WENN LANDWIRTE FORSCHEN

Bio-Bauern sind Pioniere des Sonnenblumen-Anbaus in MV

Beim Erzeugerzusammenschluss Fürstenhof wird fleißig geforscht. Die gelb blühenden Pflanzen werden für Landwirte immer interessanter. Sie dienen vor allem als Tierfutter.
Die Hühner der Erzeugergemeinschaft Fürstenhof werden mit Sonnenblumenkuchen gefüttert. Das Unternehmen will un
Die Hühner der Erzeugergemeinschaft Fürstenhof werden mit Sonnenblumenkuchen gefüttert. Das Unternehmen will unabhängig von Lieferungen aus dem Ausland werden. Fürstenhof
Aus den Kernen wird sogenannter Sonnenblumenkuchen gepresst. Die Masse kommt als Tierfutter zum Einsatz. Foto: Fürstenhof
Aus den Kernen wird sogenannter Sonnenblumenkuchen gepresst. Die Masse kommt als Tierfutter zum Einsatz. Foto: Fürstenhof Fürstenhof
1500 Tonnen Sonnenblumenkerne haben Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr gesät.
1500 Tonnen Sonnenblumenkerne haben Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr gesät. Fürstenhof
Seenplatte.

Mecklenburg-Vorpommern wird immer gelber. Für ihre Rapsfelder sind die Mecklenburgische Seenplatte, der Landkreis Vorpommern-Greifswald und das Rostocker Umland bekannt. Nun setzt der biologische Erzeugerzusammenschluss Fürstenhof mit Sitz bei Altkalen noch einen drauf und baut in großem Stil Sonnenblumen an. „Wir in Mecklenburg-Vorpommern sind die Pioniere. Vor zwei bis drei Jahren sind auch die Nachbarn auf den Zug aufgesprungen“, sagt Gesamtbetriebsleiter Dr. Christian Littmann.

In diesem Jahr haben die Fürstenhof-Bauern, die einen Großteil ihrer Bio-Produkte unter der Marke Haehnlein vertreiben, erneut mehr als 700 Hektar Sonnenblumenfelder bestellt und 1500 Tonnen Sonnenblumenkerne gesät. Sie werden zu Tierfutter verarbeitet, denn 60 Prozent der Einzelfuttermittel stammen aus eigenem Anbau. Aus den Pflanzen wird eine Art Sonnenblumenkuchen hergestellt, der fester Bestandteil des Mischfutters ist. „Davon profitiert das Unternehmen nicht nur in Zeiten von Corona. Wir wollen die Eigenversorgung sicherstellen, autark und nachhaltig wirtschaften“, sagt Geschäftsführerin Annalina Behrens. In ihrem Betrieb werde intensiv geforscht, auch, um gegen den Klimawandel nicht zu verlieren.

„Unser Tierfutter enthält durchschnittlich fast zehn Prozent Sonnenblumenkuchen – geerntet aus eigenem Anbau. Somit sind wir nicht von anderen Produzenten oder ausländischen Zulieferern abhängig. Natürlich ist dies auch in der aktuellen Corona-Krise von Vorteil.“ Während andere Betriebe aufgrund des derzeit verringerten Angebots mit Lieferengpässen zu kämpfen haben, könne der Fürstenhof seiner unternehmensinternen Futterproduktion weiterhin problemlos gerecht werden.

Weniger Sojakuchen im Hühnerfutter

Sonnenblumen blühen im Hochsommer. Ende September werden sie geerntet und ihre Kerne gepresst. Bei diesem Verfahren entsteht aus der Frucht der Sonnenblumenkerne der sogenannte Sonnenblumenkuchen. Dieser diene als besonders proteinhaltige Komponente des Tierfutters, das im eigenen Mischfutterwerk der Erzeugergemeinschaft zusammengestellt und anschließend an die Hennen und Hähne verfüttert werde. Als weiteres Produkt entstehen pro Tonne Sonnenblumenkerne rund 350 Liter Sonnenblumenöl. Dieses plant der Fürstenhof zusätzlich in Speisequalität – zu 100 Prozent regional aus Mecklenburg-Vorpommern – auf den Markt zu bringen.

Neben Sonnenblumen bauen die Mitarbeiter des Firmenzusammenschlusses auch die Einzelfuttermittelkomponenten Ackerbohnen, Lupine, Erbsen und Körnermais selbst an. Trotz steigender Tierbestände setze das Unternehmen weiterhin auf regionalen Anbau. Die einzelnen Futterkomponenten wachsen meist in unmittelbarer Nähe zu den Farmen in einem Umkreis von nur 30 Kilometern. „Diese Nähe bietet insbesondere Vorteile, da derzeit nicht nur das Angebot von Sonnenblumenkuchen für viele Unternehmen knapp ist, sondern auch die Lieferung von Sojakuchen aus dem Ausland vielfach ins Stocken gerät. Vor allem Bio-Soja aus Drittländern ist betroffen“, berichtet Annalina Behrens.

Üblicherweise bestehe Hühnerfutter zu rund 15 Prozent aus Sojakuchen. Beim Fürstenhof liegt dieser Anteil heute nur noch zwischen sieben und acht Prozent, da der Sojakuchen durch insgesamt 1600 Tonnen selbst angebaute Lupinen, Erbsen und Ackerbohnen ersetzt wird. Dieses Vorgehen sei nicht nur in der aktuellen Krise, sondern ganzjährig von Vorteil. Denn Lupine, Erbse und Ackerbohnen sammeln Stickstoff über natürliche Bakterien aus der Luft und geben ihn auf natürliche Weise als Nährstoffe über die Pflanzenreste an den Boden ab. Dadurch bleibe dieser länger fruchtbar.

Eigener Anbau von Bio-Soja geplant

Sojakuchen sei als Basismaterial eine unverzichtbare Komponente für eine optimale Ausgewogenheit der einzelnen Sojaquellen im Futter. „Nur mit Lupinen, Erbsen und Ackerbohnen lässt sich keine sehr gute Qualität des Geflügelfutters erreichen. Aus diesem Grund plant der Fürstenhof seit einigen Jahren den nächsten Schritt in Richtung Unabhängigkeit: den eigenen Anbau von Bio-Soja. „Bislang fehlten uns noch die entsprechenden frühreifen Zuchtsorten, die die Pflanze für das Klima Norddeutschlands optimal nutzbar machen“, sagt Christian Littmann. „Zuletzt haben wir allerdings Fortschritte auf unseren Versuchsflächen erzielen können.“ Aus diesem Grund wollen die Unternehmen des Fürstenhofs den Versuch des Sojaanbaus schrittweise auf eine Fläche von 500 Hektar ausweiten. „Wann dieser ambitionierte Plan erste Früchte tragen wird, ist allerdings noch nicht abzusehen.“

Seit dem Jahr 2013 repräsentiert die Marke Haehnlein die Bio-Produkte des Fürstenhofs, der die Interessen von inzwischen 23 familiengeführten landwirtschaftlichen Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Niedersachsen vereint. Ziel der Gemeinschaft sei, den kompletten Zyklus der Kreislauflandwirtschaft abzubilden – vom Ackerbau über die Tieraufzucht bis zur Belieferung des Lebensmitteleinzelhandels. „Denn so lassen sich Produktqualität und -sicherheit maximal positiv beeinflussen“, sagt Christian Littmann.

Für die Produktion von Eiern halte das Unternehmen Bio-Legehennen und ziehe zu jeder Henne auch den Bruderhahn auf, um das sonst übliche verbreitete Kükentöten aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit zu stoppen. Finanziert werde das durch höhere Eierpreise.

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