UMSTRITTENER GEISTLICHER

Altbischof Horst Gienke verstorben

Altbischof Horst Gienke ist am Freitag in Demmin gestorben. Er wurde für seine Nähe zu den Gemeinden geschätzt – und für seine Stasi-Kontakte kritisiert.
Im Alter von 90 Jahren ist am Freitag Altbischof Horst Gienke in Demmin verstorben.
Im Alter von 90 Jahren ist am Freitag Altbischof Horst Gienke in Demmin verstorben. Rainer Neumann/ZVG
Erich Honecker in Greifswald nach dem Festgottesdienst zur Wiedereinweihung des Greifswalder Doms am 11. Juni 1989. Der Dom war nach umfassender Restaurierung in Anwesenheit Honeckers mit einem offiziellen Festakt wiedereingeweiht worden. Ein Politikum und ein Streitpunkt für Christen in der pommerschen Kirche und der gesamten DDR.
Erich Honecker in Greifswald nach dem Festgottesdienst zur Wiedereinweihung des Greifswalder Doms am 11. Juni 1989. Der Dom war nach umfassender Restaurierung in Anwesenheit Honeckers mit einem offiziellen Festakt wiedereingeweiht worden. Ein Politikum und ein Streitpunkt für Christen in der pommerschen Kirche und der gesamten DDR. Jürgen Sindermann/Archiv
Demmin ·

Im Alter von 90 Jahren ist am Freitag Altbischof Horst Gienke in Demmin verstorben. Der gebürtige Schweriner war von 1972 bis 1989 Bischof der Evangelischen Landeskirche Greifswalds, wie sich die Pommersche Landeskirche zu DDR-Zeiten nennen musste. Nachdem er im Juni 1989 eigenmächtig Erich Honecker zur Wiedereinweihung des Greifswalder Doms St. Nikolai eingeladen hatte, sprach ihm die Synode das Misstrauen aus, und er musste zurücktreten. Später wurde bekannt, dass er Kontakte mit dem Ministerium für Staatssicherheit gepflegt hatte.

Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt sagt: „Während seiner 17-jährigen Amtszeit als Bischof wurde Horst Gienkes große Nähe zu den Kirchengemeinden in Gottesdiensten, bei Besuchen und Visitationen von vielen geschätzt. Genauso wurden aber sein Führungsstil und seine staatsloyale Haltung gegenüber der DDR-Diktatur kritisiert. Offensichtlich unterschätzte er, was sein Kontakt mit staatlichen Stellen und insbesondere dem Ministerium für Staatssicherheit bedeutete.

So hinterließ seine Amtszeit als Bischof in seiner damaligen Landeskirche einen ambivalenten Eindruck. Gleichzeitig hat Horst Gienke, von tiefer persönlicher Frömmigkeit geprägt, 35 Jahre den Verkündigungsdienst wahrgenommen, mit dem ihn seine Kirche beauftragt hatte. Dieses Dienstes von Altbischof Horst Gienke gedenken wir mit Respekt.“

Breite Anteilnahme

Weiter sagt die Landesbischöfin: „Mein Mitgefühl und meine Fürbitte gelten seiner Familie und seinen Angehörigen und allen, die um Horst Gienke trauern. Mögen sie Trost und Hoffnung in Gottes Wort finden. So spricht Jesus Christus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Johannes 11,25)

Tilman Jeremias, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern, sagt: „Ich bin dankbar, dass ich ihn noch persönlich kennen lernen durfte. Dabei habe ich die Zwiespältigkeit seiner Person deutlich empfunden: Ich habe ihn als frommen Menschen erlebt, dem Gebet und die Botschaft der Bibel Leitschnur fürs Leben gewesen sind. Er hatte fürsorglich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirche im Blick und setzte sich für seine Kirchengemeinden ein. Den Menschen vor Ort war er auch dadurch, dass er Platt sprach, sehr nahe. Um insbesondere für Bauaufgaben etwas zu erreichen, pflegte er enge Kontakte zu staatlichen Stellen und sprach auch regelmäßig mit der Staatssicherheit, ohne sich der fatalen Konsequenzen bewusst zu sein.“

Die Stralsunder Pröpstin Helga Ruch wurde ebenso wie die beiden anderen pommerschen Pröpste Gerd Panknin und Andreas Haerter von Horst Gienke ordiniert. Sie sagt: „Altbischof Horst Gienke prägte einen bedeutenden Teil der Geschichte der pommerschen Kirche. Dankbar blicken wir auf die Zeit seines Wirkens zurück. Besonders gern erinnere ich mich an seine klugen und eindrücklichen Predigten sowie an die humorvolle und volksnahe Art seines Auftretens.“

Horst Gienke wurde 1930 in Schwerin geboren. Nach einer Zeit als Gemeindepfarrer in Blankenhagen bei Ribnitz und in Rostock leitete er von 1964 bis 1972 das Predigerseminar der Evangelisch-Lutherischen Kirche Mecklenburgs.1972 wurde er als Nachfolger von Friedrich Krummacher zum Bischof der Evangelischen Landeskirche Greifswald gewählt. 1973 bis 1976 und 1987 bis 1989 war er Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche der Union (EKU) in der DDR.

Zur Wiedereinweihung des Greifswalder Doms am 11. Juni 1989 hatte Gienke, ohne dies mit der Synode oder der Kirchenleitung abzusprechen, Erich Honecker eingeladen. Die Synode sprach ihm in ihrer Novembertagung das Misstrauen aus und Gienke musste als Bischof zurücktreten.

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