Gesundheitswesen
Bittere Medizin: Erfolg belastet Krankenhaus

Kai Firneisen
Kai Firneisen
Georg Wagner

Steigende Erlöse, eine stabile Herzmedizin – an sich könnte man im Kreiskrankenhaus Demmin zufrieden sein mit der Entwicklung. Aber was für Kranke gut ist, fällt dem Haus auf die Füße. Das zeigte sich beim Neujahrsempfang.

Aus medizinischer Sicht hat sich die Einrichtung der Kardiologie, also Herzmedizin, im Kreiskrankenhaus Demmin eindeutig gelohnt. Seit es diese Abteilung gibt, verzeichnet sie steigende Fallzahlen. Rund 400 Herzkatheterbehandlungen waren es laut Krankenhausgeschäftsführer Kai Firneisen im Jahr 2017, wobei die Kardiologie damals erst Anfang des zweiten Halbjahrs zum Tragen kam. Im vergangenen Jahr behandelte man schon etwa 1000 derartige Fälle und in diesem Jahr rechnet Firn-eisen mit 1200 bis 1300 derartigen Behandlungen.

Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass im Demminer Land die Zahl der Herzinfarkte zunähme. Vielmehr bekommt das Krankenhaus seine Patienten mittlerweile aus einem weiten Umkreis, bis aus Waren und Neustrelitz. „Das zeigt, dass es wirklich Bedarf für die Kardiologie in der Region gibt“, sagte er gestern beimNeujahrsempfang des Kreiskrankenhauses. Für den Weg von Demmin zum Herzzentrum Karlsburg bräuchten Patienten nach seiner Auskunft mit dem Rettungswagen etwa 45 Minuten, zum Universitätsklinikum Greifswald wären es nur drei Minuten weniger.

Neuer OP und neue Kreißsäle

Doch so gut insofern die Nähe der Herzmediziner für Patienten sein mag, dem Krankenhaus selbst tut die Entwicklung ebenso wie die seit Jahren steigenden Erlöse derzeit nicht nur gut. Denn nach wie vor wird nicht alles von den Krankenkassen bezahlt, muss das Krankenhaus laut Firneisen sogenannte Degressionsabschläge hinnehmen.

Bei dem Empfang trübte das indessen die Stimmung wenig. Vielmehr zeigte sich Firneisen zuversichtlich, dass in etwa zwei bis drei Jahren die Wirtschaftlichkeit des Krankenhauses wieder erreicht werde. Dazu sollen auch die geplanten Erweiterungen und Umstrukturierungen beitragen wie beispielsweise ein neuer OP und neue Kreißsäle, zusätzliche rein medizinische Aufzüge und kürzere Wege für die Mitarbeiter sowie der Komplettumbau der zentralen Notfallaufnahme. Diese Maßnahmen sind für die nächsten Jahre geplant. „Das wird ein großer Balance-Akt, denn wir müssen es im laufenden Betrieb hinbekommen“, blickte Firneisen voraus.

Auf die Entwicklung wird allerdings nicht nur Firneisen schauen, sondern auch der Landkreis als einziger Gesellschafter ein Auge haben. Bisher steht er zu seinem Krankenhaus. „Dass die Degressionsabschläge die Liquidität angeschlagen erscheinen lassen, ist nicht schön, aber es geht vorüber“, sagte der stellvertretende Landrat, Thomas Müller. „Das wird sich betriebswirtschaftlich sehr bald glatt ziehen.“

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