TIERSCHUTZ

Das Elend mit den verwilderten Katzen

Egal welche Pflichten das Land den Kommunen auferlegt, Fundkatzen lassen sich in Vorpommern momentan nur schwer unterbringen. Die Vermehrung wilder Exemplare auszubremsen, ist weiterhin Ziel.
Das Elend vor Augen: Diesem in Tutow aufgegriffenen jungen Kätzchen konnten Tierschützerin Kerstin Lenz und Bundesfr
Das Elend vor Augen: Diesem in Tutow aufgegriffenen jungen Kätzchen konnten Tierschützerin Kerstin Lenz und Bundesfreiwilligendienstler Ole Patzkowski nicht mehr helfen, wegen eines gebrochenen Beines musste es eingeschläfert werden. Stefan Hoeft
Da sahen die Tierschützer im doppelten Sinne schwarz: An dieser Futterstelle in einer Loitzer Gartenanlage tummelten sich
Da sahen die Tierschützer im doppelten Sinne schwarz: An dieser Futterstelle in einer Loitzer Gartenanlage tummelten sich etliche schwarze Katzen – so einige davon mehr als verwildert und vor allem krank. Auch tote Exemplare lagen herum. Tierschutzbund
Auch am Tutower Pommernring rückten die Tierschützer im vergangenen Jahr mehrmals an, weil ein Anwohner in einem nah
Auch am Tutower Pommernring rückten die Tierschützer im vergangenen Jahr mehrmals an, weil ein Anwohner in einem nahen Waldstück immer wieder Katzen füttert. Der Zustand dieser Stelle und der Tiere war beziehungsweise ist aber alles andere als zufriedenstellend. Stefan Hoeft
Sobald die aufgrund ihrer Freiland-Karriere gar nicht mehr so sanften Stubentiger dingfest gemacht sind, kommen sie zu einem T
Sobald die aufgrund ihrer Freiland-Karriere gar nicht mehr so sanften Stubentiger dingfest gemacht sind, kommen sie zu einem Tierarzt – für eine Untersuchung, Behandlung und vor allem Kastration. Stefan Hoeft
Immer wieder ist die Landestierschutzchefin Kerstin Lenz auch am mittleren Peenetal unterwegs, hier mit Bundesfreiwilligendien
Immer wieder ist die Landestierschutzchefin Kerstin Lenz auch am mittleren Peenetal unterwegs, hier mit Bundesfreiwilligendienstler Ole Patzkowski als Hilfe, um verwilderte Katzen für eine Behandlung einzufangen. Stefan Hoeft/Archiv
Häufig bleiben die Lebendfallen nicht lange leer, zumal sie meist an etablierten Futterstellen aufgestellt werden.
Häufig bleiben die Lebendfallen nicht lange leer, zumal sie meist an etablierten Futterstellen aufgestellt werden. Stefan Hoeft
Tutow ·

Die einen Menschen berufen sich auf ihr großes Herz für Katzen und stellen ihnen im Freien etwas zum Fressen hin. Die anderen sehen sich mit den negativen Folgen dieser Liebe konfrontiert und müssen das daraus resultierende Elend in Grenzen halten: Das Problem mit der Fütterung von verwilderten Katzen stellt auch am mittleren Peenetal nach wie vor einen Teufelskreislauf dar.

Erhebliche Kosten

2021 dürfte dies erneut zum Einschreiten von Kommunen und Tierschützern zwingen. Verbunden mit erheblichen Kosten. So jedenfalls schätzt es Kerstin Lenz aus Randow ein, die Vorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes für Mecklenburg-Vorpommern und seit Jahrzehnten in dieser Frage vor Ort aktiv. Sie und ihre Mitstreiter starten bereits im Januar wieder landesweit mit Kastrations-Aktionen.

Von der Idee, solche Futterstellen gänzlich zu verhindern, hat sich die Frau längst verabschiedet. „Es gibt einfach Menschen, bei denen kannst du das nicht unterbinden. Die sparen sich das vom Munde ab, kochen sogar extra für die Tiere“, weiß sie. Da würden langfristig weder Appelle noch Ordnungsmaßnahmen helfen, zumal die Betroffenen die negativen Folgen meist ausblendeten. Und letztlich seien ihr diese Zweibeiner hundertmal lieber als jene, die Stubentiger einfach in der Regentonne ersäufen, in Müllcontainern jämmerlich verrecken lassen oder als Objekt für Zielübungen missbrauchen.

„Solche Futterstellen sind auch nicht per se schlecht“, stellt die Landesvorsitzende klar. Um mit einem damit zusammenhängenden Vorurteil aufzuräumen: Selbst wenn die Samtpfoten sich erst mal sattfräßen, sorgten ihr Spiel- und Beutetrieb dafür, dass sie in der restlichen Zeit weiter auf Nahrungsjagd gingen. Sie würden also trotzdem jede Menge Nager fangen, leider auch ein paar Vögel. „Das eigentliche Problem sind die Zustände an den Fütterungsstellen und die unkontrollierte Vermehrung“, so Kerstin Lenz.

Mehr lesen: Tierheimen drohen Finanzierungsprobleme

Streuner meist krank und voller Parasiten

Viel zu oft müssten Tierschützer an Brennpunkte ausrücken, wo verletzte, von Parasiten befallene oder etwa an Krankheiten wie Katzenschnupfen leidende Vierbeiner umherstreunten oder besser gesagt vor sich hin vegetierten. Nicht selten verendeten die Tiere irgendwann qualvoll oder müssten durch einen Veterinär von ihren Leiden erlöst werden.

So etwas gelte es schon im Vorfeld zu verhindern, am besten mittels konsequenter Sterilisation und Einflussnahme vor Ort.

Als eines der jüngsten Beispiele in der Region führt die Randowerin den Tutower Pommernring ins Feld, wo ein Anwohner mitten in einem angrenzenden Gesträuch zwischen allerlei Unrat regelmäßig Futter verteilt. „Ich habe eben ein Herz für Tiere, andere haben das nicht“, begründete der Mann im Gespräch mit dem Nordkurier seine Fürsorge, redete von mindestens zehn Schützlingen. „Ich gebe denen Futter, damit die nicht verhungern.“ Herz und Verstand kämen hier leider nicht zusammen, kommentierte Kerstin Lenz mit Blick auf die teilweise kranken beziehungsweise verstümmelt erscheinenden Katzen.

Mehrmals Lebendfallen

Sie und ihre Helfer stellten im August/September mehrmals Lebendfallen in dem Gelände auf. Sie bekamen so jeweils fünf weibliche und männliche Exemplare zu fassen, die umgehend Tierarzt Olaf Hecht in Jarmen vorgestellt wurden. „Alle Tiere wurden kastriert, gegen Endo- und Ektoparasiten behandelt und wieder in die Freiheit entlassen“, schildert sie. Bis auf einen blinden Kater und eine kleine Katze mit einem gebrochenen Bein, die eingeschläfert wurden, weil sie nicht alleine hätten überleben können, sich wegen ihres wilden Aufwuchses aber an niemanden vermitteln ließen.

Ähnliche Sorgen macht den Tierschützern ein Herr aus Loitz, der nach wie vor in seinem Garten Samtpfoten füttert und sie sich unkontrolliert paaren lässt. Schon 2019 hätten sie dort eingegriffen, weil die Parzelle nahe der Kita stark verschmutzt und ein Seuchenherd gewesen sei, es kranke und tote Katzen gab, berichtet Kerstin Lenz. Am Ende seien acht Exemplare in die Fallen gegangen und behandelt worden. Leider hätten weder Ordnungs- noch Veterinäramt damals von sich aus geholfen. „Und das ist da jetzt schon wieder ein Problem.“

„Wir sind für jede Katze verantwortlich“

Gleiches befürchtet sie für die Zukunft wieder in Tutow, wo längst nicht alle Streuner dingfest gemacht werden konnten. Allerdings wisse sie da die örtliche Verwaltung hinter sich, lobte den seit Jahren bestehenden Schulterschluss. „Wir sind dem Amt in Jarmen sehr dankbar, das sie die Kastrationen finanzieren, denn nur so kann die Population der freilebenden Katzen begrenzt werden.“ Wobei die neue Verordnung des Landes die Kommunen nun ohnehin in Zugzwang bringe – sowohl für die Futterplätze als auch die Behandlung.

„Wir sind für jede Katze verantwortlich“, bestätigte Ordnungsamtsleiter Rainer Hardt in der jüngsten Sitzung des Amtsausschusses Jarmen-Tutow. Eine Unterbringung von solchen „Findelkindern“ stelle sich allerdings viel schwieriger als bei Hunden dar, wenn nicht gar als unmöglich. Denn so gut wie alle Katzen-Plätze in Tierheimen und -pensionen seien mittlerweile ausgelastet.

Katzenschweme und Chip-Pflicht

„Wir werden eine Futterstelle vorhalten müssen“, machte er den Vertretern der Amtsgemeinden klar. Verbunden mit der Ankündigung, weiterhin die Sterilisierungsaktion zu unterstützen. „Ansonsten hätten wir eine Katzenschwemme.“

Die Kommunen sehen allerdings noch mehr Handlungsbedarf seitens des Landes außer der finanziellen Unterstützung für diese Kampagne. „Man brauchte eine Chip-Pflicht für Hunde und Katzen“, forderte etwa der Jarmener Bürgermeister und Verwaltungschef Arno Karp. In die gleiche Kerbe hieb Tierarzt Hecht, im Ehrenamt Dorfoberhaupt von Daberkow. Mit einer Markierung für die Tiere ließen sich die Probleme reduzieren, zumindest die Verantwortungsfrage leichter zuordnen, zeigten sich die Befürworter überzeugt.

Zu denen zählt auch Kerstin Lenz, die noch einmal an alle Katzenbesitzer appellierte, ihre „Freigänger“ unbedingt kastrieren zu lassen. „Denn jede wilde Katze stammte einmal von einer Hauskatze ab, wo verantwortungslose Katzenbesitzer sich nicht um ihren Nachwuchs gekümmert haben.“

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Kommentare (8)

Frau Lenz lässt Katzen töten, weil sie blind sind und ein gebrochenes Bein haben. Kommt das nur mir so komisch vor.
Da möchte man als Katze echt nicht geschützt werden. Ohne Frau Lenz hätten die Tiere wohl noch weiter gelebt.

Ich denke nicht, daß die Frau die Katzen leichtfertig getötet hat.
Vielmehr gehe ich davon aus, daß ein Tierarzt aus medizinischen Gründen, die Katzen eingeschläfert hat.

da dreht sich mir der Magen um. Aber wahrscheinlich haben Sie sich Ihren Schulabschluss herbei gezaubert.
Wichtig für Hilfszauberer: "Nazis sind immer die Anderen."

könnte man dich auch einschläfern natürlich nicht leichtsinnig

löst das Problem mit einem Schädlingsbekämpfer - kostet weniger - erspart den Tieren Leid und den Menschen Ärger - was ist das Problem?

für alle verwilderten und wildernden Hauskatzen - so wie in Australien - muss dringend auch in Europa anlaufen!. Dort läuft es schon über ein Jahr lang zu Schutz seltener Kleinsäuger und Vögel. 1,5 Millionen Katzen wurden schon abgeschossen.

Sie sind wohl nicht ganz bei Trost. Wissen Sie nicht, daß die Chips auch zu gesundheitlichen Problemen bei den Tieren führen können? Wollen Sie hier evt. den Tierärzten und den Chipherstellern zu mehr Umsatz verhelfen?

DAS PROBLEM MIT DEM FÜTTERN.

Wer das verzweifelte Miauen eines kleinen ausgesetzten Kätzchens tagelang ertragen kann, bitteschön.

Eine Katze ist verdammt zäh. Aus medizinischen Gründen einschläfern ist das Tierunfreundlichste, was ich je gelesen habe bei diesen o.g. Tieren.

Ich kann nur jedem raten, dem kleine Katzen zulaufen, sich selbst zu kümmern: bei Behörden nachfragen, ob sie vermißt werden und wenn nicht, sie in liebevolle Hände vermitteln.
Nachdem mir eine Veterinärärztin erklärte, was mit kleinen oder auch erwachsenenen Katzen passiert, die in ein Tierheim kommen, werde ich nie eine Katze dort abliefern.
Sie werden nämlich erst einmal für zwei Wochen in einen kleinen Käfig in Quarantäne gesperrt.
Nach einer Besichtigung beim Tierschutz kommt mir auch das Gruseln. Dort sitzen Katzen, die vermittelt werden sollen, auch auf engstem Raum in einem Gebäude. Ihr Tierschützer, faßt Euch erst einmal an die eigene Nase.
Ich weiß, daß Geld fehlt, aber stellt keine Forderungen auf, die den Tieren auch schaden können, wie das dämliche Chippen.

Bürgermeister und Tietschützer. Eine Chippflicht kann in keinem Fall akzeptiert werden, weil das auch zu Krebserkrankungen führen kann. Entzündungen und Abzesse sind nur das kleinere Übel.
Der Tierarzt muß das wissen, wenn er sich auch mit den kritischen Tierärzten befaßt. Kritische Tiermedizin.de
Oder hat der Tierarzt erst einmal nur seine Geldbörse im Blick.
Mit einer ganz speziellen Tierärztin, die sich angeblich ganz besonders dem Tierschutz verpflichtet fühlt, habe ich bzw. mein Tier Übles erlebt.
Gott sei Dank gibt es noch anständige Tierärzte, die wirklich das Tierwohl verfolgen und nicht in erster Linie an das Finanzielle denken. Dabei will ich es belassen.