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Während andere Mitglieder wegen eines neuen Beitragserhebungssatzes aus dem Tourismusverband aussteigen wollen, werden die Kosten für Demmin sogar geringer. Doch was genau bekommt die Stadt dafür? Karsten Riemer
Marketing

Demmin will mehr touristische Präsenz

Als touristisches Aushängeschild der Seenplatte wird die Müritzregion entsprechend vom Tourismusverband beworben. Doch welche Chancen hat Demmin bei der Vermarktung?
Demmin

Für den Tourismus in der Mecklenburgischen Seenplatte ist die Müritzregion ein Zugpferd. Doch Waren und das an der Kreisgrenze gelegene Demmin trennt rund eine Stunde Autofahrt. Was hat die Hansestadt vom Tourismus an Deutschlands fernem größtem Binnensee und der Arbeit des Tourismusverbands, der ihn aus Sicht von Marcel Völs (CDU) und weiteren Stadtvertretern vor allen anderen vermarktet? Bleibt Demmin im Schatten der Müritz zurück?

Im Gegenteil, findet der Tourismusverband Mecklenburgische Seenplatte, der bei einem Vortrag beim Demminer Ausschuss für Wirtschaft, Umwelt und Tourismus ein anderes Bild wählte: Besuchermagneten wie die Müritz strahlten auf die gesamte Region aus. „Alle Partner sind auf dem Webportal vertreten, das die Besucher nutzen, um sich zu orientieren“, so der Geschäftsführer des Verbandes, Bert Balke. Zu gewährleisten, dass von den „priorisierten Partnern mit großem Mehrwert“ auch die übrige Region profitiert, ist nach Angaben von Online-Manager Robert Neidel eine der Aufgaben des Tourismusverbands, der die weitere touristische Markenbildung des Landkreises zu seinem Kernziel erklärt hat.

Demmin bisher „nur” Teil der Region Kummerower See

Die Arbeit des Verbands basiert dabei auf dem Solidaritätsprinzip. Landkreis, Kommunen und Unternehmen zahlen einen Mitgliedsbeitrag. Dafür gibt es einen Grundeintrag auf der Webseite, Vorteile durch Einkaufsgemeinschaften, die Bereitschaft des Verbands, gemeinsam individuelle Ideen zu entwickeln und Anteile an Förderungen. „Wenn wir Förderungen generieren, gibt es für jeden Ort etwas“, erklärte Balke.

Etwas spezifischer vermarktet der Verband die Region um den Kummerower See, zu der er auch Demmin zählt, seit 2018 mit einem eigenen Internetportal. Darüber hinaus ist die Hansestadt seit diesem Jahr mit der neuen Stabsstelle für Marketing, Tourismus und Wirtschaftsförderung auch im Marketingausschuss des Verbandes vertreten. Alles andere aber ist Bonus. „Wenn es explizit um die Vermarktung eines Ortes geht, dann sind damit zusätzliche Kosten verbunden“, stellte Balke klar. Das Geld gehe dann nicht in erster Linie an den Tourismusverband, sondern auch an etwaige externe Dienstleister.

Für eine Entwicklung separater Projekte, etwa einer gezielten individuellen Vermarktung, brauche es allerdings „jemanden vor Ort, um gemeinsam mit uns als Verband oder jemandem Dritten, den die Stadt beauftragt, zum Beispiel eigene Reportagen und Bilder zu erstellen. Wir diskutieren zunächst, welche Schwerpunkte die Kommune sieht, und gehen dann an die Umsetzung.“ Möglicher Schwerpunkt für Demmin ist aus Sicht des Verbands neben dem Nachthimmel mit der Sternwarte, die in der aktuellen Vorsaison-Kampagne beworben wird, der Bootstourismus. Doch um Konzepte und Kampagnen zu entwickeln, seien Akteure vor Ort, eine inhaltliche Weiterentwicklung und ein politischer Wille nötig.

Für Prädikat muss Demmin noch so einiges tun

Der ist durchaus da. „Die Wahrnehmung des Verbandes bei uns in der Gegend und speziell in Demmin zu steigern, ist unser Ziel“, so Bürgermeister Thomas Witkowski, der auch Vorstandsmitglied des Tourismusverbands ist. „Wir wissen, wie die Müritz zieht. Aber vielleicht gelingt es, eine Jahreskampagne zu starten, die auch etwas anderes abbildet.“

Einen Vorteil für Marketing und Öffentlichkeitswirksamkeit, aber auch für künftige Förderungen sieht er unter anderem darin, Demmin, wie auch vom Verband empfohlen, als Tourismusort prädikatisieren zu lassen. Einer gleichzeitigen Zertifizierung als Region oder sogar als gesamter Landkreis steht das laut Verband nicht entgegen. „Wir stehen aber noch am Anfang und müssen dafür noch ein paar Hausaufgaben machen“, ist sich Witkowski bewusst.

Noch liegt die Stadt, die ihre touristische Infrastruktur künftig weiter ausbauen will, bei den Übernachtungen hinter anderen Kommunen in der Region zurück. Mit Blick auf die von vielen Mitgliedern kritisierte Änderung des Beitragserhebungssatzes bedeutet das laut Witkowski: „Aufgrund unserer Übernachtungszahlen ist mit keinem erhöhten Beitrag zu rechnen.“ Im Gegenteil. Für 2022 zahlt Demmin rund 3000 Euro an den Verband. 2023, wenn aktuellere Bevölkerungszahlen zugrunde gelegt werden, sind es nach Angaben des Verbands noch rund 2800 Euro.

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