Zu den Stadtspaziergängen trafen sich unterschiedliche Einwohner mit unterschiedlichen Perspektiven, aber einem gemeinsam
Zu den Stadtspaziergängen trafen sich unterschiedliche Einwohner mit unterschiedlichen Perspektiven, aber einem gemeinsamen Ziel: ihre Stadt lebenswerter zu machen. Christine Gerhard
Ideen

Demmin sammelt Bürger-Wünsche für die Innenstadt

Wie kommt mehr Leben nach Demmin? Ein neues Projekt soll diese Frage mit möglichst vielen Bürgern klären. Zum Auftakt ließ sich eine wichtige Gruppe aber nicht blicken.
Demmin

Sie sei verliebt in Demmin. Bei jeder längeren Urlaubsreise vermisse sie den vertrauten Anblick des Kirchturms, gestand eine Anwohnerin bei der Vorstellungsrunde zum Stadtspaziergang am Donnerstag. Manches störe sie dann aber doch an ihrer Heimatstadt. So wie dieser Frau geht es vielen Demminern, die in dieser Woche an den Gesprächsveranstaltungen teilnahmen. Statt „immer nur zu meckern“ wollten sie die Gelegenheit nutzen, ihre Verbesserungsvorschläge und Wünsche produktiv einzubringen.

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Innenstadt soll belebt werden

Eingeladen hatte dazu das Deutsche Institut für Urbanistik (DIFU) in Zusammenarbeit mit der Hansestadt Demmin. Diese ist eine von vier Modellstädten deutschlandweit, die derzeit an der Pilotphase des Bundesprojekts „Kleinstadtakademie“ beteiligt sind. Kernanliegen ist dabei die Belebung der Innenstädte.

Eines der Formate, die in der Pilotphase unter wissenschaftlicher Begleitung und professioneller Moderation getestet werden, waren die Stadtspaziergänge in Demmin am Mittwoch und Donnerstag. In lockerer Atmosphäre konnten sich Anwohner hier mit Vertretern der Verwaltung und den Moderatorinnen, aber auch untereinander zu ihrer Sicht auf die Stadt, über Wünschen, Sorgen und Verbesserungsideen austauschen. Um möglichst jedem die Möglichkeit zu geben, sich zu äußern, wurden mehrere Runden zu unterschiedlichen Uhrzeiten angeboten: eine für Senioren, eine für Jugendliche, eine für Vereine, Verbände und Organisationen, eine für Händler und Unternehmer und eine für alle übrigen Bewohner.

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Kinder und Jugendliche beteiligten sich nicht

Letztere und die Senioren bildeten laut Nancy Klevenow von der Stabsstelle für Marketing, Tourismus und Wirtschaftsförderung mit zehn bis zwölf Teilnehmern die größten Gruppen bei den Spaziergängen. Kinder und Jugendliche jedoch waren trotz Werbung bei Schulen und Kitas und den Jugendgruppen nicht erschienen. „Uns war klar, dass das nicht das ideale Format für die Jugendlichen ist“, räumte Elke Bojarra-Becker vom DIFU ein.

Einladen wollte man sie aber trotzdem und auch der Spaziergang fand statt. „Es waren Axel Schulz vom Jugendhaus und Wibke Seifarth da, die viel Kontakt mit den Jugendlichen haben und ihre Wünsche kennen“, so Klevenow. Insgesamt habe sie den Austausch in den beiden Tagen als „qualitativ wirklich gut“ empfunden, die Gruppengrößen als für das Gesprächsformat ideal.

„Wir hatten lange und intensive Gespräche, am Mittwoch haben wir bis 21 Uhr zusammengesessen. Man sieht die Stadt durch das Format noch einmal aus einer anderen Perspektive.“ Bei den Gesprächen sei es auch, aber nicht nur um die großen Themen Leerstand, Wirtschaft und Nachfolge gegangen. „Es sind insbesondere viele Kleinigkeiten aufgekommen, die zum Teil relativ leicht zu lösen sind und die uns teilweise bisher nie aufgefallen sind“, erklärt Nancy Klevenow.

Jede Menge Ideen für Demmin

Mehr Außenwerbung für Demmins Unternehmen, Räume für private Sportgruppen, Papierkörbe, Parkplätze, Erreichbarkeiten, Veranstaltungen für Jugendliche, Außenbestuhlung an Restaurants... Wo kann man sich in Demmin noch abends auf ein Getränk treffen oder draußen einen Kaffee trinken? Wo können die Jugendlichen, abseits von betreuten Angeboten, in ihrer Freizeit hingehen? Auch derlei Kritik kam auf. „Ich war überrascht, wie offen die Gespräche waren, wie viel Input die Bürger gegeben haben und wie gut sie auch untereinander ins Gespräch kamen“, bewertet Beate Hollbach-Grömig vom DIFU das Format als positiv.

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Die Ergebnisse würden nun aufbereitet. „Nach und nach wird dann geschaut, was man aufgreifen kann und welche Partner dabei wichtig sind.“ Erste Resultate sollen möglichst bald sichtbar werden. Für die Realisierung erster kleinteiliger Entwicklungsmaßnahmen steht der Hansestadt im Rahmen des Projekts ein Budget von 15.000 Euro zur Verfügung. Eine Aufführung der Ergebnisse gehe laut DIFU überdies an die Stadt zurück

Und die könnte noch mehr von dem Projekt mitnehmen: „Ich würde solche Gesprächsrunden gerne weiterführen und regelmäßig anbieten“, bilanziert Nancy Klevenow. „Es ist ein super Format.“ Sie habe festgestellt, dass gerade der Austausch untereinander von vielen gewünscht sei.

 

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