Population im Sinkflug: Dieses Frühjahr scheinen nochmals weniger Störche in Vorpommern gelandet zu sein. Viele der
Population im Sinkflug: Dieses Frühjahr scheinen nochmals weniger Störche in Vorpommern gelandet zu sein. Viele der hiesigen Horste jedenfalls blieben verwaist. Stefan Hoeft
Storchen-Experte Friedhelm Ziemann aus Tutow.
Storchen-Experte Friedhelm Ziemann aus Tutow. NK-Archiv
Abwärtstrend

Blick auf Storchenhorste macht wenig Hoffnung

Im Umland des Zusammenflusses von Peene, Tollense und Trebel scheinen 2022 noch mehr von jenen Storchennestern verwaist, die früher immer Nachwuchs lieferten.
Jarmen

„Ich habe die Zahlen noch nicht hundertprozentig zusammen, aber es ist auf alle Fälle nicht besser als in den letzten Jahren“, erklärt Friedhelm Ziemann. Der Tutower ist seit mehr als drei Jahrzehnten offizieller ehrenamtlicher Regionalbeauftragter für die Weißstörche im Bereich des Altkreises Demmin, bei ihm laufen die Informationen von den einzelnen Horstbetreuern zusammen. Und was diese Männer und Frauen bisher berichteten beziehungsweise der Experte selbst beobachtet hat, birgt wenig Hoffnung, dass sich an der rapiden Abwärtsbewegung der Gattung Ciconia ciconia hierzulande etwas ändert. „Bis jetzt weiß ich von 23 Paaren und zwei Einzelstörchen.“

Dabei galten schon die jüngsten Vor- als absolute Katastrophenjahre für den Erhalt einer halbwegs stabilen Population. So rutschte die Zahl der Brutpaare 2020 mit 29 erstmals unter die 30er-Marke, das Ergebnis waren lediglich 46 flügge Jungvögel. 2021 konnten bei gleicher Nestbesetzung sogar nur 40 groß gezogen werden. Zuvor waren es bis auf das Störungsjahr 2016 immer mindestens um die 60 oder deutlich darüber. Wie stark innerhalb kurzer Zeit die Präsenz des einst als eine Art Aushängeschild Vorpommerns geltenden Adebars zurückgegangen ist, offenbart bereits der Rückblick auf das erste Jahrzehnt dieses Jahrtausends. Damals gab es immer wieder auch dreistellige Nachwuchs-Quoten – bei zeitweise über 50 Brutpaaren. Wobei inzwischen auch das durchschnittliche Aufzuchtergebnis pro Horst rapide gesunken ist, was Ziemann auf schlechte Rahmenbedingungen bei der Nahrungssuche zurückführt.

Leere Horste in einstigen Storch-Hochburgen

Der Tutower muss registrieren, dass immer mehr jener Standorte, die Jahrzehnte als sicherer Storchensitz glänzten, leer bleiben. Wie etwa Pensin, Rustow und Jagetzow oder seine Nachbargemeinde Bentzin, die mal als absolute Hochburg der schwarz-weiß gefiederten Froschjäger galt. Dort scheint nur Zemmin als Landeplatz übrig geblieben zu sein, er habe gerade in der nahen Wiese zwei Exemplare bei der Futtersuche entdecken können.

Völlig außen vor bei dieser Art sei inzwischen auch Trantow. Also ein Dorf, das einst sogar drei bis vier Paare beherbergte. Während es ansonsten im Peenetal-Amt zumindest etwas besser ausschaut als in den angrenzenden Gebieten. „Loitz ist wieder besetzt, Vorbein und Düvier auch, bei Zarnekla weiß ich es noch nicht.“ Hinzu kommen die Standorte in Treuen und Groß Zetelvitz sowie drei Paare in der Gemeinde Görmin. „Göslow, Alt Jargenow und Görmin, die sind alle wieder da.“

Heftige Kämpfe um guten Standort

Weit schlechter stellt sich das Ganze an der Trebel dar, wo außerhalb von Demmin bis hoch nach Annenhof inzwischen überhaupt keine Besiedlung mehr stattzufinden scheint. Zumindest in der Hansestadt selbst seien die Nester in Vorwerk und am Eichholz wieder belegt. Wobei es um letzteren Horst schon einige heftige Kämpfe gab. „Das ist typisch für einen guten Standort. Dabei gibt es woanders so viele freie Nistplätze.“

Die ersten Störche ließen sich bereis Ende März in unserer Region blicken, wie üblich sogenannte Westzieher. Sie fliegen über Gibraltar nach Afrika oder überwintern zunehmend auf der Iberischen Halbinsel, sodass der Weg zurück kürzer und leichter ist. Das Gros der vorpommerschen Population stellen allerdings die Ostzieher, die unsere kalte Jahreszeit vor allem in Ost- und Südafrika verbringen. Mit einer entsprechend längeren und anstrengenderen Tour über die arabische Halbinsel und Südosteuropa. Sie mussten diesmal obendrein mit einem Wintereinbruch samt Minusgraden und Schnee in der Türkei Ende März kämpfen, wie Ziemann weiß. „Die meisten kamen zwischen dem 10. und 15.  April bei uns an, der Rest dann nach dem 25.  April.

Trockenheit bedroht die Nachwuchs-Versorgung

Wer es bis Anfang Mai nicht geschafft hat, Nest und Partner zu finden, für den sieht es erfahrungsgemäß schlecht aus mit einer Aufzucht. Bei den anderen dürfte bald der erste Nachwuchs schlüpfen, betrage die Brutzeit doch im Schnitt zwischen 30 und 32 Tage. Womit der Experte aus Tutow allerdings das nächste Problem auf seine Schützlinge zukommen sieht. Wegen der anhaltenden Trockenheit dürfte es den Elterntieren schwererfallen, das in den ersten Lebenswochen für die kleinen Schnäbel nötige Kleingetier zu beschaffen. Eine Situation, die erst recht wenig hoffnungsvoll auf bessere Storchenzahlen als die Vorjahre stimmt. „Wie es aussieht, wird es 2022 wohl nicht besser.“

 

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Kommentare (1)

Wie sahen Störche aus? Das werden uns unsere Enkel und Urenkel fragen.