WAHLEN

Darf denn jeder Bürgermeister werden?

Um den Bürgermeisterposten streiten sich in diesem Jahr vielerorts die buntesten Persönlichkeiten. Selbst ein Kater wurde ins Rennen geschickt.
Kater Quarky darf nicht als Bürgermeister ins Rathaus Demmin einziehen.
Kater Quarky darf nicht als Bürgermeister ins Rathaus Demmin einziehen. Kartsen Riemer und Torsten Lohr
Stefan Ewert
Stefan Ewert Uni Greifswald
Klaus-Michael Glaser
Klaus-Michael Glaser Udo Zander (NK-Archiv)
Demmin ·

Bürgermeisterwahlen sind nicht selten für Überraschungen gut. Und in diesem Superwahljahr dürfte sich schon der ein oder andere über den Mut von Außenseiter-Kandidaten gewundert haben. In Neustrelitz und Friedland gehen in diesem Jahr unter anderem ganz neue Gesichter ins Rennen um das Bürgermeisteramt. Gleichzeitig tun sich die Parteien noch immer schwer damit, Kandidaten für den Spitzenposten im Neubrandenburger Rathaus zu nominieren.

Keine politischen Vorkenntnisse notwendig

In der Hansestadt Demmin wurde zuletzt gar der Vorschlag unterbreitet, einen Kater zur Wahl zu stellen – eine Provokation, die für Lacher und Entrüstung gleichermaßen sorgte. So viel vorweg: Der pelzige Vierbeiner scheidet natürlich aus. Schließlich ist er weder volljährig, noch für den Beamtendienst tauglich – und kann von keiner Wahlleitung abgesegnet werden. Wer aber zumindest diese Kriterien erfüllt und nicht zu alt für ein Hauptamt ist, darf sich gewisse Chancen einräumen. Denn politische oder kommunale Vorerfahrung muss ein Kandidat keinesfalls mitbringen.

Da stellt sich wohl manch einer die Frage: Ist das überhaupt sinnvoll? Aus Sicht von Politik-Experten allemal: „Eine Vorab-Festlegung darauf, dass zu einer Wahl nur antreten kann, wer einen bestimmten IQ besitzt, handwerklich besonders begabt ist oder besonders gut Schlittschuh laufen kann, erscheint uns absurd“, sagt Stefan Ewert vom Interdisziplinären Forschungszentrum Ostseeraum der Universität Greifswald. Für den Politikwissenschaftler widerspricht eine solche Eingrenzung jedem demokratischen Politikverständnis.

Die Vorteile einer Direktwahl

Heutzutage wählen die Einwohner direkt ihren Wunsch-Kandidaten. Das hat laut Ewert den Vorteil, dass insgesamt mehr Kandidaten antreten. Der gewählte Bürgermeister müsse außerdem auf mehr Interessen Rücksicht nehmen, könne beispielsweise nicht nur die eigene Partei hofieren. „Parteipolitischer Stallgeruch ist hiernach eher hinderlich für das Durchregieren.“ Eine Art Schwarmintelligenz der Bürger stelle zumeist sicher, dass nicht ein völlig ungeeigneter Bewerber die Wahl gewinnt.

„Der Wähler weiß, was für seine Stadt gut ist“, glaubt auch Klaus-Michael Glaser vom Städte- und Gemeindetag Mecklenburg-Vorpommern. Viele wichtige Fähigkeiten könne ein Bürgermeister nicht in einer Ausbildung oder einem Studium lernen. Er müsse beispielsweise zuhören und Mitarbeiter führen können. Wichtig sei eine schnelle Auffassungsgabe. Denn Kommunalpolitik sei ein sich ständig verändernder Prozess. „Da muss man flexibel sein.“

Erfolgreicher Wahlkampf ist nicht leicht zu stemmen

Daher würden sich keine Formeln für einen idealen Bürgermeister entwickeln lassen. Wer sich in der Wahl durchsetze, entscheide einzig der Bürger. Natürlich könnte sich angesichts der geringen Grundanforderungen theoretisch eine breite Masse für einen Bürgermeisterposten bewerben. Doch es gehöre schon weitaus mehr dazu, einen erfolgreichen Wahlkampf zu führen. Ohne Teamwork sei es kaum zu bewerkstelligen. Darüber hinaus koste es in der Regel eine Menge Geld.

Vor einigen Jahren war das Wahlsystem übrigens noch ein anderes: Erst seit Ende der 1990er-Jahre hat sich die sogenannte Direktwahl in ganz Mecklenburg-Vorpommern durchgesetzt. Zuvor wählte das Kommunalparlament den Bürgermeister. Da dort Parteien oder Wählergruppen breit vertreten waren, konnten sie laut Ewert leichter Mehrheiten für ihren eigenen Kandidaten erreichen. Nach seiner Einschätzung hatte auch das durchaus Vorteile. Ein auf diesem Weg gewählter Bürgermeister kenne unter Garantie den Laden und könne ihn möglicherweise besser steuern. Beide Varianten würden so ihre Vor- und Nachteile besitzen. Eine Rückkehr zur alten Wahlmethode ist aus Ewerts Sicht aber höchst unwahrscheinlich.

Birgt eine lange Amtszeit auch Gefahren?

Dass ein hauptamtlicher Bürgermeister bei Amtszeiten zwischen sieben und neun Jahren nach einigen Wiederwahlen bis zur Altersgrenze von maximal 63 Jahren schon mal genauso lang im Dienst bleiben kann wie etwa der Diktator einer Bananenrepublik, halten viele Wissenschaftler unterdessen für unproblematisch. Wenn der Bürgermeister seine Aufgaben zufriedenstellend erfülle, spreche kaum etwas gegen eine lange Amtszeit, schätzt Politikwissenschaftler Ewert ein. Es bestehe allerdings durchaus die Gefahr, dass ein Amtsinhaber auf seinem Posten irgendwann betriebsblind werden könnte.

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