QUARANTÄNE-PROBLEM

Corona-Ausbruch im Jarmener Rathaus

Ein Corona-Ausbruch im Rathaus stellt die Verwaltung für den Amtsbereich Jarmen-Tutow vor große Probleme. Eine auch für die Landgemeinden wichtige Abteilung ist besonders betroffen.
Mit den offenen Türen ist es beim provisorischen Rathaus an der Jarmener Lindenstraße erstmal wieder vorbei. Denn i
Mit den offenen Türen ist es beim provisorischen Rathaus an der Jarmener Lindenstraße erstmal wieder vorbei. Denn innerhalb der Verwaltung gibt es aktuelle mehrere Corona- und Quarantäne-Fälle. Stefan Hoeft
Jarmen ·

Als stellte die Corona-Krise alle nicht schon so vor ungeahnte Probleme, kommt es für die Verwaltung des Amtsbereiches Jarmen-Tutow jetzt ganz dick: Mit Stand von Mittwochmorgen mussten sich drei der Rathaus-Angestellten wegen einer Virusinfektion krankmelden, weitere zwei wegen engen Kontakten zu diesen Kollegen in Quarantäne verabschieden. Und das in einer der kleinsten Organisationseinheiten Mecklenburg-Vorpommerns, mit inklusive Führung einem Personalstamm von derzeit 21 Mitarbeitern.

Was bereits ohne Ausfälle durch Urlaub und Krankheiten mitunter für angespannte Situationen bei der Aufgabenbewältigung sorgt, wie insbesondere Bürgermeister und Abgeordnete aus den Landgemeinden in der jüngeren Vergangenheit immer wieder beklagt hatten.

Hauptausschuss tagt im Freien

Während Jarmens Langzeit-Verwaltungschef Arno Karp gerade Urlaub macht, musste sein Stellvertreter Rainer Hardt umgehend in den Krisenmodus umschalten. Der Haupt- und Ordnungsamtsleiter berief für den Vormittag erstmal eine Sitzung des kommunalen Hauptausschusses ein, um sich die nötige Legitimation für weitere Schritte zu holen.

Rund eine Stunde tagte die Runde zusammen mit den Amtsleitern auf dem Hinterhof im Freien und mit Sicherheitsabstand. Danach stand fest, dass die Option eines Schichtdienstes vorerst ungenutzt bleibt, stattdessen die durchgehende Arbeitsfähigkeit in allen Bereichen so weit wie möglich gewährleistet bleiben soll. Verbunden mit der Hoffnung, dass keine weiteren Fälle auftreten, was alles wieder über den Haufen werfen könnte.

Nur noch eine Person pro Büro

Ab sofort werde jedes Büro nur noch mit einer Person besetzt, kündigte der amtierende Chef an. Kontakte von Angesicht zu Angesicht untereinander sollen die Ausnahme bleiben, gemeinsame Mahlzeiten seien passé. Glücklicherweise seien in den vergangenen Monaten schon technischen Möglichkeiten für Home-Office geschaffen worden, allerdings nur in begrenztem Rahmen und nur punktuell einsetzbar. So aber beispielsweise könnten selbst die unter Quarantäne stehenden Leute weiterhin im Dienst bleiben, erläuterte Hardt. „Wir wollen so viel wie möglich an Normalität erhalten. Wir tun unser Möglichstes, können so aber nicht mit Vollgas arbeiten.“

Überdies sei mit Blick auf sämtliche Kommunen vereinbart, alle nicht dringend notwendigen Versammlungen und Besprechungsrunden vorerst abzusagen, ergänzte er. Weil dies weitere Kontakte bedeuten und vor allem Arbeitskraft bei der Vor- und Nachbereitung binden würde. Wie etwa zur Erstellung von Beschlussvorlagen oder Protokollen, ganz abgesehen von den öffentlichen Aushängen.

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Mindestens 14 Tage kein Publikumsverkehr

Rigoros gehandhabt werde der Zutritt für Betriebsfremde im Rathaus, kündigte der Mann an. „Aufgrund der aktuellen Lage werden wir für mindestens 14 Tage keinen Publikumsverkehr mehr zulassen.“ Sprich Kontakte mit Bürgern, Institutionen, Firmen und der übrigen Klientel erfolgten ausschließlich per Telefon, E-Mail oder auf dem Postweg. „Ausnahmen gibt es nur in absoluten Notfällen, etwa wenn ein Todesfall beurkundet werden muss“, erläuterte er. Glücklicherweise sei das für solche Dinge so entscheidende Einwohnermeldeamt vorerst nicht von Corona-Fällen betroffen. Anders sieht es im gerade für die umliegenden Dörfer so wichtigen Bauamt aus, bestätigte er entsprechende Nordkurier-Informationen.

Wie das Virus in die Verwaltung kam, kann der Jarmener Vizebürgermeister vorerst nur spekulieren. „Wir lassen uns seit Ende März einmal die Woche testen, und bisher waren alle Schnelltests immer negativ“, berichtete er. Ab sofort soll der Modus erstmal auf zweimal pro Woche umgestellt werden. Bleiben die Ergebnisse negativ, könnte das Rathaus Ende des Monats wieder in den Normalbetrieb umschalten – abgesehen natürlich von den ohnehin allgemein geltenden Infektionsschutzregeln.

Amtsstüben öfter betroffen

Völlig neu sind personelle Auswirkungen der Corona-Krise auf die Verwaltung in der Autobahnstadt nicht, es gab zumindest schon mehrere Quarantäne-Fälle in der Belegschaft. Wie etwa ausgerechnet vor der jüngsten Bürgermeister-Wahl Anfang März beim hiesigen Gemeindewahlleiter.

Ohnehin sind Amtsstuben am Peenetal bereits des öfteren durch eigene Virus-Ansteckungen teilweise lahmgelegt worden: Im benachbarten Demmin gab es vor und um Ostern gleich ein Dutzend Positiv-Befunde, mindestens weitere sechs mussten in diesem Fall aus Sicherheitsgründen in die Isolation. Und in Anklam sorgte Bürgermeister Michael Galander mit seiner Covid-19-Erkrankung im Herbst 2020 dafür, dass auch weitere Rathaus-Mitarbeiter infiziert beziehungsweise unter Quarantäne gestellt wurden.

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Kommentare (2)

Als ein Einbruch.
Ist doch gut das es mit den offenen Türen wieder vorbei ist.
Das ist ja praktisch eine Einladung zum einbrechen.

Ich glaube es nicht! Dachten die Herrschaften, sie seien immun? Und ausgerechnet diese Laienspielschar soll die Durchsetzung der Hygieneregeln kontrollieren...