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Blasorchester meldet sich klanglos ab

Das Demminer Blasorchester war seit 1969 Mitglied im Zentralen Musikkorps.
Das Demminer Blasorchester war seit 1969 Mitglied im Zentralen Musikkorps.
Archiv/Wiese

Das Blasorchester in Demmin hatte einen Namen. Übrig geblieben ist ein kleiner Rest der alten Garde. Öffentliche Auftritte wird es wohl nicht mehr geben. Warum eigentlich nicht? Wo ist die Blasmusik geblieben?

Sie waren einmal über 100 Bläser, jetzt sind nur noch Elf von ihnen übriggeblieben. Zum Stadtwandertag in Demmin im September sind sie zum letzten Mal öffentlich aufgetreten. Das wars dann wohl mit dem Demminer Blasorchester, oder? „Nun, es gibt uns noch, aber wir sind nicht mehr viele und die meisten wohnen und arbeiten weit weg, in Lübeck, Hamburg, sogar in der Schweiz“, sagt Wolfgang Ehrhardt, musikalischer Leiter des Demminer Blasorchesters. Dabei wollten sie im Herbst dieses Jahres noch ein Konzert starten, zu einem ganz besonderen Jubiläum, dem 60. Geburtstag. Aber dazu ist es nicht mehr gekommen. Bedauerlich.

Das findet auch Helmut Kruse. „Es ist so schade, dass das Demminer Blasorchester so sang- und klanglos untergeht. Da haben die Musikschulen versagt“, beklagt der Mitgründer Helmut Kruse. Er ist der einzige noch Lebende, der vor 60 Jahren das Demminer Blasorchester mit aus der Taufe hob. Wie kam es dazu? „Das hat im Herbst 1954 angefangen. Johannes Klopsch hatte die Idee“, erinnert sich Helmut Kruse. Es sei Sportfest an der Erweiterten Oberschule (EOS) gewesen und wie in einem Trauermarsch seien die Schülerinnen und Schüler vom Markt zum Stadion durch die Stadt gelaufen. „Das passiert uns nicht noch mal, brauchen Musik“, hatte Johannes Klopsch damals gesagt. Es wurde unter den Schülern geworben, ein Blasinstrument zu spielen. Die Lehrer dafür kamen von der Demminer Band „5 Melodias“ und der erste Auftritt war dann schon im gleichen Jahr zu einer Schulveranstaltung im Jugendklubhaus.

„Im Devener Holz haben wir damals das Marschieren mit den Instrumenten geübt. Mit Unterstützung des Kreises durften wir Instrumente kaufen und dann waren wir jedes Jahr zu Auftritten bei der Ostseewoche, den Arbeiterfestspielen und später im Zentralen Musikkorps“, erzählt Helmut Kruse, der damals Tuba spielte. 1966 wurde Kurt Sass Orchesterleiter. „Es gab sogar Auslandseinsätze, und einige der Mitglieder wurden später auch Musiker oder Musiklehrer“, sagt Wolfgang Ehrhardt. Demmin ohne Blasmusik, das gab es nicht. Ob Marsch oder Konzert, Jugendweihe oder Jubiläen, immer war das Blasorchester dabei. Den Direktoren der EOS sei die Blasmusik immer wichtig gewesen, sie standen voll dahinter. „Wer neu an die Schüler kam, wurde auf Musikalität geprüft, nur so konnte das Orchester auf hohem Niveau und einer Personenzahl von über 80 Bläsern bestehen“, erklärt Wolfgang Ehrhardt.

1970 wurde ein Nachwuchsorchester an der Pestalozzischule gegründet. Dieses kleine Orchester leitete Hans-Helmut Siebert, die organisatorische Leitung hatte Joachim Berger. Wolfgang Ehrhardt erinnert sich an viele Orchesterleiter wie Johannes Klopsch, Hans-Albert Cummerow, Kurt Sass oder Hans-Helmut Siebert. „Das EOS-Orchester verlor zwar in jedem Abiturjahr die besten Bläser, aber der Nachwuchs war gesichert. Nach Wende war das leider nicht mehr so, die Schulen gaben diese Verantwortung ab, die Schüler blieben aus“, so der musikalische Leiter. Alle Bemühungen schlugen fehl, so bleibt nur noch der Rest der alten Garde. Warum gibt es kein Jugend-Blasorchester mehr in Demmin? Diese Frage steht weiter im Raum.