TAG DER BEFREIUNG

Demmin gedenkt seiner Weltkriegs-Opfer

Zum 75. Jahrestag Kriegsendes wird in Demmin wie in den Jahren zuvor der Opfer gedacht – und gehofft, dass am 8. Mai die Corona-Krise Aufmärsche von Rechtsextremen und Gegendemonstranten verhindert.
Politik und Verwaltung haben am Montag der Opfer der Demminer Tragödie 1945 gedacht. Eine weitere Kranzniederlegung ist a
Politik und Verwaltung haben am Montag der Opfer der Demminer Tragödie 1945 gedacht. Eine weitere Kranzniederlegung ist am 8. Mai geplant. Karsten Riemer
Am langen ersten Maiwochenende hatte sich die Demminer IVD bereits zu einem Gedenken am Hanseufer eingefunden.
Am langen ersten Maiwochenende hatte sich die Demminer IVD bereits zu einem Gedenken am Hanseufer eingefunden. ZVG
Demmin.

Mai 1945 – die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs brechen in der Hansestadt an. Nach Abzug der deutschen Truppen ist die sowjetische Armee eingerückt. Die Stadt brennt, Tausende Menschen nehmen sich das Leben. Ein historisches Ereignis, welches bis heute einen Schatten auf Demmin wirft. Auch zum 75.  Jahrestag sind diese Opfer des Krieges unvergessen. Gemeinsam mit Vertretern aus Stadtpolitik, Verwaltung und der Kirche hatte Bürgermeister Michael Koch (CDU) daher am Montag zu einer stillen Andacht auf dem Friedhof geladen.

Neben dem Gedenken an die historischen Begebenheiten mahnte Koch jedoch, den wahren Ursprung für das Leid im Blick zu behalten. „Es darf niemals vergessen werden, dass die Ursache für all das Elend letztlich in der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 lag“, so der Bürgermeister. Denn trotz der dramatischen Ereignisse in der Stadt dürfe nicht unerwähnt bleiben, dass das Kriegsende für all jene, die unter dem Naziregime zu leiden hatten, im wahrsten Sinne des Wortes Befreiung bedeutete.

Banges Warten auf Auskunft vom Landkreis

Im Vorfeld hatten sich bereits die anderen Fraktionen der Stadtpolitik – UWG, AfD und IVD – jede für sich zusammengefunden, um ihrer Anteilnahme Ausdruck zu verleihen. So wurden um das lange Maiwochenende bereits mehrere Kränze und Blumen niedergelegt. Für die IVD führte der Weg dabei einmal mehr zum Hanseufer. Mit dem dortigen Tulpenbeet wird dauerhaft der Demminer Opfer gedacht. „An diesen Ort brauchen wir keine Blumen mitbringen, sie sind schon da“, sagte der Vorsitzende des Interessenverbundes Karsten Behrens. Für die kommenden Jahre soll der Platz an der Peene sowie das Datum 2. Mai nun ganz offiziell Gedenkort und -tag für die IVD werden.

Trotz ergreifender Erinnerung an die düstere Vergangenheit richtet sich der Blick in der Hansestadt auch auf die Ereignisse, die da noch folgen könnten. Denn am 8.  Mai jähren sich der Tag der Befreiung und damit die Demonstrationszüge durch Demmin. Offizielle Bestätigungen großer Aktionen gibt es laut Bürgermeister Koch bislang nicht. „Vermutlich bekommen wir am Mittwoch dazu Auskunft vom Kreis“, sagte er. Allerdings besteht auch beim Stadtoberhaupt der vorsichtige Optimismus, dass die derzeitige Corona-Krise diesbezüglich ihr Gutes hat. „Ich hoffe sehr, dass sie wenigstens dazu führt, dass dieses Jahr nicht wieder Anhänger der NPD mit einem Gefolge von lautstarken Gegendemonstranten durch die Stadt ziehen werden, um diesen denkwürdigen Tag für ihre Propaganda zu missbrauchen“, so Koch.

Weitere Kranzniederlegung und Trauertuch-Enthüllung

Eine weitere Kranzniederlegung wird es seitens der Stadt an diesem Tag dennoch geben. Und auch die offizielle Enthüllung des Demminer Trauertuchs durch die evangelische Kirchengemeinde ist fest eingeplant. Einen Rundmarsch schließt Koch für sich allerdings aus. Unterdessen hat das Aktionsbündnis 8.  Mai bereits bekannt gegeben, dass ihnen mehrere stationäre Versammlungen vom Ordnungsamt gestattet worden sind. Wie und wo diese postiert sind, ist allerdings noch offen. Klar ist jedoch der allgemeine Aufruf, in die Hansestadt zu kommen und das Ende von Weltkrieg und Faschismus zu feiern.

Welche Blüten die Demonstrationen, egal welcher politischer Ausrichtung, in diesem Jahr treiben, bleibt demnach abzuwarten. Schlussendlich liegt die Entscheidungsgewalt über derartige Veranstaltungen in der Corona-Krise bei den zuständigen Ordnungsämtern oder im Zweifel bei den Verwaltungsgerichten.

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Kommentare (1)

Die "Befreiung" Demmins ist ein Paradebeispiel dafür, wie Helmut Schmidt über den Krieg dachte. Im Krieg verschwimmen die Grenzen zwischen gut und böse bis zur Unkenntlichkeit.