VERSCHWUNDENER HUND

Dalmatiner Campino nur aus Tierliebe behalten

Der Fall des verschwundenen Dalmatiners Campino aus Demmin schlug hohe Wellen. Die Jarmener Familie, die ihn Obhut genommen und gefärbt hat, fühlt sich allerdings zu Unrecht angegriffen.
Karsten Riemer Karsten Riemer
Juliane Heinze aus Demmin freut sich, dass ihr Campino wieder da ist. Der war nach Jarmen gebracht worden – und wurde
Juliane Heinze aus Demmin freut sich, dass ihr Campino wieder da ist. Der war nach Jarmen gebracht worden – und wurde sogar gefärbt. Karsten Riemer
Zu dünn oder ganz normal: Mit Fotos hat die Finder-Familie W. den aus ihrer Sicht kritischen Zustand von Campino dokume
Zu dünn oder ganz normal? Mit Fotos hat die Finder-Familie W. den aus ihrer Sicht kritischen Zustand von Campino dokumentiert. ZVG
Mangelerscheinungen konnten von Seiten der Tierrettung bei dem Welpen jedoch nicht festgestellt werden.
Mangelerscheinungen konnten von Seiten der Tierrettung bei dem Welpen jedoch nicht festgestellt werden. ZVG
Demmin.

Vor gut einer Woche ist der junge Dalmatiner-Mix Campino plötzlich aus Demmin verschwunden. Nach langer Suche, die in den sozialen Medien hohe Wellen schlug, wurde der Welpe schließlich in Jarmen gefunden. Bei der Herausgabe an die rechtmäßige Besitzerin gab es allerdings Schwierigkeiten. Doch die Familie, die den Hund bei sich aufgenommen hatte, sieht sich nun ins falsche Licht gerückt. Denn aus ihrer Sicht hat sie zum Wohl des Tieres gehandelt.

Familie der Findern weist Vorwürfe zurück

„Die Behauptungen, Unterstellungen und Mutmaßungen weisen wir entschieden zurück“, sagt Viola W., die Mutter der Finderin. Als der junge Hund in Demmin entdeckt wurde, sei im näheren Umfeld niemand zu sehen gewesen. Auch nach einer Wartezeit von 15 Minuten, habe niemand nach dem Tier gesucht. Der Eindruck, den der Welpe dabei auf sie gemacht hat, sei allerdings alles andere als gut gewesen. „Dieser Hund bot ein Bild des Jammers, da er in einem erbärmlichen Zustand war“, so W. .

Die Flanken des Dalmatiners seien eingefallen gewesen. Rippen und Beckenknochen standen hervor. „Es war deutlich zu sehen, dass das Tier unterernährt war“, sagt sie. Aus diesem Grund sei man davon ausgegangen, dass der Hund ausgesetzt worden war. „So etwas ist ja heutzutage leider keine Seltenheit mehr“, so die Jarmenerin. Selbst Fotos habe sie gemacht, um zu dokumentieren, wie dünn der Hund am Fundtag war. „Es ist für mich immer noch unverständlich, wie ein Hund, der angeblich so geliebt wurde, in so einen stark mangelernährten Zustand kommen kann“, sagt die Mutter der Finderin.

Schon immer hat es in der Familie Hunde und Katzen gegeben. Mit Haltung, Pflege und Ernährung der Tiere kenne man sich daher aus. „Gerade junge Hunde, egal welcher Rasse sie angehören, sehen bei normalem Futterzustand glatt und rundlich aus“, erklärt Viola W. . Angekommen in Jarmen wurde der Dalmatiner direkt mit Futter versorgt. „Er fraß gierig eine große Büchse Nassfutter und dazu noch einen Großteil an Trockenfutter‘‘, sagt sie. Wasser habe er dabei in Unmengen getrunken. Bereits nach kurzer Zeit habe der junge Hund besser genährt gewirkt. Auch sei der Welpe dabei über die Maßen anhänglich gewesen.

Den Welpen zu färben – Kurzschluss-Reaktion

Als der Suchartikel erschien, wurde aus diesen Gründen die Entscheidung gefällt, nicht zu reagieren. „Er sollte nicht zu Haltern zurück, die ihn nicht gut versorgen“, sagt sie. Auch, dass der Welpe gefärbt wurde, sei nur passiert, um ihn zu schützen. „Das war eine Kurzschluss-Reaktion“, so die Mutter der Campino-Finderin.

Auch gegenüber dem Tierretter Klaus Kraft, der maßgeblich an der Übergabe an die eigentliche Besitzerin beteiligt war, seien die Gründe aufgeführt worden. „Wir schilderten ihm, dass dies alles nach bestem Gewissen und zum Wohle des Hundes geschehen war, um ihn nicht Haltern auszuhändigen, die ihn in so einen untragbaren Zustand hatten kommen lassen“, sagt Viola W. . Dabei will die Familie allerdings betonen, dass zu keinem Zeitpunkt eine Entführung oder eine andere strafbare Handlung stattgefunden hat.

Für Tierretter Klaus Kraft stellt sich der Fall allerdings etwas anders dar. „Der Hund hat für mich überhaupt keinen schlechten Eindruck gemacht“, sagt er. Doch Kraft gibt auch zu, während des Gesprächs mit der Familie W. geäußert zu haben, dass der Welpe etwas mager ist. „Dabei ging es aber darum, die Situation zu lösen und die Übergabe nicht zu gefährden“, so der Tierretter. Er habe in dieser Situation diplomatisch vorgehen müssen.

Freude beim Wiedersehen mit Frauchen

Grundsätzlich sei Campino aber ein ganz normaler Welpe mit einem ganz normalen Zustand. Gewichtsschwankungen seien bei jungen Hunden auch völlig normal. „Die Welpen sind erst moppelig, dann wachsen sie und nehmen ab“, sagt der Tierretter. Auch die Freude bei der Übergabe an sein Frauchen habe gezeigt, dass es dem Hund gut geht.

Für schlechte Menschen hält Klaus Kraft die Jarmener Familie jedoch nicht. „Das ist einfach falsch verstandene Tierliebe“, so der Tierretter. Dennoch sei die Fundunterschlagung auf jeden Fall strafrechtlich relevant. „Und auch vom Färben war ich geschockt, das war grenzwertig“, sagt Kraft.

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