WINDKRAFT

Arbeitsloser leistet sich ein Windrad

Manfred Hensel hat geschafft, was kaum jemand ihm zugetraut hat: Obwohl ihm als Arbeitslosem das Geld fehlte, hatte er sich in den Kopf gesetzt, ein Windrad zu errichten.
Mit seinen etwa 60 Metern Höhe zählt Manfred Hensels Windrad am Sarower Ortsrand zu den eher kleinen Modellen.
Mit seinen etwa 60 Metern Höhe zählt Manfred Hensels Windrad am Sarower Ortsrand zu den eher kleinen Modellen. Denny Kleindienst
Allein auf weiter Flur und schon über 20 Jahre alt: Das Windrad am Ortsrand von Sarow.
Allein auf weiter Flur und schon über 20 Jahre alt: Das Windrad am Ortsrand von Sarow. Denny Kleindienst
Technik auf der Wiese: Neben dem Windrad lagern noch ein Maschinenhaus und ein Satz Flügel. Es sind Ersatzteile.
Technik auf der Wiese: Neben dem Windrad lagern noch ein Maschinenhaus und ein Satz Flügel. Es sind Ersatzteile. Denny Kleindienst
Sarow.

Allein auf weiter Flur steht das Windrad am Ortsrand von Sarow. Aufgebaut wurde die Anlage vor gut 20 Jahren. Dass es sie überhaupt gibt, liegt an einer einzelnen Person. Und dass Manfred Hensel zum Windrad-Betreiber wurde, ist eine ebenso unwahrscheinliche wie bemerkenswerte Geschichte.

Der 67-jährige Sarower erzählt, er habe 1995 mit der Planung für das Windrad begonnen. Unterstützung erhielt er vom Hersteller der Windkraftanlage. Mit Windenergie hatte er bis dahin eigentlich nichts am Hut. „Ich habe einen Fachschulabschluss Tierproduktion und auch eine Ingenieurqualifikation.“ Seit Anfang der 90er-Jahre führte Hensel zudem einen kleinen Getränkeladen in seinem Haus im Nebenerwerb. Doch einen Job hatte er 1995 nicht. „Ich war arbeitslos.“

Ein Jahr zuvor war er überhaupt erst auf das Thema gestoßen. Sein Lehrer beim Weiterbildungsprogramm für Arbeitslose hatte ihm eine Broschüre über Windkraft gegeben. Dort stand, „dass sich so was selbst refinanziert“, erinnert sich Hensel. Er war bereit, es als Quereinsteiger in der Branche zu versuchen.

„Ich sollte erst mal kleine Brötchen backen“

Hensel nahm Kontakt auf zur Nordex Energy GmbH, die seinen Enthusiasmus bremste. Hensel wollte zehn Anlagen und mehr bauen. „Da meinten sie, ich sollte erst einmal kleine Brötchen backen, da ich arbeitslos bin und so viele nie von der Bank finanziert kriege.“

So konzentrierte er sich auf den Bau eines Windrades. Er setzte sich mit dem Netzbetreiber in Verbindung, sprach mit Banken. „Ich habe auch viele Ablehnungen bekommen.“ Bei einem Treffen mit Mitarbeitern der Umweltbank in Nürnberg hatte er sich dann so gut geschlagen, dass die Bank ihn unterstützen wollte. Vorausgesetzt, dass es auch Fördermittel gibt. Dem Landesförderinstitut schrieb Hensel, „ich lege mein Schicksal in eure Hände“. Er fügte hinzu, dass sie ihm entweder noch zehn Jahre Arbeitslosengeld zahlen, oder ihn fördern und dann los sind.

Die Fördermittel in Höhe von rund 190.000 DM wurden bewilligt. Eine Eigenkapitalhilfe von 500.000 DM wurde ihm als Existenzgründer von einer Kreditanstalt zuerkannt. Dadurch kam dann auch die Zusage von der Bank für den Arbeitslosenhilfe-Empfänger aus Sarow. Zu seiner eigenen Überraschung hatte Manfred Hensel seinen Windradbau finanziert bekommen. Auch die Gemeinde Sarow stimmte dem Windradbau zu. Am 3. Dezember 1997 ging die Anlage in Betrieb. Sie ist 60 Meter hoch, steht 2500 Meter entfernt von der Ortschaft und 1800 Meter vom letzten Gehöft in Sarow.

Er kann gut davon leben

Es ist nicht leicht gewesen, bis dahin zu kommen, betont Hensel und bemüht ein Sprichwort: „Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn. Vielleicht bin ich dieses blinde Huhn gewesen.“ Er hatte in den Folgejahren noch ein paar Mal Ärger mit seiner Anlage. Anfang der 2000er-Jahre brannte das Maschinenhaus ab. 2012 wurde ein neues gebrauchtes Maschinenhaus aufgesetzt und ein neuer Flügelsatz angebaut. Im vergangenen Jahr wurde das Maschinenhaus erneut generalüberholt.

Doch sein Plan ist aufgegangen. „Ich bin schuldenfrei und das früher als geplant geworden“, sagt Hensel. Er sei kein Millionär. Und als Existenzgründer habe er von der Anlage leben müssen. Er sagt aber: „Ich kann davon leben.“ Er zahlt auch Gewerbesteuer an die Gemeinde. Mittlerweile hat Hensel noch weitere Standbeine und ist beteiligt an einem Windpark in Richtung Altentreptow hinter Pripsleben und dem Feld in Barkow. Es sieht derweil so aus, dass die Anlage in Sarow in ihrer jetzigen Größe nicht mehr lange rentabel ist. Ab 2021 fällt laut Hensel die im Erneuerbaren-Energie-Gesetz geregelte Extravergütung weg. „Dann ist die Wirtschaftlichkeit infrage gestellt.“

Anerkennung aus der Lokalpolitik

Dem Sarower ging es Mitte der 90er aber weniger um den Ausbau der erneuerbaren Energien. Das Windrad war für ihn „Mittel zum Zweck“. Er sagt: „Mir ging es darum, zu zeigen, dass ich etwas auf die Beine stellen kann.“

Die Anerkennung dafür bekommt er auch. „Keiner hat geglaubt, dass das funktioniert“, sagt Sarows Bürgermeister Thies Holtmeier, der Mitte der 90er noch Gemeindevertreter war. Dass es Manfred Hensel gelang, ohne eigene finanzielle Mittel das Windrad zu bauen, sei „beachtenswert“. Der Meinung ist auch die damalige Bürgermeisterin Ingelore Kurth. Die Frage, ob jemand, der arbeitslos ist, dieses Projekt stemmen kann, habe damals klar im Vordergrund gestanden. Über Vor- und Nachteile der Windkraft ist laut Ingelore Kurth seinerzeit nicht diskutiert worden. Kritische Bürgerinitiativen, wie es sie heute gibt, gab es damals nicht. In Sachen Windenergie waren die 90er „eine Zeit des Aufbruchs“, sagt die Alt-Bürgermeisterin. Sowohl Kurth als auch Holt-meier sind überzeugt, dass das Sarower Windrad von den Einwohnern akzeptiert wird.Hensel sagt: „Gegen das Windrad gibt es keine ablehnende Haltung.“

 

 

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