TROCKENHEIT

Auch Störche haben Regen sehr nötig

Wenn nicht auch die neue Storchen-Saison wieder ernüchternd verlaufen soll, dann braucht es bald einigen Regen. Denn offenbar sind kaum mehr Horste besetzt als im Vorjahr. Und dort dürften in den nächsten Tagen die ersten Küken schlüpfen – mit viel Hunger.
Auch die Loitzer Störche schwebten bereits Ende März wieder ein. Und legten sofort mit der Familienplanung los.
Auch die Loitzer Störche schwebten bereits Ende März wieder ein. Und legten sofort mit der Familienplanung los. Kristin Vogel
Für die erfolgreiche Aufzucht ihres Nachwuchses braucht es allerdings deutlich mehr Feuchtigkeit, sprich Regen.
Für die erfolgreiche Aufzucht ihres Nachwuchses braucht es allerdings deutlich mehr Feuchtigkeit, sprich Regen. Kristin Vogel
Tutow.

Dass ein früher und guter Startschuss in die neue Storchensaison noch lange keine Erfolgsgarantie für eine Stabilisierung oder gar Steigerung der Population ist, weiß Friedhelm Ziemann inzwischen zur Genüge. Der Tutower agiert seit mehr als drei Jahrzehnten als offizieller ehrenamtlicher Regionalbeauftragter für die Adebare im Bereich des Altkreises Demmin. Und muss seither einen steten Abwärtstrend bei seinen Schützlingen registrieren, zuletzt beschleunigt durch mehrere sogenannte Störungsjahre in kurzer Zeit. Sprich die so majestätisch gleitenden großen Vögel machen sich rar am Himmel von Vorpommern, für das sie eigentlich als Aushängeschild gelten.

Tiefpunkt bei der Anzahl der Brutpaare

Dass die Population der Störche bedingt durch Wetter- und Futterbedingungen Sprünge verzeichnet, stellt zwar eine Normalität dar, aber seit nun schon mehr als einem Jahrzehnt fehlen echte Zwischenhochs beim Bruterfolg. 2008 lag die Zahl der Jungen im Altkreis-Territorium das bisher letzte Mal im dreistelligen Bereich (110), in der Katastrophensaison 2016 waren es nur noch 44, und auch die Zahl 59 von 2019 steht für ein sogenanntes Störungsjahr. Die Zahl von nur noch 32 Brutpaaren stellte gar das schlechteste Ergebnis seit der kontinuierlichen Erfassung dar, die 1978 begann. Denn immer weniger der durchaus zahlreichen Horste und Nistgelegenheiten am Peene- und Tollensetal werden noch dauerhaft in Beschlag genommen.

„Ich weiß zwar noch nicht von allen Standorten, wie es da dieses Jahr aussieht, aber es werden wohl auf alle Fälle nicht viel mehr sein“, zieht der Tutower Experte nach eigenen Erkundungsfahrten und den Telefonaten mit seinen Horstbetreuern eine erste Bilanz. Bis jetzt wisse er von ungefähr 30 Nestern, wo ein oder zwei Störche aufgekreuzt seien. Und nur letzteres macht eben Hoffnung auf Nachwuchs. Wobei die ersten Paare mit Ende März wieder relativ früh aus ihren Winterquartieren eintrudelten und mit der Familienplanung loslegten. Wie etwa in Alt Tellin, Groß Zetelvitz, Loitz und dem Demminer Eichholz.

Es gibt gute und schlechte Nachrichten

Von den bisher in der Region beobachteten beringten Artgenossen sei indes bisher nur der aus Faulenrost zurückgemeldet worden, dafür gebe es anscheinend in einigen Dörfern neue „Mieter“, weiß Ziemann. Besonders freut ihn, dass sich in Rustow wieder ein Pärchen angesiedelt hat, in Jagetzow hat die Storchentradition ebenfalls eine Fortsetzung gefunden. Anders sehe es bisher in Beggerow aus, wo zwar Ende März ein einzelner Vogel landete, inzwischen aber verschwunden sei. Dabei stellte dieser Punkt bisher eine ganz sichere Bank in seiner Landkarte dar. Ähnlich ernüchternd schaut es in der Nachbargemeinde des Mannes aus, in Bentzin. Die beherbergte früher immer mindestens fünf Adebar-Familien, 2020 scheint erneut nur der Ortsteil Zemmin mit den rotbeinigen Froschfängern besiedelt.

Wo sich jetzt noch keine Störche niedergelassen beziehungsweise nicht mit dem Brutgeschäft begonnen haben, gehen die Aussichten auf eine erfolgreiche Aufzucht ohnehin gegen Null. „Ende April ist eigentlich Stichtag.“ Dass die Tiere dabei mit dem nun bereits dritten sehr trockenen Frühjahr in Folge konfrontiert werden, stellt erst mal kein Problem dar, erklärt der Fachmann. Denn die Altvögel fänden trotzdem ausreichend Nahrung. Kritisch wird es aber, wenn der Nachwuchs zu versorgen ist, der in der Anfangszeit nur Kleingetier wie Regenwürmer und Insekten herunter bekommt. Die gibt es in greifbarer Menge aber nur bei ausreichend Feuchtigkeit.

Nahrungsangebot ist entscheidend

Und so sagt Friedhelm Ziemann das gleiche wie die Landwirte: „Im Mai muss Regen kommen.“ Schließlich könnten bei in der Regel 30 bis 32 Tagen Brutzeit schon in dieser Woche die ersten Küken schlüpfen. Wie Nachforschungen ergeben hätten, würden die Adebare nach wie vor meist drei bis vier Eier legen, manchmal fünf, erzählt er. „Es sind also genug. Das Nahrungsangebot entscheidet, wie viele dann durchkommen.“ Noch hofft der Tutower, dass es in der Demminer Altkreis-Region 2020 endlich mal wieder mehr als die für den Populationserhalt nötigen durchschnittlich zwei Exemplare pro Paar werden. Eine Nachricht, die er 2012 zum bisher letzten Mal vermelden konnte.

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