Gegendemonstranten versuchen, den Aufmarsch der Rechtsextremen durch Sitzblockaden zu verhindern – solche Bilder aus Dem
Gegendemonstranten versuchen, den Aufmarsch der Rechtsextremen durch Sitzblockaden zu verhindern – solche Bilder aus Demmin gab es nun schon zwei Jahre nicht mehr. Archiv (Georg Wagner)
Demmin am 8. Mai 2018: Gegendemonstranten protestieren gegen den sogenannten Trauermarsch.
Demmin am 8. Mai 2018: Gegendemonstranten protestieren gegen den sogenannten Trauermarsch. Archiv (Georg Wagner)
Demmin am 8. Mai 2018: Hunderte Neonazis ziehen Fahnen-schwenkend durch Demmin.
Demmin am 8. Mai 2018: Hunderte Neonazis ziehen Fahnen-schwenkend durch Demmin. Archiv (Georg Wagner)
„Tag der Befreiung”: Gegendemonstranten beschießen die Neonazis mit Konfetti-Kanonen.
„Tag der Befreiung”: Gegendemonstranten beschießen die Neonazis mit Konfetti-Kanonen. Archiv (Georg Wagner)
Gedenken

Bleibt es auch an diesem 8. Mai in Demmin ruhig?

Der 8. Mai rückt näher. Die rechtsextreme NPD hat bislang keinen Aufmarsch in Demmin angemeldet. Sie hat dafür aber noch Zeit.
Demmin

Wasserwerfer rollen auf schweren Reifen durch die Innenstadt. Polizei-Hundertschaften postieren sich auf Demmins Straßen. Hunderte Neonazis marschieren am 8.  Mai Fahnen schwenkend durch die Stadt und noch mehr Gegendemonstranten stellen sich ihnen entgegen. An Bilder wie diese dürften sich die meisten Demminer noch deutlich erinnern.

Doch während der vergangenen zwei Jahre hat sich die Lage entspannt. Vordergründig aufgrund der Corona-Pandemie, sagte die NPD ihre sogenannten Trauermärsche zuletzt ab. Und auch in diesem Jahr könnte es ruhig bleiben. „Nach jetzigem Stand gibt es von keiner Seite eine Anmeldung“, sagt Nils Henke, Pressesprecher des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte. Auch auf den Internetseiten der NPD tauchte bislang kein Aufruf zum 8.  Mai in Demmin auf.

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Wochen vorher mobil gemacht

In den Jahren, in denen hunderte Teilnehmer durch die Stadt marschierten, machte die Partei bereits Wochen vorher mobil. Ein Zeichen dafür, dass der Aufmarsch auch in diesem Jahr ausfällt? Henke verweist darauf, dass die Demo erst 48 Stunden vorher angemeldet werden müsse: „Erfahrungsgemäß kommt die Anmeldung sehr kurzfristig.“ Es könne durchaus sein, dass die NPD ihren Marsch erst zwei Tage vorher ankündigt.

Auch Jörg Küthe, vom Demminer Ordnungsamt weiß nicht mehr. Bis jetzt seien bei seiner Behörde keine Informationen eingegangen – worüber der Ordnungsamts-Chef erst einmal froh ist. „Wir hoffen inständig, dass nichts passiert. Alle Behörden sind gespannt“, sagt er.

Gespannt sind auch die Mitglieder des Aktions-Bündnisses 8.  Mai. Heinz Wittmer beobachtet die rechte Szene seit längerer Zeit und ist sich sicher: „Die Zeit der klassischen Nazi-Aufmärsche ist vorbei.“ Die neue Rechte organisiere sich anders und nutze andere Plattformen. Auch wenn der NPD-Aufmarsch am 1.  Mai 2021 in Greifswald eine andere Botschaft vermittelte – aktiv zeigten sich die NPD und ihr Umfeld bislang nicht. „Sonst hat die NPD bereits Monate vorher an den 8.  Mai erinnert“, sagt Wittmer.

Doch auch ohne Nazi-Aufmarsch will das Bündnis in diesem Jahr aktiv werden. Laut Wittmer ist ein Friedensfest am Hafen inklusive mehrerer Redebeiträge geplant. Zugesagt habe dafür unter anderem Jana Michael, die Integrationsbeauftragte Mecklenburg-Vorpommerns. „Wir wollen den Tag der Befreiung feiern“, sagt Wittmer. Ebenso solle aber der Opfer des Krieges gedacht werden.

Demonstration auch für Frieden in der Ukraine

Im Zentrum der Kämpfe um die Deutungshoheit der Geschehnisse zum Kriegsende 1945 standen immer die Taten der Roten Armee. Während die Neonazis die Russen verteufelten, stellten Teile der linken Szene sie als heroische Befreier dar. Auch beim diesjährigen Friedensfest soll ein russischer Einmarsch zu den Themen gehören. Jedoch liegt der erst wenige Wochen zurück. „Wir wollen auch für den Frieden in der Ukraine demonstrieren“, sagt Heinz Wittmer.

Lehren ziehen aus dem Zweiten Weltkrieg

Zwar könnten sie keine schnelle Lösung des Konflikts anbieten, doch laut Wittmer gehe es darum, Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg zu ziehen. Mehrere Menschen sollten die Möglichkeit bekommen, ihre Gedanken zu äußern. Damit würde sich der Fokus des Friedensfestes verschieben – weg vom Widerstand gegen die NPD, die möglicherweise gar nicht präsent ist. „Ich gehe nicht davon aus, dass die Neonazis in diesem Jahr kommen“, sagt Wittmer.

Ob ein Aufmarsch stattfinden wird, kann auch die Polizei nicht klar sagen. Zwar liegt laut Pressesprecher Alexander Gombert eine Anmeldung vor, doch handele es sich dabei um eine Daueranmeldung, die die NPD bereits 2014 eingereicht hatte. „Inwieweit sie diese aufrechterhalten, wissen wir nicht“, sagt Gombert. Die Polizei bereite sich vorsorglich auf einen Einsatz vor. Was aber konkret passiert, wisse derweil niemand so richtig.

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