Die Ruine von Haus Demmin soll nach Möglichkeit neu belebt werden. Doch dem stehen eine ganze reihe Auflagen entgegen. Nichtsdestotrotz gibt es nun erste konkrete Ideen.
Die Ruine von Haus Demmin soll nach Möglichkeit neu belebt werden. Doch dem stehen eine ganze reihe Auflagen entgegen. Nichtsdestotrotz gibt es nun erste konkrete Ideen. Christine Gerhard
Lost Places

Altes Herrenhaus könnte doch noch eine Zukunft haben

Seit Jahren ist die weitere Nutzung von Haus Demmin ein Dauerthema in der Hansestadt. Eine Studie zeigt nun, wie die Zukunft des Areals aussehen könnte.
Demmin

Wie geht es weiter mit Haus Demmin? Eine Frage, welche die Hansestadt in ihrer Gesamtheit seit Jahren beschäftigt. Denn vom Glanz der einst stolzen „Wiege Vorpommerns“ ist wenig übrig. Die Ruinen des Herrenhauses liegen brach. Zwar ist eine Nutzung des Areals – beispielsweise für touristische Zwecke – nicht ausgeschlossen, mit konkreten Plänen tun sich Verwaltung und Politik bislang jedoch schwer, auch wenn es in der Vergangenheit bereits reichlich Ideen gab. Dank der ersten Ergebnisse der knapp 100 000 Euro teuren Machbarkeitsstudie kommt nun aber wieder Schwung in das Dauerthema. Denn immerhin ist jetzt klar, was alles nicht geht. Daher bleiben nur wenige Optionen übrig.

Eingriffe in Boden vermeiden

So verkomplizieren allein Umwelt- und Denkmalschutz das Unterfangen immens, wie aus den Unterlagen des zuständigen Planungsbüros EBP aus Berlin hervorgeht, die im jüngsten kombinierten Stadtentwicklungs -und „Wirtschafts,Tourismus,Umwelt“-Ausschuss vorgestellt worden sind. Zum Beispiel sind laut Rücksprachen mit den Behörden, wie dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, Neuversiegelungen von Flächen so gering wie möglich zu halten. Zudem sollen Eingriffe in den Boden in denkmalgeschützten Bereichen weitestgehend vermieden werden. Die Erschließung des Geländes darf darüber hinaus nur über die bestehenden Wege und Straßen erfolgen. Schwierigkeiten, die zusätzlich von möglichen Überschwemmungsflächen und weiteren baurechtlichen Fragen auf dem theoretisch für eine Nutzung verfügbaren Gelände flankiert werden.

Nichtsdestotrotz sind die Planer zunächst von einer Vielzahl denkbarer Varianten ausgegangen – aufgeschlüsselt in insgesamt acht Bereiche. Bildung, Wohnen, Daseinsvorsorge, Freizeit, Gastronomie, Beherbergung, Aktivtourismus und Kultur mit jeweils eigenen Unterpunkten. Übrig bleiben davon – nach Ausschlussverfahren auf Grundlage der bisherigen planerischen Erkenntnisse – vier Szenarien für die Zukunft des Areals.

Mischnutzung im Gespräch

Möglichkeit 1: Ein Museumsstandort. Welcher mit der parallel laufenden Debatte über ein Demminer Museum zumindest gewisse Überschneidungspunkte aufweist. Die zweite Option wäre ein „Kunstcampus“ mit offenen Ateliers und Werkstätten sowie Ausstellungen und ähnlichem, der jedoch aufgrund bestehender Alternativen in Demmin keine Priorität eingeräumt wird. Des weiteren ist eine sogenannte Mischnutzung im Gespräch – inklusive Touristeninformation, Trauzimmer und kleinem Veranstaltungssaal. Als abschließende Alternative bleibt die „Nullvariante“, die den Status Quo um Haus Demmin zusammen mit der Bausubstanz lediglich aufrecht erhält.

Trotz nun erstmalig konkret aufgeführter Nutzungsideen – mit ihren Pros und Kontras – wollte der Funke nicht bei allen Ausschussmitgliedern gleichermaßen überspringen. Im Gegenteil. „Ich muss sagen ich bin relativ enttäuscht, denn das, was da bislang rauskam, sind alles Fakten, die wir vorher wussten“, so UWG-Stadtvertreter Frank Ott.

Bündelung aller Informationen

Tatsächlich ist der reine Neuigkeitsgehalt bezüglich der zu erwartenden Widrigkeiten überschaubar – Umwelt- sowie Denkmalschutz sind Punkte, die seit Beginn über der Debatte schweben. Neu bleibt jedoch die Bündelung aller Informationen über das Gelände, Haus Demmin und behördliche Rücksprachen sowie die daraus abgeleiteten Erkenntnisse in einem Arbeitspapier. Eines, das zudem jetzt auf die nächsten Schritte zusteuert. Denn die Frage, was überhaupt finanzierbar ist, blieb bislang unbeantwortet. Auch Umsetzbarkeit und ein klares Nutzungskonzept stehen erst am Ende der Untersuchungen fest.

Ein langwieriger Prozess, der bis zur Vorstellung der bisherigen Ergebnisse allerdings in weiten Teilen an der Stadtpolitik vorbeilief. Austausch beschränkte sich vornehmlich auf das Planungsbüro und die Verwaltung. Was in der vergangenen Ausschusssitzung für einiges Stirnrunzeln sorgte. „Wir wurden bisher nicht so richtig mit einbezogen, ich denke, es wäre für die Zukunft richtiger, wenn wir ab und zu Zwischeninformationen kriegen würden“, sagte der IVD-Abgeordnete Rainer Tietböhl. Nur so sei es schließlich möglich, auch noch Ideen einzubringen.

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