Der passionierte Demmin-Forscher Wolfgang Fuhrmann (links) starb im Alter von 70 Jahren im Kreise seiner Familie. Im Alter von
Der passionierte Demmin-Forscher Wolfgang Fuhrmann (links) starb im Alter von 70 Jahren im Kreise seiner Familie. Im Alter von 92 Jahren verstarb wenige Tage später Heinz-Gerhard Quadt, einer der bedeutendsten Historiker der Hansestadt. NK-Archiv
Nachruf

Demmin trauert um zwei Männer, die Geschichte schrieben

Zwei Ikonen der Stadtgeschichte und bedeutende Historiker hat Demmin im Juni verloren. Wolfgang Fuhrmann und Heinz-Gerhard Quadt hinterließen tiefe Spuren.
Demmin

Die Geschichte der Hansestadt ist eine – von der stolzen Wiege Vorpommerns ausgehende –, die vielfältige Höhen und Tiefen verzeichnet. Noch heute hallen diese als Echo wider. So sind es oft die Narben Demmins, die zur Sprache kommen, wenn von historischen Ereignissen die Rede ist. Doch die Vergangenheit hat weit mehr zu bieten als Blut, Schweiß und Tränen. Minutiös aufgearbeitet und festgehalten wurde dies von zwei Männern, welche sich hier – dank ihrer Liebe zur Heimat – selbst einen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert haben.

Vor allem in jenen, bei denen sie selbst die Feder führten, werden ihre Namen nicht verblassen: Wolfgang Fuhrmann und Heinz-Gerhard Quadt. Diejenigen, die sich mit der Historie der Stadt befassen – sei es mit Bildern oder Schriften – werden über kurz oder lang den beiden Herren begegnen. Zumindest in dem, was sie hinterlassen haben. Der direkte Austausch allerdings fehlt künftig. Denn Fuhrmann und Quadt, für die das Wort Stadtchronist eigens erfunden scheint, auch wenn sie den Titel nie offiziell trugen, sind nun Teil dieser Chronik.

Drei Bücher über die Hansestadt geschrieben

1936 kam Heinz-Gerhard Quadt von Barth nach Demmin – die Stadt, der er bis zu seinem Tod im Alter von 92 Jahren am 22. Juni 2022 die Treue hielt. Beruflich bis 1991 als Lehrer an der Roten Schule – als Historiker bis in die Zukunft. Die Straßennamen im Gewerbegebiet tragen seine Handschrift. Drei Bücher über die Hansestadt hat er geschrieben. „Demmin wie es früher war“ Band eins und zwei sowie „Demmin eine Hansestadt in Vorpommern“ öffnen präzise und ungeschönt ein Fenster in die Vergangenheit. Erstgenannte sind gar zu seltenen Sammlerstücken avanciert, die maximal antiquarisch verfügbar sind.

Quadt war jedoch nicht nur ein penibler Autor, der seine Recherchen – wie sich der langjährige Weggefährte Karsten Behrens erinnert – zur besseren Übersicht auf dem Boden ausbreitete. Im Herzen blieb der Pädagoge auch im hohen Alter ein Lehrer, der anderen Geschichtsinteressierten mit Rat und Tat zur Seite stand. Bisweilen gar mit dem Rotstift, wenn seine Expertise gefragt war. Auf diese griff selbst Wolfgang Fuhrmann vor der Veröffentlichung seiner Werke zeitweise zurück.

Stets respektvoll tauschten sich die Heimatforscher aus. Die umfassenden Anmerkungen des älteren Historikers an Fuhrmanns Manuskripten zeugen von der gegenseitigen Wertschätzung. In der Liebe zu Demmin waren sie immer verbunden – obwohl der Jüngere seinen Lebensmittelpunkt nach Alt Rehse verlegt hatte. Dort verstarb Wolfgang Fuhrmann am 20.  Juni mit 70 Jahren im Kreise seiner Angehörigen.

Tiefe Recherchen mit Liebe zum Detail

Wirklich weg war der gebürtige Demminer aus der Hansestadt indes nie und wird es auch nicht sein. Die regelmäßigen Besuche zu Lebzeiten ebenso wie seine Artikel in den Demminer Nachrichten hatten Bestand. Fuhrmanns umfassende Publikationen über Demmin haben es weiterhin.

Ob in der Zeitung, als Broschüre oder Buch – die Expertise des Stadthistorikers erstreckte sich über ein weites Feld. Er arbeitete Details auf, die vorher oft unbeachtet blieben. „Demminer Kleinbahnen“ und „Die Festung Demmin in den Kriegen des 17.  Jahrhunderts“ sind nur zwei Beispiele für die Tiefenrecherche, die Fuhrmanns Arbeit auszeichnete. Dessen ältere Werke haben zudem mittlerweile selbst einen gewissen antiquarischen Seltenheitswert – selbst in gut sortierten Bibliotheken. Die Freude an alten Demminer Postkarten gipfelte unter dem Titel „Tausend Grüße“ 2009 in einer eigenen Ausstellung in der Hansestadt.

Doch es ist nicht nur das reine Fachwissen, welches Fuhrmanns Vermächtnis darstellt. Vielen Demminern dürfte er durch den morgendlichen Blick in den Kalender ungleich bekannter sein. „Historische Ansichten aus Demmin“ bringen Geschichte und Gegenwart in Einklang – und werden es 2023 ein weiteres Mal tun. Schon im Februar ging die beliebte Zusammenstellung in den Druck. Der Wunsch Fuhrmanns: Sie soll unter allen Umständen erscheinen.

Zwei, die es verstanden, ihre Begeisterung zu übertragen

Ein letzter Gruß zum Abschied, der über den Verlust der zwei bedeutenden Persönlichkeiten jedoch nur schwerlich hinweghelfen kann. „Dass diese beiden Männer, die die wichtigsten Demminer Historiker waren, verstorben sind, ist ein Schicksalsschlag“, sagt Karsten Behrens, der als Heimatforscher selbst viele Jahre mit beiden in engem Austausch stand.

In erster Linie ist es jedoch Dankbarkeit für das Wirken von Quadt und Fuhrmann, welche trotz aller Trauer hervorsticht. Als Lehrer, Historiker, Experten, Autoren, Gesprächspartner und Freunde haben sie Spuren hinterlassen. „Wir verlieren damit zwei Ikonen der Stadtgeschichte“, so Demmins stellvertretender Bürgermeister Ronny Szabó im Namen der Stadt.

Menschen, die es verstanden haben, ihre Begeisterung zu übertragen, und damit Demmin sowie die Entscheidungsträger der Stadt an vielen Stellen formten. „Ihre Unterstützung hat uns in historischen Fragen oft weitergebracht, dem habe ich auch persönlich viel entnommen“, fasst Stadtpräsident Eckhardt Tabbert zusammen.

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