Polizei

Blutiges Drama in der Demminer Obdachlosen-Unterkunft

Ein blutiger Vorfall im Obdachlosenheim bringt Vorwürfe gegen Polizei sowie städtische und kreisliche Behörden mit sich. Die Eskalation hat wohl eine lange Vorgeschichte.
Nicht nur im Zimmer, sondern auch auf den Fluren und Treppen des Heims zeugten Spuren von der blutigen Nacht.
Nicht nur im Zimmer, sondern auch auf den Fluren und Treppen des Heims zeugten Spuren von der blutigen Nacht. ZVG
Nicht nur im Zimmer sondern auch auf den Fluren und Treppen des Heims zeugten Spuren von der blutigen Nacht.
Nicht nur im Zimmer sondern auch auf den Fluren und Treppen des Heims zeugten Spuren von der blutigen Nacht. ZVG
Nicht nur im Zimmer sondern auch auf den Fluren und Treppen des Heims zeugten Spuren von der blutigen Nacht.
Nicht nur im Zimmer sondern auch auf den Fluren und Treppen des Heims zeugten Spuren von der blutigen Nacht. ZVG
Im Obdachlosenheim in der Jarmener Straße kam es in der vergangenen Woche zu dem Vorfall.
Im Obdachlosenheim in der Jarmener Straße kam es in der vergangenen Woche zu dem Vorfall. Pablo Himmelspach
Demmin

Die Szene erinnert an einen Horrorfilm. Ein kleines dunkles Zimmer, spärlich eingerichtet mit einem Bett und einem Tisch. Auf dem braun-gelben Laminatboden liegen leere Verpackungen verteilt, ein paar Schuhe stehen an der gegenüberliegenden Wand. Über den gesamten Boden ziehen sich rote Tropfen, teilweise durch Fußspuren verwischt. Und direkt vor dem Bett münden sie in eine große dunkelrote Blutlache.

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„Sie können sich nicht vorstellen, was hier gestern Nacht los war! Der wollte erst sich selbst und, als das nicht klappte, mich umbringen“, sagt Frank Raddek*. Der Bewohner des Obdachlosenheims schildert, wie sein Mitbewohner in der vergangenen Woche nach einem Streit versucht habe, sich das Leben zu nehmen. „Völlig blutverschmiert ist er dann aus seinem Zimmer gekommen und hat mich bedroht“, sagt Raddek.

Gegenseitige Strafanzeigen

Aussagen, die im Groben von der Polizei untermauert werden. Laut Polizeisprecher Alexander Gombert gab es in der besagten Nacht einen Einsatz im Obdachlosenheim. Raddek hatte die Demminer Beamten angerufen, da sein Mitbewohner ihn nach eigener Aussage bedrohte. Kurz danach rückte eine Streife aus.

Der zu diesem Zeitpunkt schon stark blutende vermeintliche Angreifer Sven Reimann* wurde den Angaben zufolge von Sanitätern ins Krankenhaus gebracht. Erstaunlich ist aber die polizeiliche Bilanz der Nacht. „Beide Personen stellten eine Strafanzeige wegen Bedrohung gegeneinander“, sagt Gombert. Für die beiden Bewohner ging die nächtliche Eskalation aber zumindest glimpflich aus.

Seit Längerem aktenkundig

Was genau in der Unterkunft passiert ist, lässt sich kaum noch rekonstruieren. Doch es könnte eine Eskalation mit Ankündigung gewesen sein. Frank Raddek sagt, er habe schon vor Monaten die Polizei und das Ordnungsamt kontaktiert. Sein junger Mitbewohner hätte Straftaten begangen und sich nicht an die Hausordnung gehalten.

Doch nichts sei passiert. Polizeieinsätze seien ohne Wirkung geblieben, das Ordnungsamt habe zu spät gehandelt und die Gerichtsbetreuerin nicht eingegriffen. „Ich habe mich von der Polizei und den Behörden allein gelassen gefühlt“, so Raddek.

Stadt sieht keine eigenen Versäumnisse

Die Polizei sieht die Schuld jedoch nicht allein bei Reimann. Zwischen beiden Bewohnern der Unterkunft habe es eine längere Vorgeschichte gegeben, beide seien immer wieder aneinander geraten. Den Beamten liegen mehrere Anzeigen wegen Bedrohung vor.

Fest steht laut Polizei aber auch: Reimann ist seit Längerem aktenkundig. Nicht nur aufgrund verschiedener Delikte bei der Polizei, sondern auch bei der Stadt Demmin sowie den Behörden des Kreises. Über der Zuständigkeit für den jungen Mann schwebt indes ein Fragezeichen. Nach Angaben von Demmins Ordnungsamtschef Jörg Küthe müsse einiges passieren, bis ein Bewohner der Obdachlosenunterkunft rausgeschmissen werden könne. „Wir können niemanden einfach auf die Straße setzen“, sagt Küthe. Bekannt seien die Geschehnisse um Reimann aber durchaus.

Ein Fehlverhalten seiner Behörde bestreitet er. „Wir haben keinen Betreuungsauftrag“, sagt Küthe. Unabhängig von Charakter oder Verhalten dürfe jeder Mensch ohne Wohnung im Heim unterkommen. Und das gelte solange, bis der Bewohner ins Gefängnis oder in eine andere Betreuung eingewiesen werde. „Wir haben alles mögliche getan, um zu helfen“, beteuert Küthe. Im Kern stelle die Hansestadt jedoch lediglich das Gebäude zur Verfügung.

Polizei kann nur im Einzelfall eingreifen

„Eine Selbstverletzung kann die Polizei im Zweifel nicht verhindern. Und solange es zu keiner Verurteilung kommt, können wir nur immer wieder einzeln eingreifen“, lässt auch Alexander Gombert nicht der Polizei den Schwarzen Peter zuschieben.

Er verweist zudem auf Bearbeitungszeiten der Justiz. „Wenn jemand im Juli eine Anzeige bekommt, kann es sein, dass im Herbst immer noch kein Urteil gesprochen wurde“, sagt Gombert. Ohne Urteil sei es aber nicht möglich, eine Person festzusetzen, auch wenn diese immer wieder straffällig wird.

Kreis verweist auf freie Entscheidung junger Erwachsener

Mit Details zu Person und Vorfall hält sich auch der Kreis aus Datenschutzgründen zurück. Der Handlungsspielraum, in derartigen Lebenssituationen vorab helfend einzugreifen, sei gering, sagt Kreissprecherin Haidrun Pergande. „Junge Volljährige handeln grundsätzlich eigenverantwortlich.“ Zwar stelle der Staat verschiedene Hilfsangebote zur Verfügung, allerdings nur, wenn sie auch gewünscht seien.

„Diese können jedoch nicht gegen den Willen der Person erbracht werden und setzen in der Regel einen Antrag oder ein entsprechendes Verhalten voraus“, so Pergande. Selbst bei rechtlich zugewiesener Jugendhilfe könne am Ende nur für Unterstützung des Jugendamtes geworben werden. „Es ist die freie Entscheidung junger Volljähriger, sich gegen derartige Angebote auszusprechen“, sagt sie.

 

*Namen von der Redaktion geändert

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Kommentare (3)

... für Maßnahmen würden Sie denn vorschlagen?

Es ist schon schlimm genug, dass ein junger Mensch, der das ganze Leben noch vor sich hat, keinen Sinn mehr in seinem Leben sieht. Darauf kommt noch ein Artikel, der nur Aussagen von einer Person am jeweiligen Abend darstellt.

im Herbst immer noch kein Urteil.

Mich macht es nur noch fassungslos, wie die Regierung mit dem Steuergeld des Volkes umgeht.
Die Justiz reformiert, sie meinen wohl Kahlschlag, Einsparungen bei der Polizei, Lehrermangel, Pflegenotstand, viele staatliche Gebäude wie Schulen müssen saniert werden usw.....

Aber die Pharmamafia bekommt das Geld nur so hingeschi..en, das Krankensystem wird geplündert.
Mit den Milliarden für die dämlichen Tests hätten sie so viel Gutes zu können, die Justiz personell aufstocken, die Polizei ebenso, statt sie für die Durchsetzung der würdelosen Verordnungen zu verheizen, (ein Polizist soll Verbrecher fangen, die Richtigen, die ganz Großen) endlich die medizinischen Fachkräfte würdevoll beschäftigen und bezahlen. Sie sind es, die sich um Kranke und Alte kümmern.

Sie wurden nicht gewählt, um vom Volk zu nehmen und den Milliardären zu geben.

Sie wurden gewählt, um elementare Rechte der Menschen zu sichern und zu gewährleisten.
Das heißt nicht, die Krankenkassen zu plündern, die Justiz auf dem Zahnfleisch kriechen zu lassen, die Schüler mit ständigem Unterrichtsausfall wegen Lehrermangel zu beglücken und sie auf unzumutbare Klohs zu schicken, die Pfleger zu verheizen und die Polizei für dämliche Hirngespinnste zu mißbrauchen.

Sie haben dem Volk zu dienen. Dafür bedienen sie sich übergroßzügig von den arbeitenden Menschen.

Jedem Pfleger, jeder Krankenschwester, jedem Klinikarzt, jedem beherzten Polizisten und all die Menschen, die täglich Dienst am Menschen tun, sei es in Kindergärten und in Schulen und anderswo haben es verdient, mindestens, wenn nicht mit noch mehr Gehalt als Politiker nach Hause zu gehen.
Sie tun Gutes für die Menschen, der Lehrer, der Schülern etwas beibringt, die Menschen, die andere gesund pflegen, die Richter, die hoffentlich für Gerechtigkeit sorgen, der Polizist, der die Welt ein Stück besser macht (wenn er nicht gerade ein leidenschaftlicher Prügelknabe ist)

Sie alle sind für ihre Mitmenschen da.

Und was machen sie, die Politiker?

Sie machen die Lebenswerke durch Arbeitsverbote so vieler Menschen zunichte, sie machen irgendwann alles, was lebenswert ist kaputt, wenn sie nicht gestoppt werden. Das ist meine Befürchtung.
Sie sind wohl wahnsinnig geworden, warjm auch immer.