FEUERWERKS-VERBOT

Bleibt es wirklich still zum Jahreswechsel in der Region?

Die Corona-Pandemie hat die Debatte um ein Verbot von Feuerwerks-Körpern in der Silvesternacht neu befeuert. Ging es den Kritikern bislang in erster Linie darum, die Feinstaubbelastung zu verringern, wird jetzt vor allem mit der Entlastung der Krankenhäuser argumentiert.
Jörg Schnabel verkauft seit Jahren in den Räumen des ehemaligen Demminer Autoforums alles, was das Herz eines jeden
Jörg Schnabel verkauft seit Jahren in den Räumen des ehemaligen Demminer Autoforums alles, was das Herz eines jeden Feuerwerk-Fans höher schlagen lässt. Für ein mögliches Verbot von Böllern und Raketen in der Silvesternacht hat er wenig Verständnis. Tobias Holtz
Große Partys wird es wohl zum Jahreswechsel wegen der Corona-Pandemie nicht geben. Viele Menschen hoffen aber wenigstens
Große Partys wird es wohl zum Jahreswechsel wegen der Corona-Pandemie nicht geben. Viele Menschen hoffen aber wenigstens auf ein Silvester-Feuerwerk in kleinem Kreis. (Archivfoto) Georg Wagner
Demmin.

Lauter, höher, bunter: Für viele Menschen gehört ein Feuerwerk an Silvester einfach dazu. Doch der Jahreswechsel könnte dieses Mal bis auf das Klirren der Sektgläser sehr ruhig ausfallen. Angesichts der anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen werden aktuell immer mehr Stimmen laut, die ein Verbot von Raketen und Böllern fordern. Neben der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die seit Jahrzehnten die hohe Feinstaubbelastung durch Pyrotechnik anprangert, schalten sich jetzt auch Ärzte, Politiker und Polizei-Gewerkschafter in die nicht enden wollende Debatte ein.

Kontroverse Diskussion auf Landes- und Kreisebene

Denn zum Feuerwerk kämen erfahrungsgemäß viele Menschen zusammen. Es fließt Alkohol, die Verletzungsgefahr steigt. Wenn die Bundesregierung den Verkauf und Gebrauch von Feuerwerkskörpern komplett untersagt, könnten die Kliniken dadurch enorm entlastet und das Infektionsgeschehen weiter gesenkt werden, so die Begründung der Kritiker. Unsere niederländischen Nachbarn haben es bereits vorgemacht und aus Angst vor einem möglichen Kollaps des Gesundheitssystems ein landesweites Verbot verhängt. Auch in Deutschland könnte es dazu kommen, wenn das Gesundheits- oder Innenministerium eine entsprechende Änderung in der geltenden Sprengstoffverordnung festlegt. Auf Landes- und Kreisebene wird darüber seit der vergangenen Woche vielerorts kontrovers diskutiert.

Notfallambulanz Silvester doppelt besetzt

Die Mitarbeiter am Demminer Kreiskrankenhaus würden ein mögliches Feuerwerks-Verbot jedenfalls begrüßen, wie Kai Firneisen auf Anfrage des Nordkurier deutlich machte. „Unsere Notfallambulanz ist um den Jahreswechsel herum immer doppelt besetzt, da erfahrungsgemäß deutlich mehr akute Fälle vorstellig werden“, so der Geschäftsführer. Denn für so manchen „Hobby-Pyrotechniker“ kann der leichtfertige oder falsche Umgang mit Böllern und Co. gerade in Verbindung mit übermäßigem Alkoholkonsum schnell schlimme Folgen nach sich ziehen.

„Natürlich landen solche Patienten in der Regel nicht gleich auf der Intensivstation, sondern werden bei schweren Verletzungen im OP-Trakt behandelt. Trotzdem könnte ein derartiger Beschluss dazu beitragen, dass sich das anfallende Arbeitspensum noch besser bewältigen lässt und Wartezeiten verringert werden“, betonte Kai Firneisen.

Handel mit Pyrotechnik als zweites Standbein

Jörg Schnabel hingegen hält ein generelles Verbot für unverhältnismäßig. Der 39-jährige arbeitet hauptberuflich als Dienstleister für Verbrauchsmessgeräte und hat sich mit dem Handel von Pyrotechnik ein zweites Standbein aufgebaut. Seit mittlerweile sechs Jahren verkauft er in den Räumen des einstigen Autoforums alles, was der Feuerwerks-Fan begehrt – von der harmlosen Knallerbse bis zur farbenprächtigen 1000-Schuss-Batterie.

Seiner Ansicht nach müsse dieses Thema differenzierter betrachtet werden. „Das Infektionsgeschehen ist nicht überall gleich. Es macht also durchaus einen Unterschied, ob größere Personengruppen in einer Großstadt wie Berlin angetrunken durch die Gegend böllern oder ein Familienvater auf dem Dorf für seine Kinder im Vorgarten ein paar Raketen in den Himmel steigen lässt“, stellt Schnabel klar und steht mit seiner Argumentation nicht alleine da.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hatte sich kürzlich ebenfalls gegen ein bundesweites Feuerwerksverbot ausgesprochen – zumindest für private Haushalte. So eine Verordnung müsse auch kontrolliert und durchgesetzt werden, was für Ordnungsamt und Polizei personell wohl kaum machbar sei, hieß es vom Verband.

Wenn keine zugelassenen Qualitäts-Artikel mehr verkauft werden dürfen, könnte das im schlimmsten Fall sogar mehr Menschen ins Krankenhaus treiben, weil sie sich stattdessen an illegalem Feuerwerk bedienen, warnt Jörg Schnabel. „Dafür muss man nicht unbedingt über die Grenze nach Polen fahren. Es gibt auch immer wieder Chaoten, die sich ihre verbotene Pyrotechnik über das Internet besorgen.“ Der Demminer bietet selbstverständlich nur zertifizierte Ware mit CE-Kennzeichen und Prüfnummer der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) an.

Bei Feuerwerksverbot drohen hohe Umsatzausfälle

Dem 29. Dezember fiebert seine Stammkundschaft schon jetzt sehnsüchtig entgegen. Denn dann öffnen sich in der Neubrandenburger Straße wieder die Türen für den dreitägigen Feuerwerks-Verkauf. „Ein Großteil der bestellten Ware habe ich schon erhalten, einige Lieferungen sind noch unterwegs. Sollte die Regierung wirklich ein Verbot beschließen, werden die Umsatzausfälle wahrscheinlich im fünfstelligen Bereich liegen“, schätzt der 39-Jährige. Ob es dafür von Bund und Ländern irgendeine Form von finanzieller Entschädigung gibt, ist allerdings ungewiss.

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Kommentare (3)

findet einen Knüppel - ändert dieses politische System -

ist die 120 Jahre alte Reithalle der preußischen Ulanen.

opfert eine intakte Turnhalle für einen Kreisel! Man glaubt es nicht.