Die Funkengarde sorgte mit ihren Tänzen stets für Begeisterung beim Publikum. Doch in dieser Saison bleiben die Kost
Die Funkengarde sorgte mit ihren Tänzen stets für Begeisterung beim Publikum. Doch in dieser Saison bleiben die Kostüme im Schrank. Tobias Holtz
Fasching abgesagt

Corona-Pandemie macht die Lindenberger Jecken traurig

Während sich viele fragen, wie Weihnachten in diesem Corona-Jahr aussehen wird, besteht für die Fünfte Jahreszeit kaum mehr Hoffnung. Auch der letzte aktive Karnevalsverein im Demminer Land leidet unter der Pandemie.
Lindenberg

„Jeder Narr ist frei. Aber die Freiheit endet dort, wo des anderen Narren Freiheit beginnt.“ So steht es im Närrischen Grundgesetz, das üblicherweise am 11.11. um 11.11 Uhr in Mainz öffentlich verkündet wird. Nun ist die Fastnachtshochburg am Rhein zwar einige Rosenmontagszuglängen von Lindenberg entfernt, doch die einzig verbliebenen Narren im Demminer Land halten sich an die Mainzer Statuten: Die traditionelle Faschingsveranstaltung am 11. November wird daher wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden und, auch was die Veranstaltungen im Februar angeht, hat der Vorsitzende des Lindenberger Carneval Club Manfred Ely derzeit wenig Hoffnung.

Dritter Ausfall der Vereinsgeschichte

Zum dritten Mal in der über vierzigjährigen Geschichte des LCC könnte damit die Fünfte Jahreszeit in Lindenberg ausfallen. Einmal, noch vor Elys Amtsantritt, verzichteten die Jecken aus politischen Gründen auf ihren Karneval, ein anderes Mal war der hohe Krankheitsstand im Verein Schuld an der Absage. Nun soll ebendem vorgebeugt werden. „Es ist ein bisschen schade und das Vereinsleben leidet sehr darunter“, sagt der Vorsitzende Manfred Ely. „Aber es gibt eben Sachen, die sehr, sehr viel wichtiger sind, nämlich dass alle gesund bleiben und alle jetzt vernünftig durchs Leben kommen.“

Alternative Veranstaltungen, wie sie etwa in Mainz geplant sind, hält Ely in Lindenberg nicht für sinnvoll: „Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass zum Beispiel Umzüge sehr wenig angenommen werden“, erklärt er. Auch eine Hallenfastnacht im Corona-Modus würde sich seiner Sicht nicht lohnen. „In der Location würde das nicht gehen“, so Ely. „Die Turnhalle ist gerade groß genug. Und wenn wegen der Abstandsregeln und Teilnehmerbegrenzungen nur die Hälfte der Leute kommen würden, bekämen wir das finanziell nicht hin.“ Hinzu kommt das Ausschankverbot. Und so haben die Lindenberger Narren die Konfettikanonen noch nicht geladen, die Garde hält die Füße still.

Langzeitfolgen befürchtet

Sonst beginnt der Verein um den 1. September herum mit den Vorbereitungen und Planungen für die Karnevalskampagne. Doch nachdem sich damals bereits abgezeichnet hatte, dass die Veranstaltungen ausfallen müssen, hatten die Lindenberger Karnevalisten die Saisonvorbereitungen nicht erst eingeleitet. Finanzielle Belastungen konnte der Verein so rechtzeitig abwenden, doch Ely befürchtet ganz andere Langzeitfolgen durch den Ausfall: „Wir hoffen, dass wir dadurch keine Mitglieder verlieren.“

Denn einen weiteren Schwund könnte der Verein aus seiner Sicht nicht verkraften. 21 Närrinnen und Narren halten im letzten noch aktiven Karnevalsverein des Demminer Lands für den Fasching die Stellung und organisieren dabei pro Saison drei Veranstaltungen, darunter auch den Kinderfasching. Normalerweise.

Doch ganz hat die Corona-Krise den Lindenberger Karnevalisten noch nicht die Laune verdorben. Schließlich hat der Karneval in seiner langen Geschichte schon andere Pandemien überstanden. „Wir müssen sehen, wie sich das mit der Pandemie entwickelt“, sagt Ely vorsichtig. „Wir werden erst wieder aktiv, wenn ersichtlich ist, dass Faschingsveranstaltungen wieder möglich sind.“ Wenn sich erst einmal alles wieder normalisiert habe, könne man wieder an Karneval denken. Und dann, hofft Ely, so richtig: „Ich könnte mir vorstellen, dass nach der Corona-Zeit ein gewisser Bedarf entstanden ist und die Leute dann umso mehr Lust haben, mal wieder locker richtig zusammen zu feiern“, sagt er.

 

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