Noch vor zwei Jahren machte die Feuerwehr bei der Absicherung des Jarmener Martinsumzuges mit. Doch das soll sie nun nicht meh
Noch vor zwei Jahren machte die Feuerwehr bei der Absicherung des Jarmener Martinsumzuges mit. Doch das soll sie nun nicht mehr. Stefan Hoeft
Ärger um Absicherung

Bei Kosten für Martins-Umzug gibt es kein Teilen

Veranstalter öffentlicher Umzüge können nicht mehr auf Polizei, Feuerwehr und Kommunen setzen – außer sie zahlen. So stand in Jarmen die Kirchgemeinde jetzt ziemlich allein da.
Jarmen

Seit Jahrzehnten gehören Umzüge wie zum Martinsfest zu einer vorpommerschen Tradition, auch bei den Kirchengemeinden in Jarmen und Loitz. Doch während früher die örtlichen Polizeikräfte und Feuerwehren wie selbstverständlich das Gros der Absicherung übernahmen, sollen sie das heute offiziell nicht mehr. Ein Problem für die Veranstalter, das auch in der Bevölkerung für Befremden sorgt, zuletzt wegen der Corona-Absagen solcher Feierlichkeiten aber mehr als ein Jahr aus den Diskussionen verschwunden war.

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Rathäuser und Amtsverwaltungen in Vorpommern-Greifswald bekamen schon 2018 Schreiben aus der Polizeiinspektion Anklam, dass sie bei Veranstaltungen wie Dorf-, Stadt- und Martinsfesten, Lampion- und Fackelumzügen nicht mehr auf die Begleitung und Absicherung von dort setzen können. Stattdessen wurde den Gemeinden beziehungsweise Veranstaltern die alleinige Verantwortung zugesprochen. Die müssten bei Straßensperrungen eine verkehrsrechtliche Anordnung erwirken und umsetzen, hieß es, immer mit Fingerzeig auf die Sicherheit der Teilnehmer.

Im Schadensfall könnte es rechtlich knifflig werden

Jarmen etwa schrumpfte daraufhin 2019 den jährlichen Umzug am Vorabend des 1.  Mai notgedrungen auf ein Drittel des üblichen Pensums. Die nötigen Straßen-Absperrungen und den Geleitschutz übernahm damals die Feuerwehr, genauso wie beim 750-Jahre-Festumzug gut zwei Monate später. Doch weil die Mini-Route nicht besonders gut ankam, entschied sich die dortige Kirchengemeinde im Herbst zum Martinsumzug wieder für den althergebrachten großen Bogen durch den Ort. Sollte die Teilnehmer aber auf die alleinige Nutzung der Bürgersteige verweisen, sprich die Straße war passé. Während die Löschtruppe mit ihrem Blaulicht-Wagen die Zufahrten unterwegs so lange blockierte, dass niemand gefährdet wurde.

Inzwischen ist allerdings auch letzteres nicht mehr möglich, wie Jarmens Pastor Arnold Pett zum jüngsten Neustart in die Martinsfest-Tradition erfahren musste. Weil solche Hilfsdienste keine offizielle Aufgabe für die Brandbekämpfer darstellen und es im Schadensfall rechtlich knifflig werden könnte, werde von so etwas dringend abgeraten, erläuterte Ordnungsamtsleiter Rainer Hardt auf Nordkurier-Nachfrage. „Da gibt es viele Schreiben zu.“ Als maßgeblich nannte er Land und Unfallkasse.

Stadt fehlt Material und Personal für Umzugs-Absperrung

Zwar hatte die Kirchengemeinde im Vorfeld die besagte verkehrsrechtliche Anordnung beim Landkreis beantragt und durch Fachleute einen teuren Absperrplan für die Route anfertigen lassen. Um nicht zuletzt angesichts der Corona-Pandemie die Breite der Straßen nutzen zu können. Doch am Ende sah sie sich gezwungen, alles wieder zurückzuziehen, weil auch anderweitig keine Hilfe von der Kommune bei der Umsetzung zu erwarten war, wie etwa durch deren Bauhof. „Wir hätten ein professionelles Unternehmen mit den Absperrungen beauftragen müssen“, berichtete Pett. „Die Kosten dafür liegen im vierstelligen Bereich. Das können wir uns nicht leisten.“ Es sei zwar auf Antrag eine offizielle Beteiligung der Polizei möglich, weiß er. Allerdings kostenpflichtig und niemals garantiert, weil abhängig von der Einsatzlage.

Bürgermeister André Werner verteidigte im Gespräch mit dem Nordkurier die Haltung der Kommune. Die habe zum einen gar nicht genügend Material, um so viele Absperrungen wie nötig aufstellen zu können. Zum anderen dürften aus rechtlichen Gründen dabei nur Leute involviert sein, die vorher eine Schulung erhalten haben – was natürlich auch nicht zum Nulltarif zu haben ist. „Das alles wäre ein immenser Aufwand. Das ist für uns nicht vertretbar – für nur ein oder zwei Veranstaltungen im Jahr“, so der Verwaltungsleiter. Am Ende müsste auch die Stadt für die Umsetzung so einer verkehrsrechtlichen Anordnung professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, ergänzte sein Ordnungsamtschef. Und das dann mit Blick auf das Haushaltsrecht jeweils dem Veranstalter in Rechnung stellen. Die Kirche wäre also so oder so mit dem Bezahlen dran.

Im benachbarten Loitz hingegen lief der Umzug 2021 wie üblich über die Ortsdurchfahrt und mit breiter Unterstützung, wie Pastor Bernd-Ulrich Gienke sichtlich froh berichtete: „Feuerwehr, Polizei und die Kommune – alle haben uns unterstützt.“

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