TRADITIONSSTANDORT VOR SCHLIEßUNG

Bekommt Jarmen bald eine neue Mühle?

Die Ideen für den Neubau einer Industriemühle in Jarmen nehmen immer mehr Gestalt an. Vorangetrieben durch zwei Müller des vor der Schließung stehenden historischen Betriebs an der Peene.
Daumen hoch für Mehl aus Jarmen: Maik Logall (links) und Stefan Grabow wollen der Müllerei in der Peenestadt eine Zu
Daumen hoch für Mehl aus Jarmen: Maik Logall (links) und Stefan Grabow wollen der Müllerei in der Peenestadt eine Zukunft geben. Doch weil es mit der Übernahme des historischen Produktionsstandortes an der Peene nichts wird, bemühen sie sich nun um einen Neubau. Stefan Hoeft
Die Stadt favorisiert für den möglichen Mühlen-Neubau das Areal am Ende der Anklamer Straße zwischen Herm
Die Stadt favorisiert für den möglichen Mühlen-Neubau das Areal am Ende der Anklamer Straße zwischen Hermes-Zentrum und Autobahn. Schließlich führt dort bereits eine Straße sozusagen bis vor die Hoftür. Stefan Hoeft
Jarmen.

Gehen die jüngsten Hoffnungen der Bürgerinitiative „Rettet die Jarmener Mühle“ und ihrer Mitstreiter auf, dann wird die Historie der Peenestadt als Mehl-Lieferant nur für ein knappes Jahr unterbrochen. Denn der Eigner-Konzern GoodMills will zwar Ende September den seit 1907 an der Peene befindlichen Betriebsstandort dichtmachen, um die Produktion in Hamburg und Berlin zu konzentrieren – obwohl es sich um die einzige in Mecklenburg-Vorpommern verbliebene Industriemühle handelt und das Gros der Rohstoffe aus einem Umkreis von circa 30 Kilometern stammt. Doch zwei seiner hiesigen Angestellten wollen das Müllerei-Handwerk in dieser Vielfalt auch weiterhin vor Ort am Leben erhalten, indem sie selbst die Verantwortung dafür übernehmen.

Maik Logall aus Bentzin und Stefan Grabow aus Gützkow sehen nämlich durchaus die Möglichkeit zu einer rentablen Getreideverarbeitung mit eigener Vermarktung in dieser Region. Das wäre dank der vorhandenen modernen Technik und guten Geschäftsbeziehungen mit den aktuellen Abnehmern nach ihrer Auffassung selbst im historischen Gebäude möglich gewesen, mit entsprechenden Konzepten waren sie bei ihrem Noch-Arbeitgeber vorstellig. Doch von dem fühlten sie sich hingehalten, und letztlich machte der Konzern allen Einwänden zum Trotz klar, dass er jede Weiternutzung der Immobilie in der aktuellen Form ablehnt. Deshalb will das Duo nun den Bau einer völlig neuen Mehl-Fabrik in Angriff nehmen.

Schon viele Partner für neue Mühle gefunden

Neben der Landesregierung und dem Landtag hat auch die Kommune ihre Unterstützung für dieses Vorhaben in Aussicht gestellt. Schwerin will mit behördlicher Hilfe und seinen Kontakten unter die Arme greifen, ist zudem vor allem mit Fördermitteln und eventuellen Bürgschaften gefragt. Jarmen derweil will mit einem raschen und günstigen Grundstücksverkauf im Gewerbegebiet an der Autobahn  20 assistieren, also in bester logistischer Lage. Im Gespräch ist dafür eine Fläche am Ende der Anklamer Straße östlich des Hermes-Zustellzentrums.

„Wir haben schon viele Partner gefunden, vom Projektanten bis zum möglichen Investor“, berichtete Stefan Grabow bei einer ersten Vorstellung der Ideen. „Jetzt sind wir an dem Punkt angekommen, wo es um Fakten geht. Und um Geld, um sehr viel Geld. Die Finanzierung ist nun mal das A und  O.“ Sprich, auch die Politik müsse Farbe bekennen, sozusagen mit vollem Einsatz ins Boot steigen. Wobei er und sein potenzieller Kompagnon erfreut feststellten, dass das Ausgaben-Volumen wohl erheblich unterhalb der anfangs kolportierten 20 Millionen Euro liegen würde. Jetzt ist von einem knapp zweistelligen Millionen-Betrag die Rede.

Mehl aus Jarmen darf nicht zu lange vom Markt sein

Möglich mache dies eine gut erprobte Sandwich-Bauweise aus Stahlbetonbauten und Stahlkonstruktionen, die überdies eine schnelle Fertigstellung garantiere. Bis auf spezielle Teile und Technik soll dabei mit regionalen Firmen zusammengearbeitet werden, so die Ankündigung. Immerhin wollen die zwei bereits im Spätsommer 2021 die Produktion anlaufen lassen, also genau zur neuen Getreideernte. Technisch sei das durchaus zu lösen.

„Der Zeitplan ist ambitioniert“, räumte Grabow ein. „Aber wir können nicht allzu lange vom Markt sein.“ Zum einen, weil Verträge in der Regel von Ernte zu Ernte geschlossen würden und weil es angesichts der vielen Kosten ja darum gehe, so schnell wie möglich Geld zu verdienen. Zum anderen gelte es, den Namen „Mehl aus Jarmen“ und die damit verbundenen Qualitätsnormen hochzuhalten. Wissen doch alle, dass es ein buchstäblich hartes Brot sein kann, die Bäcker zurückzubekommen, wenn sie erst mal von woanders beliefert werden.

Klasse statt Masse für individuelle Backwaren

Das wollen Jarmener Müller mit einem möglichst umfangreichen Sortiment und detaillierten Absprachen mit den kleinen Handwerkskunden und größeren Verarbeitungsbetrieben erreichen. „Mit Masse können wir nicht punkten zwischen den großen Konzernen“, weiß Maik Logall. Stattdessen geht er erst mal nur von einem Produktionsvolumen von etwas weniger als der Hälfte des heutigen Standes aus. Er will dabei aber neben der normalen Roggen- und Weizenmehl-Sparte insbesondere auf Dinkelmehl, alte Getreidesorten, Schrote und zahlreiche Spezialprodukte setzen. Das wären viele Dinge, die Berlin und Hamburg nicht produzieren, die aber für die Individualität bei der Backwaren-Herstellung unerlässlich scheinen.

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