Die Preise für Dünger kennen aktuell nur eine Richtung: nach oben. Zudem ist die Verfügbarkeit schlecht. Schlim
Die Preise für Dünger kennen aktuell nur eine Richtung: nach oben. Zudem ist die Verfügbarkeit schlecht. Schlimmstenfalls sind damit Ernteausfälle programmiert. Jens Büttner
Knapp und teuer

Bauern kämpfen mit der Düngemittelversorgung

Für Landwirte ist das Jahr 2022 bisher vor allem eins: teuer. Neben den hohen Spritkosten sind auch die Preise für Dünger explodiert – so denn überhaupt welcher zu bekommen ist.
Demmin

Das erste Quartal 2022 hat den Landwirten im Altkreis Demmin bereits gehörig die Laune verhagelt. Mit den explodierten Spritpreisen, die sich jetzt im arbeitsreichen Frühjahr besonders bemerkbar machen, ist die Fahrt auf den Acker ein teures Unterfangen geworden. Doch selbst wenn die Tanks der Landmaschinen gefüllt sind, sieht es für die Arbeiten auf dem Feld momentan nicht sonderlich rosig aus. Denn während derzeit eigentlich die Pflanzen gedüngt werden müssen, ist ausgerechnet der Dünger knapp und teuer.

Düngerpreise schon vor Ukraine-Krieg stark gestiegen

„Der Preis von Stickstoffdünger ist innerhalb eines Jahres um das Fünffache gestiegen“, so die Geschäftsführerin des Altentreptower Bauernverbands Barbara Brands. Eine Preisspirale, die mit den anziehenden Energiekosten 2021 ihren Anfang nahm, denn die Produktion ist eng mit den Erdgaspreisen verbunden. Schon im Herbst des vergangenen Jahres habe der deutschlandweit durchschnittliche Preis beispielsweise für eine Tonne Harnstoff rund 400 Euro betragen – und damit deutlich mehr als üblich.

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Der Krieg in der Ukraine hat dieser Entwicklung dann weiter Vorschub geleistet. „Inzwischen sind die Preise noch einmal 40 Prozent teurer als vor dem Krieg“, sagt die Geschäftsführerin des Demminer Bauernverbands Marion Wendt. Mittlerweile liegt Harnstoff bei durchschnittlich 1100 Euro pro Tonne.

Für die Landwirte eine Mehrbelastung, die in Kombination mit den allgemein höheren Kosten kaum zu stemmen ist. „Die betriebswirtschaftlichen Entscheidungen müssen jeden Tag neu getroffen werden“, so Wendt. Zumindest einen kleinen Lichtblick gibt es allerdings. „Wir haben derzeit gute Erzeugerpreise, die einen Teil abfedern“, sagt sie.

Weizen droht nur als Futtermittel zu taugen

Tatsächlich sind es aber nicht nur die finanziellen Faktoren, die das Dünger-Problem verschärfen. Auch die Verfügbarkeit ist laut Barbara Brands seit Monaten schlecht. „Die Landwirte, die noch nicht bestellt haben, bekommen große Probleme“, sagt sie. Der Grund: Die Produktion wurde bereits im vergangenen Jahr wegen der Energiepreise drastisch zurückgefahren. Teilweise sogar ganz eingestellt. Zudem sind Düngerimporte aus Russland – die nach Aussagen von Brands rund 14  Prozent weltweit ausmachen – aufgrund des Ukraine-Kriegs kompliziert.

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Wirkliche Alternativen für den Stickstoffdünger gebe es darüber hinaus nicht. Theoretisch wäre zwar auch ein Einsatz von organischem Dünger, wie Gülle oder Mist, möglich. Doch auch dieser ist nur begrenzt verfügbar. Und in den meisten Fällen ohnehin schon einkalkuliert.

Welchen Einfluss die aktuelle Situation auf die diesjährigen Ernteergebnisse haben wird, lasse sich nur schwer vorhersagen. Allerdings könnte es vor allem bei Weizen, der drei- bis viermal gedüngt werden muss, dramatisch werden. „Das Ende vom Lied ist, dass Ertrag und Qualität sinken“, so Brands. Heißt, statt Brotweizen würde das Getreide nur als Futterweizen taugen. Und sollten die bestehenden Versorgungsprobleme über den Frühling hinaus andauern, ist laut Marion Wendt bereits klar, dass die Auswirkungen dann auch noch bei der Ernte im kommenden Jahr spürbar sein werden.

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