ENERGIEVERSORGUNG

Biogas-Pleite lässt Dorfbewohner um warme Stuben zittern

Der Inhaber einer Biogasanlage hat Insolvenz angemeldet. Der Betrieb muss heruntergefahren werden. Was passiert nun mit der Heizung einiger Häuser in der Seenplatte?
Der insolvente Betreiber rechnet damit, einen Käufer für die Biogasanlage in Vanselow zu finden. Doch die Anwohner f
Der insolvente Betreiber rechnet damit, einen Käufer für die Biogasanlage in Vanselow zu finden. Doch die Anwohner fürchten, schon bald mit kalten Wohnungen dazustehen. Christine Gerhard
Vanselow ·

Seit etwa zehn Jahren hat die Biogasanlage bei Vanselow nach Angaben des Betreibers grünen Strom produziert und nebenbei 28 Haushalte in Vanselow mit Wärme versorgt. Inzwischen jedoch läuft die Anlage nur noch auf Sparflamme. Nach einer großen Investition in eine technische Flexibilisierung und einigen schweren Jahren mit „schlechtem Futter“ musste die Ökostrom Dresden Insolvenz anmelden.

Betroffen ist davon auch die Anlage in Vanselow, die aufgrund von Zahlungsunfähigkeit nicht länger bewirtschaftet werden kann. Die Güllelieferungen wurden eingestellt, zurzeit wird in der Anlage nur noch eine Restgasmenge verwirtschaftet. Nicht nur deshalb fürchten einige Vanselower, dass es in ihren Häusern bald kalt werden könnte.

Staatliches Amt plant Teil-Stilllegung

Hinzu kommt die beabsichtigte, aber noch nicht terminierte Stilllegung von Teilen der Anlage durch das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU). „Die vorhandene Gesamtlagermenge in den Speichern beträgt derzeit circa 10.621 Kilogramm und damit mehr als das Fünffache der genehmigten Lagerkapazität“, heißt es als Begründung vom Amt, das in diesem Fall einen „stark eingeschränkten“ Ermessensspielraum habe. Bei der festgestellten Menge gelte die Störfallverordnung, die zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen vorschreibt. Die Anlage hätte in einem öffentlichen Verfahren „erst bei Vorliegen aller Genehmigungsvoraussetzungen genehmigt werden können“.

Aus Sicht des Betreibers Klaus-Peter Plötner normalerweise ein relativ schnell zu behebendes Problem. „Da ist uns etwas durch die Lappen gegangen, das gebe ich zu. Ich hatte das nicht auf dem Schirm“, sagt er. „Aber zehn Jahre hat es keinen interessiert und noch vor Kurzem wurde uns bestätigt, dass es keine sicherheitstechnischen Mängel gibt“.

Suche nach technischer Lösung

Nun jedoch drängen ganz andere Probleme: Noch vor Übergabe an einen möglichen neuen Betreiber muss die Anlage schon aus finanziellen Gründen weitgehend heruntergefahren werden. Gemeinde, Betreiber und auch potenzielle Käufer stehen damit vor der Frage: Wie kann die Wärmeversorgung für die 28 Haushalte in Vanselow sichergestellt werden?

Denn dass sie weiterlaufen muss, darüber sind sich alle Beteiligten einig. Schließlich verfügen viele Vanselower nicht mehr über die technischen Voraussetzungen, um kurzfristig auf eine andere Beheizung umzusteigen. Auch im Fall einer Stilllegung durch das StALU soll die Wärmeversorgung nach eigenen Angaben ausgenommen sein. An einer technischen Lösung werde gearbeitet.

Vorräte reichen noch ein bis zwei Wochen

Wie die Wärmeversorgung sichergestellt wird und wie es mit der Anlage bis zum Weiterverkauf weitergeht, hängt auch von der ohne Termin in Aussicht gestellten Auszahlung des zurückgehaltenen Stromgelds durch die Bank und Gesprächen mit dem Stromversorger ab. Vorerst aber müsse er das Rührwerk und zwei Motoren noch im Laufe des Tages abschalten, erklärte Plötner am Mittwoch.

Die Nahwärmeversorgung sei davon nicht betroffen. Dank einer großen letzten Güllelieferung reichen die Vorräte hierfür Schätzungen zufolge noch für etwa ein bis zwei Wochen. „Dann muss ein Öltank hingestellt werden“, so Plötner. Sein Lösungsvorschlag und aus seiner Sicht die vorerst einzige Option: Die Gemeinde springt finanziell ein, damit zumindest die Heizungen weiter laufen. Eine Gemeindeversammlung sollte noch am Abend Möglichkeiten diskutieren.

Doch wofür sich die Gemeinde auch entscheidet, es soll nur eine Übergangslösung sein, bis die Anlage laut Plötner in voraussichtlich zwei bis drei Monaten verkauft sei. Interessenten gebe es. Sollten allerdings die erhofften Zahlungen ausbleiben, so könnte bis dahin der Motor nicht konserviert werden, was eine „sehr große Wertminderung“ zur Folge hätte.

 

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