Bei den Silver Surfer-Treffen geht es auch ums Gemeinschaftsgefühl. Es gibt Kaffee und wer nicht sein eigenes Gerät
Bei den Silver Surfer-Treffen geht es auch ums Gemeinschaftsgefühl. Es gibt Kaffee und wer nicht sein eigenes Gerät mitbringt, erhält ein Tablet zum Arbeiten. ZVG
„Senioren helfen Senioren”

Bürgerstiftung in Demmin bildet Digital-Helfer aus

Speziell geschulte Senioren sollen anderen Rentnern helfen, die Möglichkeiten der Digitalisierung für sich zu nutzen.
Demmin

Viele, die sich an Robert Bath und seine „Silver Surfer“ wenden, haben ein neues Handy und hängen bei der Inbetriebnahme fest. „Einige kommen auch, weil sie Fotos gemacht haben und nicht wissen, wie sie die von dem Handy runterkriegen oder verschicken können“, erzählt der Kursleiter. Die Kinder, hat er erfahren, verlieren über die Technikprobleme ihrer Eltern häufig die Geduld. „Sie wollen zwar helfen, haben aber oft keine Zeit, machen es schnell selbst und am Ende wissen die Benutzer selbst gar nicht, wie es geht“, erzählt Bath.

Dass das ein Problem ist, weiß auch Monika Meyer-Klette von der Bürgerstiftung. „Wer nicht digital unterwegs ist, wird immer mehr abgehängt“, beobachtet sie. Oder hat zumindest große Nachteile: Bankgeschäfte regeln, Bahnkarten buchen, all das sei zwar noch analog möglich, aber viel schwieriger und oftmals auch teurer, erklärt Bath.

Furcht vor Digitalisierung nehmen

Die Bürgerstiftung Vorpommern bildet zusammen mit dem Kooperationspartner Bürgerhafen deshalb in ganz Vorpommern sogenannte „Silver Surfer“ aus: Senioren, die sich mit Smartphone und Computer schon recht gut auskennen und ihre Fähigkeiten und Kenntnisse an andere Senioren weitergeben wollen. Sie sollen helfen und unterstützen, ihnen die Furcht vor der Digitalisierung des Alltags nehmen und zeigen, wie sie diese für sich nutzen können. Auf Augenhöhe und „mit der Ruhe des Alters“, wie Silver Surfer-Chef Robert Bath sagt.

Bei der Ausbildung werden die ehrenamtlichen Silver Surfer in insgesamt vier Sitzungen nicht nur fachlich weiter geschult, um etwa bei Fragen zu medizinischen Apps, digitaler Reisebuchung, dem Chatten mit den Enkeln, Einkaufslisten und Kalendern, Unterhaltung, Datenschutz und Sicherheit unterstützen zu können, sondern lernen auch Kommunikation und Didaktik. „Viele freuen sich, dass sie sich um andere kümmern und ihr Wissen weitergeben können“, erklärt Monika Meyer-Klette. Ein solcher Lehrgang findet am 15. und 16. August sowie am 7. und 8. September jeweils von 10 bis 15 Uhr im Kulturkonsum in Loitz statt. Wenn sich interessierte Demminer melden, würde die Stiftung zudem auch in der Hansestadt gern eine Schulung anbieten. Anmeldungen für den kostenfreien und vom Land finanzierten Kurs sind unter [email protected] oder unter der Handynummer 0156 78315188 möglich.

Silver Surfer werden stetig weiter geschult

Nach Absolvieren des Kurses sollen die Silver Surfer in ihrer Gegend Sprechstunden anbieten. Senioren können sich dort mit ihren Fragen und Problemen rund um Handy, Tablet und PC an die neu geschulten Experten wenden, kostenfrei. „Wir wollen, dass die älteren Menschen nicht immer zu einer Firma gehen müssen, wo sie dann für ein paar Einstellungen gleich 40 Euro zahlen“, so Monika Meyer-Klette.

Für die Silver Surfer selbst organisieren die Leiter regelmäßige Fortbildungen in Form von Vorträgen oder Workshops, bei denen sich alle Ehrenamtlichen aus Vorpommern treffen. „Der soziale Aspekt ist wichtig“, erklärt Meyer-Klette. „Leute begegnen sich, es entstehen Beziehungen. Die Gruppe in Görmin ist fast wie eine Familie“, erzählt Robert Bath. „Zu Geburtstagen wird immer Kuchen mitgebracht.“ Etwa 30 Mitglieder hat die vorpommersche Silver Surfer-Großfamilie zurzeit, die ältesten Anfang 80. Und es sollen mehr werden, bis im ganzen ländlichen Vorpommern Anlaufstellen für Senioren mit IT-Fragen zur Verfügung stehen. Doch auch auf der Breitbandkarte des Landes sind dafür noch Lücken zu schließen, wie Monika Meyer-Klette betont. „Es gibt immer noch viele weiße Löcher“, führt sie aus. „Wir schulen Leute und dann müssen sie zu Hause aufs Feld gehen, um Empfang zu kriegen.“ Auch darüber hinaus gebe es noch viele Handicaps, die die Silver Surfer nicht beheben können. Die Digitalisierung des Gesundheitssystems etwa, zu der die Silver Surfer andere Senioren schulen wollen, gehe entgegen der Ankündigungen der Politik nur langsam voran.

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