WEM GEHÖRT GESCHICHTE?

Demmin streitet um ein schwieriges Erbe

So versteckt das alte Ulanendenkmal auch am Hang der Tannen steht, vergessen haben die Demminer das Memorial nie. Nun wird es wieder aktuell: Eine Informationstafel soll her. Nur, was soll draufstehen? Nur die Tradition? Oder auch das Wort "Krieg"?
Thoralf Plath Thoralf Plath
Demmins Ulanendenkmal: 1924 erbaut, von den Nazis für ihren rassistischen Germanenkult missbraucht, 1945 von den Sowjets zerstört, nach der Wende zum Teil wieder aufgebaut. Was schreibt man im 21. Jahrhundert auf die Informationstafel eines solchen Memorials aus Zeiten des Nationalismus?
Demmins Ulanendenkmal: 1924 erbaut, von den Nazis für ihren rassistischen Germanenkult missbraucht, 1945 von den Sowjets zerstört, nach der Wende zum Teil wieder aufgebaut. Was schreibt man im 21. Jahrhundert auf die Informationstafel eines solchen Memorials aus Zeiten des Nationalismus? Plath
Demmin.

Angeblich wächst der Mensch mit seinen Aufgaben, und da das vermutlich stimmt, darf sich Thomas Witkowski wohl auf eine interessante Zeit freuen. Zur Vorbereitung darauf wäre ein Spaziergang in die Demminer Tannen zu empfehlen und dortselbst – eine vertiefende Betrachtung des Ulanendenkmals. Denn Witkowski, Vorsitzender des Kulturausschusses der Stadtvertretung, hat gerade ein weiteres Ehrenamt übernommen: die Gründung einer Arbeitsgruppe zu koordinieren, deren Inhalt und Ziel der künftige Umgang der Hansestadt mit ihrer vielleicht umstrittensten historischen Gedenkstätte angeht. Was soll werden aus dem trutzigen Memorial für das „2. Pommersche Ulanenregiment Nr. 9“, wie bindet man es in die Demminer Denkmallandschaft ein, was könnte, sollte, müsste auf einer Informationstafel stehen?

Wie weit einerseits die Meinungen auseinandergehen darüber und andererseits ein gemeinsamer Demminer Wunsch spürbar ist, sich dem Thema offener zu stellen – das zeigte sich deutlich in der Beratung des Kulturausschusses, der eigens dazu im Regionalmuseum tagte, auch dies eine bezeichnende Premiere. Der Vorschlag von Museumsmitarbeiterin Petra Clemens in Richtung Hansestadt, gemeinsam eine Informationstafel zu gestalten und aufzustellen, um auf das Ulanendenkmal aufmerksam und diese militärhistorische Tradition Demmins wieder bekannter zu machen, stieß zwar zunächst auf den Einwand von Ordnungsamtschef Günter Behnke. Ein solches Schild habe es bereits gegeben und nach wiederholten Zerstörungen habe man davon abgesehen, es wieder aufzustellen, erinnerte der Vizebürgermeister an die frühen 1990er Jahre. Gerade auch diesem politisch bedingten Vandalismus müsse man sich offen stellen, mit den Gegnern dieser Art Gedenkstätten das Gespräch suchen. Eine solche Debatte gehöre für ihn mit in den zivilgeschichtlichen Kontext einer Erinnerungskultur, entgegnete Museumschef Hans Clemens.

Seitens des Kulturausschusses war viel Entgegenkommen für die Offerte des Museums zu spüren. „Wir wären nicht hier, wenn uns nicht das gemeinsame Interesse an der Geschichte der Ulanen am Herzen läge“, sagte Thomas Witkowski. „Die Ulanenzeit gehört zur Demminer Historie, ganz gleich wie der einzelne zu diesem Thema steht. Wir haben ein Museum in der Stadt, und es sollte sich da einbringen. Aber für eine Diskussion, in welcher Form man eine solche Tradition erinnert, halte ich Meinungen von Fachleuten für wichtig. Denn was sicherlich niemand will, ist eine einseitige Darstellung der Geschichte.“

Das führte geradewegs zum Vorschlag, eine Arbeitsgruppe mit diesem Thema zu beauftragen. Ein Gremium also, in dem sowohl das gesammelte Wissen des Museums als auch Sachverstand von Experten gebündelt werden sollen. Auch Karsten Behrens wird in der Gruppe arbeiten. Der Demminer beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Geschichte der Ulanen in Demmin und hat bereits ein touristisches Faltblatt zum Thema herausgegeben - in Kürze folgt ein erstes Buch, zur Kunstnacht am 10. Mai. Dass die sehr sachliche Sichtweise des Militärhistorikers sich in mancher Färbung und Interpretation von der des Museums unterscheidet, liegt in der Natur eines solchen Denkmals, das im Wechsel der Herrschaften immer wieder zwischen die ideologischen Fronten geriet. Darum war Karsten Behrens eines auch wichtig zu betonen: „Zur Zusammenarbeit bin ich bereit. Einen Alleinvertretungsanspruch des Museums auf das Thema Ulanen lehne ich ab.“

 

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