Ärztemangel auszugleichen. „Wir sollten die KV in die Pflicht nehmen. Die müssen sich kümmern“, sagte Firneisen. Dabei sollten auch die Ärzte in Demmin einbezogen werden. Fachärzte hätten die Möglichkeit, Weiterbildungs-Assistenzen anzustellen. Gefördert werde dies zu 100 Prozent von der KV. „Und im besten Fall übernehmen die Assistenten später die Praxis“, sagte Firneisen.

Kontakte nutzen

Doch so viel die Kassenärztliche Vereinigung auch fördert und wirbt – es scheint allen klar zu sein, dass diese die Ärzte nicht dazu zwingen kann, nach Demmin zu kommen. Daher müsse die Stadt in Aktion treten, so Firneisen. „Wir haben gute Kontakte zur Universität Greifwald. Wir können das nutzen, damit mehr junge Ärzte nach Demmin geschickt werden“, sagte er. In der Vergangenheit hätten sich beide Seiten bereits darum bemüht.

Grundstücke und schnelles Internet

Die Stadtvertreter begrüßten die Vorschläge des KKH-Geschäftsführers. In die Diskussion schaltete sich auch Bernd Koltz vom Interessenverbund „Wir alle sind Demmin“ (IVD) ein – und stellte seinerseits eine Reihe möglicher Maßnahmen vor. Unter anderem könnten Bauplätze für die Wohnhäuser von Ärzten bereitgehalten werden. Des weiteren sollten schnelle Datenleitungen bereitgestellt werden. Und an den Hochschulen sollte für Demmin geworben werden. „Die Natur ist das beste, was wir in der Region haben. Damit müssen wir nach außen treten“, sagte Koltz.

Migranten im Fokus

Potenzial sieht der IVD-Vertreter zudem in ausgebildeten Migranten. „Das ist eine ganz bedeutende Frage“, sagte Koltz. Wenn man wisse, welche Migranten eine Berufsausbildung haben, könne man die Menschen unterstützen. Das bekräftigte auch Kai Firneisen. „Wir sind mit den Erstaufnahme-Zentren in engem Austausch“, sagte er. Möglicherweise könnten bald ukrainische Flüchtlinge als Fachkräfte in Demmin arbeiten. „So negativ dieser Krieg auch ist, wir müssen auch versuchen etwas Positives daraus zu machen“, sagte Firneisen.

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