VERFALLENES TECHNIK-DENKMAL

Ausbau der Wassermühle Roidin soll 2020 weitergehen

Wo schon vor fast 300 Jahren Korn gemahlen wurde, könnte bei Demmin nun eine Begegnungsstätte mit Herberge und Museum entstehen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.
2018 wurde bereits ein Teil des Fachwerks an der Nordostseite der Mühle in Roidin saniert. In diesem Jahr soll das marode
2018 wurde bereits ein Teil des Fachwerks an der Nordostseite der Mühle in Roidin saniert. In diesem Jahr soll das marode Dach erneuert werden. Matthias Kerber
In den 1930er-Jahren wurde die Wassermühle umgebaut und erhielt eine Francis-Schachtturbine mit horizontaler Lagerung, di
In den 1930er-Jahren wurde die Wassermühle umgebaut und erhielt eine Francis-Schachtturbine mit horizontaler Lagerung, die etwa 7 Kilowatt leistete. Durch die Öffnung konnte die Kraft in die Mühle übertragen werden. Kai Horstmann
Roidin ·

Sie ist eine echte Rarität und zählt zu den wenigen noch erhaltenen technischen Denkmälern der Region Demmin. Und wenn es nach Christian Bauer geht, soll sie es auch bleiben – die historische Wassermühle in Roidin. Behörden und die Gemeinde Utzedel hatten das kulturgeschichtlich wertvolle Anwesen längst abgeschrieben. Nicht so der Pastor aus Hohenmocker, der das Grundstück mitsamt Mühle nach dem Tod der letzten Besitzerin von der Erbengemeinschaft kaufte.

Das ist mittlerweile vier Jahre her. Seitdem investiert er jede freie Minute in das Großprojekt. „Wenn die Ausschreibung erfolgreich verläuft, können die 2018 begonnenen Sanierungsarbeiten in diesem Jahr fortgesetzt werden. Das undichte Dach und der Dachstuhl sind längst überfällig. Auch am Fachwerk gibt es noch einiges zu tun“, betont Christian Bauer mit Blick auf die bevorstehenden Baumaßnahmen. Die bislang bereitgestellten Fördermittel in Höhe von 235.000 Euro sollen komplett in diese Außenarbeiten fließen.

Kleine Herberge geplant

Doch auch im Innern gibt es auf rund 230 Quadratmetern Fläche viel zu tun. So soll im ehemaligen Wohnbereich eine kleine Herberge für bis zu zehn Personen entstehen. Gerade Wander- und Jugendgruppen könnten dort künftig für kleines Geld oder eventuell sogar kostenlos übernachten und dafür im Gegenzug bei der weiteren Instandsetzung des Gebäudes mithelfen, beschreibt der Pastor seine Pläne. „Schon jetzt gibt es erste Interessenten. Die Nachfrage ist also da“, freut sich Christian Bauer. Im anderen Teil der Mühle, der bis Ende der 1950er Jahre für die Produktion genutzt wurde, soll eine Art Museum entstehen.

„Ein Bautechniker hat dafür den letzten Betriebszustand der Mühle komplett rekonstruiert. Das war nicht gerade leicht, weil die alten Planungsunterlagen alle verschollen sind“, erzählt der Pastor. Auch die Francis-Turbine mit sieben Kilowatt Leistung, die das Wasserrad in den 1930er Jahren als Antriebsquelle ersetzte, ist auf der jüngst entstandenen Bauzeichnung abgebildet. Hintergrund für diese Modernisierung war die Insolvenz und anschließende Privatisierung des Roidiner Gutes, das zuvor der Familie Maltzahn gehörte. Das Adelsgeschlecht hatte das Anwesen über mehrere Generationen hinweg verpachtet.

Anwesen früher erwähnt als bislang bekannt

Bis auf die automatische Steuerungs- und Regelmechanik ist die alte Technik mit Walzenstuhl und Schütten noch vollständig erhalten. „Mir schwebt vor, die Turbine wieder in Betrieb zu nehmen, um zu zeigen, wie der Müller damals das Mehl hergestellt hat. Es ist gerade für Schulklassen spannend zu sehen, welche Kräfte da am Werk sind“, schwärmt der Pastor aus Hohenmocker. Doch die Sache hat einen nicht zu unterschätzenden Haken. Während sich die fehlenden Bauteile relativ leicht und günstig auftreiben lassen, kostet die Restaurierung des Mühlenwerks richtig viel Geld. „Deswegen muss man abwarten, ob es eventuell noch Gelder aus anderen Fördertöpfen gibt“, so Christian Bauer.

Eine besondere Überraschung erlebte der Mühlenretter, als er wenige Tage nach Weihnachten die Ergebnisse der bauhistorischen Erfassung des Gebäudes in den Händen hielt. Denn wie sich nun herausstellte, wurde der Standort der Mühle nicht 1698 auf einer schwedischen Landvermessungskarte, sondern bereits 90 Jahre früher in der Pfarrmatrikel des Sanzkower Pastors erstmalig erwähnt. „Außerdem wissen wir dank einer dendrochronologischen Untersuchung, dass das Fachwerk aus dem Jahr 1735 stammt und die Mühle nicht wie bislang angenommen 1805 gebaut wurde. Sie ist also deutlich älter“, freut sich der Pastor.

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Kommentare (1)

verkommen und verrotten lassen. Oden man kann es für die kommende Generationen vor dem Verfall bewahren. Welches von beiden ist wohl besser?