Protest des „Aktionsbündnis 8. Mai“ gegen einen Naziaufmarsch in Demmin.
Protest des „Aktionsbündnis 8. Mai“ gegen einen Naziaufmarsch in Demmin. Kai Horstmann
Heinz Wittmer und Gundula Meyer bei der Plakataktion vor dem 8. Mai dieses Jahres.
Heinz Wittmer und Gundula Meyer bei der Plakataktion vor dem 8. Mai dieses Jahres. Kai Horstmann
Am Fest zum Tag der Befreiung 2020 nahmen auch die Peenepiratinnen teil.
Am Fest zum Tag der Befreiung 2020 nahmen auch die Peenepiratinnen teil. Kai Horstmann
Engagement gegen Rechts

Demminer Aktionsbündnis erhält Stelling-Preis

Seit 2010 stellt sich das Aktionsbündnis 8. Mai dem Aufmarsch von Neonazis in Demmin entgegen, machte unter anderem durch gemeinsame Aktionen mit der Punkband „Feine Sahne Fischfilet” von sich reden. Jetzt gibt es für dieses Engagement einen weiteren Preis.
Demmin

Obwohl es in diesem Jahr keinen Aufmarsch von Neonazis durch die Hansestadt Demmin gab, ehrte die SPD Mecklenburg-Vorpommern das „Aktionsbündnis 8. Mai“ mit dem Johannes-Stelling-Preis, der in diesem Jahr zum 15. Mal vergeben wurde. Damit wird eine Gruppe geehrt, die sich seit 2010 den Umzügen von Neonazis zum 8. Mai mit friedlichem Protest entgegenstellt.

„Das Aktionsbündnis hat auf Versuche von Rechtsextremisten, die tragischen Ereignisse in Demmin nach dem Krieg für sich zu vereinnahmen, kreative Antworten gesucht und gefunden. Das Bündnis strahlt inzwischen weit über Demmin hinaus und steht für den Widerstand gegen rechte Geschichtsverdrehung“, heißt es in der Begründung zur Preisverleihung der SPD.

Gegen alltäglichem Rassismus

Das Aktionsbündnis tritt außerdem dem alltäglichen Rassismus entgegen. „Zum diesjährigen 8. Mai, wo uns zum Glück der Anblick von durch die Hansestadt laufenden Nazis erspart blieb, starteten wir eine Plakataktion, auf der die Deutsch-Jüdin und Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano (95) abgebildet war“, berichtet Heinz Wittmer vom Aktionsbündnis.

Der Preis ist nach Johannes Stelling benannt, der 1877 in Hamburg geboren wurde. Bereits in jungen Jahren trat er in die SPD ein und war von 1921 bis 1924 Ministerpräsident des Freistaates Mecklenburg-Schwerin. Er blieb trotz Warnungen in Deutschland und erhob seine Stimme gegen die Nazis. Johannes Stelling wurde im Juni 1933 im Zuge der Köpenicker Blutwoche in Berlin ermordet.

Die drei Preisträger, aus deren Runde ein Hauptpreisträger hervorgeht, wurden aus 28 Vorschlägen ermittelt. Dabei konnten auch Nichtmitglieder der SPD Vereine und Initiativen vorschlagen. Laut SPD-Landtagsfraktionspressesprecherin Yvonne Reißig handelt es sich bei den Kandidaten hauptsächlich um ehrenamtliche Gruppen, nur zwei von ihnen verrichten hauptberuflich ihre Arbeit. Voraussetzung für eine Preisverleihung ist ein Engagement gegen rechte Gewalt. „Es war sehr schwer, die drei Preisträger zu bestimmen, da alle Vorgeschlagenen eine sehr gute Arbeit leisten“, sagt Yvonne Reißig.

AfD kritisiert Krawalltouristen

Leider kommt es wegen Corona zu keiner öffentlichen Preisverleihung. Die SPD wird zunächst die einzelnen Gruppen anschreiben. Laut Yvonne Reißig wird es dann im Januar eine persönliche Preisübergabe vor Ort geben. Nun richtet sich das Augenmerk der drei Preisträger auf den Hauptpreis. „Wir wissen zwar schon, wer diesen erhalten wird, überlegen uns aber noch, wie wir den bekannt geben“, lässt Yvonne Reißig wissen.

Die gute Nachricht, dass ein Verein aus der Hansestadt landesweit geehrt wird, löst aber nicht bei allen Demminern Freude aus. Die AfD-Ortsgruppe spricht davon, dass das Aktionsbündnis nun auch noch für den Klamauk ausgezeichnet wird, den sie veranstaltet. Zudem würden die Bündnis-Aktionen Krawalltouristen nach Demmin locken. Polizeisprecherin Diana Mehlberg betont indes, dass Mitglieder des Aktionsbündnisses in all den Jahren friedlich ihren Protest zeigten.

Der Demmin-Überblick per Mail

Was gibt's Neues im Demminer Land? Unsere Reporter fassen wöchentlich die wichtigsten Nachrichten und Geschichten für Sie in unserem kostenlosen Newsletter zusammen. Jetzt schnell anmelden!

zur Homepage